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In Mourning: The Weight Of Oceans

Man muss Geduld mitbringen
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive/Melodic Death Metal
Spielzeit: 61:01
Release: 04.05.2012
Label: Spinefarm Records

Ganz ehrlich, von In Mourning hab ich vor Erhalt der vorliegenden Scheibe noch nie etwas gehört. Allerdings erregt die Tatsache, dass die ersten beiden Alben der Schweden bei The-Pit.de einmal mit 9,5 und einmal mit 3 Punkten bewertet wurden, schon gleich höchste Aufmerksamkeit – eine solche Diskrepanz besitzt, auch wenn es sich um zwei unterschiedliche Rezensenten handelte, sicherlich eher Seltenheitswert. Auch dass man mit einer Drei-Gitarren-Front auftrumpft, lässt definitiv aufhorchen.

Ex-Kollegin Nicola Holm bemängelte beim 2010er Werk „Monolith“ stilistische Orientierungslosigkeit; die Band würde nichts Halbes und nichts Ganzes fabrizieren und zum Teil sogar das Verbrechen begehen, sich in Nu-Metal-Gefilde vorzuwagen. Nun, was immer da dran sein mag und wie auch immer die sonstige Kritik zu der damaligen Platte ausgefallen ist, von solcherlei Experimenten werden wir auf „The Weight Of Oceans“ (einem erneuten Konzeptalbum) jedenfalls (zum Glück) verschont. Stattdessen dominiert melodisch-progressiver Death Metal mit großflächigen Breitwand-Sounds, der in seiner melancholischen Atmosphäre stark an eine Combo der Marke Swallow The Sun erinnert – spontan würde man auf jeden Fall eher an eine finnische denn eine schwedische Band denken, obwohl eine gewisse Nähe zu Opeth (ohne Akustikgitarren) sicherlich nicht zu leugnen ist.

Doch was In Mourning auch immer zuvor gespielt haben – schon der knapp zehnminütige Eröffnungsbrocken „Colossus“ (gleichzeitig längster Track des Albums) zeugt von großem musikalischem Verständnis, folgt er doch einem spannenden, behutsamen Aufbau und ist immer wieder garniert mit hübschen Gitarrenlicks und -soli, die sehr überlegt eingesetzt wurden. Ruhige Synthesizerklänge leiten das Epos ein, schließlich kommt ein sich stetig steigerndes Schlagzeug und eine prägnante, kleine Gitarrenmelodie hinzu, die die Basis für das Stück bilden, das durch Pendeln zwischen traurigen Tonfolgen und dramatischen Riffs einerseits sowie einem sowohl tief grummelnden als auch verzweifelt schreienden Frontmann andererseits eben jene bereits erwähnte, dichte Swallow-The-Sun-Atmosphäre heraufbeschwört. Zweifellos ein beeindruckender Beginn – ein klasse Stück voller Spannung und Abwechslungsreichtum, aber dennoch mit klar durchdachter Struktur.

Das Niveau dieses großartigen Openers sollen die Schweden dann im weiteren Verlauf zwar nicht mehr ganz erreichen können, allerdings wird in Form des zweiten Tracks „A Vow To Conquer The Oceans“ umgehend sehr stark nachgelegt. Auch hier wird äußerst kreatives und abwechslungsreiches Songwriting demonstriert; man startet sehr flott, während in der Mitte eine Passage ertönt, die ruhig beginnt, dann aber in puncto Härtegrad und Dynamik step by step eine Steigerung erfährt. Diese Stelle ist auch gleichzeitig ein sehr gutes Beispiel für das effektive Verwenden von drei Gitarren (gell, Maiden?), da hier wirklich gut herauszuhören ist, wie eine Klampfe nach der anderen einsetzt. Besonders tut sich bei dem Song allerdings der höchst emotionale, herausgeschriene Refrain hervor – nein, ein Makel ist auch in diesem Stück nicht wirklich auszumachen.

Man muss bei In Mourning schon ein wenig Geduld mitbringen, da die Band es eben ganz offensichtlich liebt, ihre Hörer zu überraschen. Harte, aggressive Sequenzen werden oft von melodischen Teilen abgelöst, tiefes Growling von Geschrei, hier und da gibt es ein paar cleane Einschübe – doch gönnt man sich ein paar Durchläufe, sollten zumindest Freunde von älteren Opeth und Swallow The Sun ihre Freude an der Platte haben. So abrupt manche Wechsel zunächst erscheinen mögen, nach einigen Rotationen lässt sich der Plan dahinter schon erkennen – hier wurden keineswegs nur unterschiedliche Parts aneinander geklatscht. In aufwühlenden, packenden Nummern wie „From A Tidal Sleep“, „Convergence“ oder „The Drowning Sun“ passiert unheimlich viel; hier wird es doomig, da erklingt plötzlich eine Doppel-Lead-Passage, dort findet mit einem Mal ein explosiver Ausbruch statt – langweilig wird es garantiert zu keinem Zeitpunkt. Die vergleichsweise konventionelle Ballade „Celestial Tear“ ist noch das schwächste Stück auf „The Weight Of Oceans“; wenngleich doch ein willkommener Ruhepol zwischen all den ereignisreichen Epen, besitzt sie keineswegs die Qualität der balladesken Songs der oben mehrfach erwähnten Referenzbands. Dennoch keine Frage: In Mourning haben – wenigstens auf diesem Album – fast alles richtig gemacht.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann