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In This Moment: A Star Crossed Wasteland

So einfach kann man sich selbst ein Denkmal setzen
Wertung: 10/10
Genre: Metalcore, Nu Metal
Spielzeit: 42:06
Release: 09.07.2010
Label: Century Media

In This Moment aus Amerika kommen mit neuem Album. Aha, denke ich mir, wer auch immer das sein mag. Schauen wir doch mal auf Myspace rein. Die Seite öffnet sich langsam aufgrund übergroßer Fotos und nun ja, da sind wohl die Hauptattribute der Band: Im Vordergrund steht Sängerin Maria mit ihren beiden besten Argumenten, denke ich. Tja, wie das Leben so spielt, beginnt dann ein Film wie in der Hornbach-Reklame: Links und rechts bekomme ich eins übergebraten wegen meiner falschen Gedanken.

Nach kurzem Intro beginnt die „Gunshow“: Majestätisch erklingen die E-Gitarren, bevor Maria sich ohne Warnung die Stimmbänder zur Begrüßung aus dem Leib brüllt. Wow, der Schädel fliegt wie im Reflex vor und zurück und man merkt nur, dass die Brille quer durch den Raum fliegt. Maschinengewehrsalven werden aus den Gitarren geprügelt und mit kräftigem Groove wird hier ein mächtiges Fass aufgemacht. Dazwischen immer wieder der aufheulende, fast schon Black Sabbath-mäßige Bass von Kyle Lonkiel. Wow, was ist denn hier los? Dieses kleine Persönchen schreit wie eine 1,90 Meter große Amazone.

Richtig melodisch wird dann „Just Drive“ gestartet. Das geht aber gerade mal zehn Sekunden gut und dann wird das Gaspedal durchs Bodenblech getreten. Zur Hölle, die geht ja noch mehr ab als Skew Siskin-Röhre Nina C. Alice. Auch wenn man sich teilweise in Metalcoregefilde begibt, ist dies das mit Abstand Beste, was ich in den letzten Jahren zu hören bekam. Melodische Parts werden hier mit aggressivsten Attacken kombiniert. Ein Fest für die Orthopäden, die die zerstörten Nacken wieder hinbiegen dürfen.

„The Promise“ frönt dann ein wenig mehr dem Nu Metal. Schade, dass Maria hier eher in der zweiten Reihe singt und eine männliche Stimme häufig im Vordergrund steht. Trotzdem ein weitere großer Song, der einfach nur die Birne zum kräftigen Schütteln anregt. Hier wird gesungen, geschrien oder auch ansatzweise gegrowlt und es klingt einfach spitzenmäßig. Das Ganze wird in einem perfekten Sound dargeboten, der mächtig Druck erzeugt.

„Standing Alone“ ist dann keine Ballade, sondern „nur“ ein weiterer Tritt ins Gemächt. Melodiöse Gesangslinien paaren sich mit treibender Stimmbandakrobatik bis hin zu fast schon hysterischen Schreiattacken. Aber die Mischung macht´s. Da wirkt nichts aufgesetzt oder erzwungen und der tolle Ohrwurmrefrain holt den Headbanger immer wieder zurück auf den Boden, auch wenn gleichzeitig Drummer Jeff Fabb versucht, seine Doublebassdrum zu zerlegen.

„A Star-Crossed Wasteland“ wirkt dann trotz hartmetallischer Instrumentierung recht melodisch. So sorgt man dafür, dass man zwar keine Chance auf die Charts hat, aber sich selbst treu bleibt. Kein Wunder, dass die Band schon im Vorprogramm von Ozzy Osbourne im ausverkauften Madison Square Garten auftreten durfte. Chris Howorth und Blake Bunzel zocken ihre Gitarren in allerbester Manier, immer banddienlich und trotzdem auf hohem spielerischen Niveau.

„Blazin`“ beginnt mit sirenenartigen Lauten und den tief in die Magengegend schlagenden Bass/Drum-Salven. Maria Brink gibt Gas und schreit, als ob sie auf der Bühne kein Mikro benötigen würde. Zur Hölle, mit der will man nicht streiten, das hört man noch am anderen Stadtende. Dazu tolle Soli der Sechssaiten-Fraktion und der Nacken schmerzt ungewöhnlich deutlich für die erst kurze Spieldauer.

„The Road“ macht da keine Ausnahme, gerade weil der in den Wahnsinn treibende Refrain, oder wenn ich ehrlich bin, die gesamte Vocalline in den Wahnsinn treibt. Leider verschwindet das tolle Gitarrensolo am Ende in den ewigen Weiten des Faders.

„Iron Army“ erhöht dann nochmal in den Strophen den Kreischfaktor, um zwischendurch Melodien wie aus den Charts zu präsentieren. Ich bin gespannt, ob die Band das live in dieser Form hinbekommt.

Deutlich gemäßigter kommt dann „The Last Cowboy“ daher. Marias Ansagen kommen per Megafon daher und sorgen für wenigere Emotion, ohne aber den Qualitätsstandard herunter zu schrauben. Wie geil kann Musik sein? Im Stil befinden sich zwei Musikrichtungen, die inzwischen schon fast als Beschimpfungen genommen werden, aber hier bringt  In This Moment einen hell glühenden Stern in die Öde des Metalcores und des Nu Metals.

Eigentlich schade, dass es dann doch noch eine zuckersüße Ballade gibt. Aber eigentlich auch nicht. Absolut untypisch für die aktuelle Scheibe wird sie dann beendet. „World In Flames“ hat genug Charme, um zumindest in die Charts einzusteigen. Nein, diese Abschlussleistung hätte ich dem Fräulein aus Südkalifornien auch nicht zugetraut. Scheiß die Wand an, was ist das für eine Hammernummer zum Ende hin.

Fazit: Der nächste musikalische Hammer in diesem Jahr. Konnten doch speziell die Thrash Metal Acts in diesem Jahr Höchstwertungen bei mir erspielen, so zieht mich diese Band ebenso in ihren Bann. Eine herausragende Leistung einer Band, die nicht bei weitem nicht nur einen Eyecatcher hat, sondern dem Hörer derart in den Allerwertesten tritt, dass man meint, die Stiefelspitze mit der Zunge schmecken zu können.

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