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Infernal Poetry: Nervous System Failure

Wahnsinnig genial, genial wahnsinnig
Wertung: 8.5/10
Genre: Schizo Death Metal
Spielzeit: 40:32
Release: 25.05.2009
Label: Copro / Casket / PHD

Wie heißt es so schön? Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander. Nichts könnte die Italiener von Infernal Poetry besser umschreiben, wenn es um deren musikalisches Treiben geht. Gegründet 1996, erspielten sich Paolo Ojetti (Vocals), Daniele Galassi (Gitarre), Christian Morbidoni (Gitarre), Alessandro Infusini (Bass) und Alessandro Vagnoni (Drums) schon bald den Ruf eine der originellsten Extreme Metal-Bands in Italien.

Musikalisch ganz grob umrissen geben sich die fünf Musiker dem technischen Death Metal hin, doch weit gefehlt, wer annimmt, dass dies schon alles ist, denn die Jungs haben eine schier unglaubliche Vielfalt an verschiedenen Stilen und Elementen mit in ihre Songs eingebaut. Man nehme einen Mix aus Machine Head, System Of A Down, Slipknot und füge dem Ganzen ein gehöriges Potenzial an Wahnsinn und nicht zuletzt geniale Ideen hinzu, fertig ist „Nervous System Failure“.

Mit einem Warnhinweis namens „User Advisory“ starten wir in dieses bunte Potpourrie geistiger Ergüsse der harten Musik. In diesem Warnhinweis wird dem Hörer unmissverständlich klar gemacht, dass, wenn man ein konventionelles Metal-Album hören möchte, man eben auch ein konventionelles Metal-Album in den Player einlegen sollte. Andererseits sollte man ein paar Sekunden warten und sich entspannen, wenn man das denn kann. Es kann sich später also niemand darüber beschweren, nicht gewarnt worden zu sein. 

Und eben das, nämlich Entspannen, ist bei der Musik von Infernal Poetry nahezu unmöglich: Schon bei deren erstem regulären Song „Post-Split Anathemas“ bekommt man dissonante Töne zuhauf um die Lauscher geballert, außerdem treiben es die Italiener mit den eingebauten Breaks auf die Spitze. Hört man dieses Stück nur oberflächlich, so klingt das Ganze eher zerfahren. Man muss sich ganz auf diesen Wahnsinn (in positiven Sinne gemeint) einlassen. 

Dass man auch „Forbidden Apples“ mitnichten als bloße Hintergrundmusik laufen lassen sollte, kann ich nur unterschreiben. Hysterisches Lachen und Flüstern geben diesem Song das Unverkennbare und Charakteristische. Zuviel soll an dieser Stelle aber auch nicht verraten werden, da sonst die Specials zu schnell verraten sind. 
Was auffällt, ist, dass man bei „Brain Pop-Ups“ den Kopf für das, was hier alles passiert, vollkommen frei haben muss. Ist aber dies der Fall, ist man vollends begeistert von all dem, was in diesem Stück geboten wird. „They Dance In Circles“ verfügt als erster Song über einen Spielfluss, der es dem geneigten Hörer auch mal über 20 – 30 Sekunden am Stück ermöglicht, der Matte Luft zu verschaffen. 

Ein Instrumental der gewagten Art (aber mal ehrlich, erwarten wir von den Jungs auch etwas anderes?) bekommt der Hörer mit “The Heater, The Wall, The Hitter” geboten, das von dem eingangs treibenden und nicht nur seitens der Vocals ein wenig an Machine Head erinnernden „The Next Is Mine“ fortgesetzt wird. Wer aber jetzt einen reinen Nackenbrecher erwartet, den muss ich enttäuschen, denn Überraschung und Abwechslung wird auch hier wieder groß geschrieben. Denn sonst würde ja auch nicht „Nervous System Failure“ auf dem Albencover stehen, oder?

Wozu eine Pause? Die sind absolut überbewertet, denn ohne Unterbrechung geht der Song über in „Back To Monkey“. Eingangs “La Macchina Del Trapasso” erfolgt ein weiterer Warnhinweis, dass nämlich niemand gezwungen wird, weiter zu hören. Im folgenden sind Herztöne sowie ein schwer atmender Mensch zu hören, mit dem es zu Ende geht, wie man an der intonierten Null-Linie und nicht mehr vorhandenen Atemgeräuschen hören kann.
Das folgende “Pathological Acts At 37 Degrees” hätte ich in ähnlicher Form auch von System Of A Down erwartet, bei denen dieses Stück allerdings bei weitem nicht mit dieser Härte ausgefallen wäre. Bei „Drive-Gig Drive-Gig” scheint es, als seien die Pferde mit den Jungs vollends durchgegangen, doch gerade in diesem Stück zeigt sich die Genialität, mit der die Musiker songwriterisch zuwerke gegangen sind. Zum Schmunzeln regt der zwischenzeitliche Soundcheck innerhalb des Songs an. 

Instrumental Numero due auf diesem Album bildet „Wizard Touch, Part III“, welches einer Verschnaufpause gleichkommt. Getreu dem Motto „save the best for last“ kredenzen uns die Italiener ihren Titeltrack „Nervous System Failure“ zum Schluss und zeigen ein letztes Mal, dass sie auf Genregrenzen oder jegliche Konventionen pfeifen, denn was hier alles Einzug gefunden hat in die Songstrukturen, ist kaum zu beschreiben. Einfach hören und staunen, heißt die Devise. Getreu den eingespielten Sprachfetzen „Relax, if you can“ ist an ebensolches rein gar nicht zu denken, und das zum Ausklingen des Album bis zum Nervig-Werden wiederholte „Nervous System Failure“ inklusiver allerhand technischer Verzerrungen passt einfach wunderbar ins Gesamtkonzept.  

Das, was als weiterer Hinweis nach dem letzten verzerrten Sprachfetzen erklingt, ist so etwas wie eine Danksagung und wenn man mal genauer darüber nachdenkt, verwurstet man mit einem Augenzwinkern das ganze Gehabe mit den Bonus-Songs auf so manchem Album anderer Bands. 

Fazit: Endlich mal etwas Anderes in dieser wahnsinnigen Flut an gleich klingenden Bands und daher innovationsarmen Zeit. Ziemlich abgefahren, aber gerade deshalb so interessant, erfrischend verrückt und spannend. 

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