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Infestus: Ex | Ist

Eine Ein-Mann-Band der guten Sorte
Wertung: 8/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 51:49
Release: 18.05.2011
Label: Debemur Morti Productions

Ach ja, die Ein-Mann-Projekte. Nichts wird wohl kritischer beäugt, noch dazu in der Schwarzwurzelszene, da in dieser Hinsicht wirklich unglaublich viel Grütze existiert – doch es gibt auch Ausnahmen. Eine davon stellt Infestus dar, die Spielwiese eines gewissen Andras, der zuvor als Drummer bei den bayrischen Blackies von Dunkelfront aktiv war, in seinem eigenen Projekt aber tatsächlich alle Instrumente bedient. Allerdings sei hinzugefügt, dass die vorigen Werke (namentlich die beiden Full-Length-Scheiben „Worshiping Times Of Old“ von 2004 und „Chroniken des Ablebens“ (2008), sowie eine Split und ein Demo) noch mit etwas umfangreicheren Line-Ups aufgenommen wurden, die Combo war also früher mal mehr oder weniger eine „richtige“ Band.

Auch wenn mir diese vorigen Werke leider nicht bekannt sind und ich nicht beurteilen kann, wie diese qualitativ ausgefallen sind – das, was Andras auf „Ex | Ist“ abliefert, ist in jedem Falle äußerst beeindruckend. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man nicht wirklich auf die Idee kommen, dass Infestus auf dieser Langrille zu einer One-Man-Show geschrumpft sind, dazu klingt das Endresultat zu dynamisch und, man könnte fast sagen, zu professionell. Die Arrangements sind sehr fein ausgearbeitet und da alle Instrumente handwerklich makellos eingespielt sind, ist klar, dass wir es hier mit einem Künstler mit großem musikalischem Verständnis zu tun haben, und nicht mit einem Möchtegern, der nur mal zeigen will, wie toll er mehrere Instrumente beherrscht.

Tatsächlich ist „Ex | Ist“ sogar eine der stärksten Ein-Mann-Platten, die mir in dieser Szene je untergekommen sind. Stets atmosphärisch, liegt dem Ganzen eine melancholische Stimmung zugrunde, die die Combo in Depressive/Suicidal-Black-Metal-Gefilde à la Austere, Woods Of Desolation oder Shining rückt, wobei Andras es Gott sei Dank unterlässt, selbstmitleidig herumzujammern und zu -schreien, wie so viele Frontmänner dieses Subgenres es gerne tun, sondern es bevorzugt, schwarzmetalltypischer heiser zu krächzen. Vereinzelte Blastbeat-Attacken machen jede Menge Dampf, doch ist die Mucke insgesamt sehr melodisch gehalten – die vielen wunderschönen, teilweise regelrecht verträumt und wehmütig anmutenden Tonfolgen auf der Gitarre sind das Salz in der Suppe und geben den Songs ihr Gesicht, während die akustischen, ruhigen Passagen für nachdenkliche Momente sorgen.

Das knapp vierminütige „Akoasma“ bildet hierbei nur einen kleinen Vorgeschmack, es sind vor allem die überlangen, bis zu fast zehn Minuten dauernden Kompositionen „Down Spiral Depersonification“, „Darkness Blazing In The Flame Of Fire“, „Mirror Mind Reality“, „Der Blick hinaus“ (diesmal das einzige Stück mit deutschem Text) oder „Descent Direction Void“, in denen man wunderbar versinken und sich der elegischen, depressiven Stimmung hingeben kann. Es gibt nur einen Kritikpunkt: Das Schlagzeug klingt zu sauber und zu geleckt für eine Platte, die so viele tiefgängige Momente besitzt – schade, dieser etwas substanzlose Trigger-Sound war unnötig und nimmt dem Ganzen zwar ein wenig die Magie, ist zum Glück aber nicht so penetrant, als dass er die komplette Atmosphäre zerstören würde. Denn dazu ist „Ex | Ist“ einfach zu gut – das Album wirkt garantiert am besten in einer kalten, klaren Winternacht.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann