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Indrama: Timescapes

Wie ein kaputter Wasserhahn
Wertung: 4/10
Genre: Rock/Ambient/Gothic/Symphonic
Spielzeit: 52:37
Release: 26.05.2010
Label: Eigenproduktion

Indrama kommen aus der spanischen Hauptstadt Madrid und veröffentlichen mit „Timescapes“ ihre erste Platte seit der Gründung im Jahre 2008. Damals suchte Sänger, Songwriter und Gitarrist Jesús Pinilla Mitstreiter, um seine musikalischen Ideen zwischen Rock, Jazz, Gothic und Ambient angemessen umzusetzen. Fündig wurde er bei gleich fünf Musikern – drei Männer, zwei Frauen –, womit Indrama vom Ein-Mann-Projekt zum Sextett heranwuchs. Mit zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass und Keyboard steht das umfangreiche instrumentale Fundament; den Gesang übernimmt größtenteils Sängerin Selene, während sich Jesús auf das Gitarrenspiel und gelegentlichen Hintergrundgesang konzentriert.

Der Opener „Free Me“ eröffnet mit Klavier-Arpeggios, die wenig später Unterstützung von zwar harten, aber leisen Rockgitarren und etwas zu dezentem Schlagzeug bekommen. Als Selenes Gesang einsetzt, fällt zuerst ihre glockenhelle und klare Stimme auf, die spontan an Bilinda Butcher von My Bloody Valentine erinnert. Dann bemerkt man ihren harten spanischen Akzent, der einerseits ungewohnt klingt, andererseits aber nicht uninteressant: Schließlich hört man Englisch singende Spanierinnen hierzulande in der Rockmusik eher selten. Der instrumentale Unterbau des Tracks ist kaum anders als mit dem Wort „seicht“ zu umschreiben; sphärische Schwebesounds aus dem Synthesizer, sanftes Drumming, meditative Bässe und Gitarrengeklimper bestimmen das Klangbild. Nur selten tragen die verzerrten Sechssaiter vom Anfang Melodielinien oder kurze akkordische Passagen bei. So plätschert „Free Me“ mehr oder weniger vor sich hin, was an sich nicht schlecht wäre – sofern es auf die Songebene begrenzt bliebe.

Leider bleibt der gleichförmig-sanfte Sound des Openers aber über weite Strecken von „Timescapes“ erhalten. Zwar gibt es auch gelegentlich eingestreute, rockigere Passagen; diese sind aber eher die Ausnahme und werden von der Produktion in ihrer Wucht stark behindert, denn Gitarrenwände rauschen generell verwaschen durch den Songhintergrund. Dem Schlagzeug fehlt es ebenfalls an Durchsetzungsvermögen; über weite Strecken reihen sich schleppende, monotone Rhythmen aneinander. Soundtechnisch erinnern die Kessel auch eher an einen gleichförmigen Drumcomputer. Ein Song wie „From“, der mit stilistischen Einflüssen von Jazz bis Gothic Metal eigentlich viele interessante Ideen vereint, verliert durch diese Schwächen viel von seinem Reiz.

Den vorläufigen Höhepunkt der langweilenden Monotonie erreichen Indrama mit „Tonight“. Die Drums schleppen sich dermaßen penetrant durch die Walachei, dass der Eindruck entsteht, der Drummer müsste doch eigentlich bald rückwärts spielen. In den Melodieinstrumenten und am Mikrofon bleibt dazu alles wie gehabt: Es plätschert in Ausmaßen, die nach klempnerischer Nothilfe schreien. Mit dem Prädikat Ambient ist dieses Ausmaß der Gleichförmigkeit nun nicht mehr zu entschuldigen. Zu allem Überfluss beginnt auch Selenes anfangs noch angenehm klare Stimme langsam zu nerven. Das ist kein gutes Zeichen, zumal „Tonight“ erst der vierte Song ist.

„My Dark Soul“ funktioniert da schon wesentlich besser, denn hier ist man sich endlich einig gewesen, dass es doch jetzt bitte Rockmusik und kein Ambient sein soll und die Band sich bemüht, auch insgesamt so zu klingen. Mit besserer Produktion wäre das hier wohl ein ganz annehmbarer Symphonic-Metal-Track geworden; die starke Fokussierung auf Keyboards bei gleichzeitiger Vernachlässigung von Gitarren und Drums sorgt momentan noch für einen Klang irgendwo in der Nähe von Kate Ryan. Aber immerhin: Es ist ein Beweis, dass noch nicht alles verloren ist.

Schlagartig gut wird „Timescapes“ dadurch leider nicht. Der unheilvoll zahnlose – nennen wir es – Fluss der meisten Songs bleibt auch in der zweiten Albumhälfte erhalten. Hörbare Momente gibt es immer mal wieder; vom Hocker haut einen hier aber nichts und zum Meditieren möchte man dann doch auch lieber anderes hören als mit Keyboardsounds überfrachtete Synthieflächen, die vor Streichern ebenso wenig Halt machen wie vor New-Age-Panflöten. Unterm Strich ist die Platte also weder Fisch noch Fleisch: Zu wenig besinnlich und auf Dauer zu nervig für hörbaren Ambient; zu seicht und zu zahnlos für Rock oder Metal. Vielleicht kann schon eine bessere Produktion aus Indrama eine bessere Band machen. Vielleicht sind die Spanier dann aber auch erst solides Mittelmaß.

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