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Indica: A Way Away

Aus alt mach neu - neues Album, alte Stücke, neue Sprache
Wertung: 7/10
Genre: Pop Rock/Alternative Rock
Spielzeit: 46:21
Release: 25.06.2010
Label: Nuclear Blast

Englisch ist heutzutage nicht nur Weltsprache, sondern auch Sprache des (weltweiten, wirtschaftlichen) Erfolgs. Nicht verwunderlich ist es deshalb, dass etliche Bands, die früher ihre eigenen Landessprache verwendeten, heute lieber auf Englisch singen und texten.

Stutzig macht einen ein plötzlicher Sprachwechsel auf jeden Fall, besonders, wenn es sich um eine Band handelt, die bereits auf vier komplett in finnisch gehaltene Alben zurückblicken kann. Im Falle der fünf Mädels von Indica kommt dabei noch etwas dazu: Obwohl erst letztes Jahr ein Best-of-Album mit dem Titel „Pahinta tänään“ veröffentlicht wurde, bekommt man beim neuen Album „A Way Away“ das Gefühl, es handele sich erneut um ein solches – schließlich sind alle zehn darauf enthaltenen Songs lediglich mit englischem Text versehene Neuaufnahmen verschiedener Lieder ihrer zwischen 2004 und 2008 erschienenen vier älteren Studioalben (in der Tracklist unter diesem Review sind die alten Titel in Klammern aufgeführt).

Fakt ist also, dass „A Way Away“ eine neue Sprache, aber kein neues Material bietet. Lohnt es sich dennoch, den Kauf des Albums in Erwägung zu ziehen?

Sofern man die musikalische Ausrichtung von Indica mag und sich nicht, wenn man die älteren Alben der Band kennt, von den altbekannten Melodien stören lässt, lohnt es sich auf jeden Fall – denn die Songs sind allesamt in ein neues, klangliches Kleid gesteckt. Musikalisch vergleichsweise chartfreundlich waren die fünf Finninnen ja schon immer, dies hat sich, da alte Melodien übernommen wurden, auch nicht verändert, „A Way Away“ ist im Vergleich zu den älteren Werken allerdings das Album, welches während der Produktion am meisten symphonischen Bombast abbekommen hat; man erkennt ohne Probleme die Handschrift von Nightwish-Mastermind Tuomas Holopainen, der als Produzent tätig war. Die Songs klingen allesamt reifer und ausgefüllter, allerdings gleichzeitig auch – poptypisch – stark glattproduziert.

Musikalisch bewegen sich die zehn Songs zwischen zwei „extremen“ Polen: Als härtester Track des Albums steht „Scissor, Paper, Rock“ (einst als „Ikuinen Virta“ der Titeltrack des Debütalbums von Indica) auf der einen Seite, wobei die Härte natürlich relativ zum Genre des Pop-Rock / Alternative Rock zu sehen ist. In diesem Lied werden am großflächigsten und am offensichtlichsten verzerrte Gitarren eingesetzt. Diese dominieren das Klangbild und drängen die symphonischen Elemente entsprechend in den Hintergrund. Auch kommt hier mit das flotteste Tempo zum Tragen.

Auf der anderen Seite findet sich mit dem Titeltrack „A Way Away“ eine Vollballade, die selbst für symphonische Standards sehr stark in Richtung Kitsch geht, nicht unbedingt so sehr durch das die Instrumentierung tragende Piano und die zurückhaltenden Streicher, sondern eher durch den dort verwendeten Gesangsstil von Sängerin und Bandchefin Jonsu, die nicht allein durch ihre auffallende, leuchtend rote Haarfarbe der ultimative Blickfang unter den fünf Frauen ist (was auch durch farblich entsprechend gestaltete Cover, wie beispielsweise von der ersten digitalen Singleauskopplung "In Passing", herausgehoben wird).

Die restlichen acht Stücke von „A Way Away“ pendeln irgendwo zwischen diesen beiden Songs, so gehen beispielsweise „Lilja's Lament“ (ehemals „Rannalla“) und „Eerie Eden“ (früher „Vettä Vasten“) stark in die Richtung, welche „A Way Away“ vorgibt, während der Opener „Islands Of Light“ („Vuorien Taa“) weitaus rockiger daherkommt.

Ein Song muss jedoch noch herausgehoben werden: Die bereits erwähnte erste digitale Singleauskopplung „In Passing“ hat von allen zehn Tracks des Albums mit das größte Hitpotential. Sie bildet einen gelungenen Mittelweg zwischen klassischer Bandinstrumentierung und balladeskem Klavier sowie Streichern, auch wenn der Balladencharakter etwas stärker ausgeprägt ist, und steht nicht umsonst als fünfter Song in der Mitte des Albums: Zwar ist „In Passing“ kein musikalischer Wendepunkt, aber sicherlich ein auditiver Höhepunkt.

Zusammenfassend lässt sich über „A Way Away“ (nebenbei ein Wortspiel, welches man – je nach Geschmack – als unsäglich oder raffiniert bezeichnen könnte) sagen, dass der Mangel an wirklich neuem Material zwar alteingesessene Indica-Hörer enttäuschen wird, dies durch die höhere Qualität der Neueinspielungen aber zumindest teilweise kompensiert werden kann. Die englische Sprache zeigt durch ihren anderen Charakter auch leicht andere Facetten in Jonsus Stimme.

Für Indica-Neulinge, die sich von ihrem Genre angesprochen fühlen, ist „A Way Away“ allemal ein Antesten wert; Menschen, die sich nach aufwändigen und originellen Kompositionen sehnen, nehmen aber lieber Abstand.

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