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In Mourning: Afterglow

Interessante Scheibe einer musikalisch starken Band, nur in wenigen Momenten etwas überambitioniert
Wertung: 8/10
Genre: Melodic/Progressive Death Metal
Spielzeit: 55:33
Release: 20.05.2016
Label: Agonia Records

In Mourning gelten für viele als die Hoffnungsträger im melodisch-progressiven Death Metal. Mit ihrem letzten Album „The Weight Of Oceans“ konnten die Schweden eine bemerkenswerte Duftnote setzen und werden spätestens seitdem als so etwas wie die neuen Opeth gefeiert – gerade nachdem ihre Landsleute nun bereits seit zwei Alben auf Growls und überhaupt Todesstahl-Elemente komplett verzichten. Kompositorisch hatten sich Frontmann Tobias Netzell und seine Truppe stets weiterentwickelt und mit vier Jahren ist seit dem letzten, gefeierten Output eine Menge Zeit vergangen; da liegt es nahe, dass man von der neuen Platte „Afterglow“ ziemlich viel erwartet. Dass in Gestalt von Ex-Katatonia-Schlagwerker Daniel Liljekvist außerdem ein recht prominenter Neuzugang hinter den Kesseln zu verzeichnen ist, lässt ebenfalls aufhorchen.

Wie sehr der Fünfer offenkundig auf den Ozean und das Meer steht (Ahab lassen grüßen), war bei der letzten Platte ja schon allein anhand des Titels erkennbar und auch auf „Afterglow“ wird diese Thematik erneut verwendet. Das Coverartwork mit einem einsamen Leuchtturm auf einem Felsen, umgeben von (im wahrsten Sinne) feurig-wilden Wellen, suggeriert dies ziemlich klar, genauso wie Titel der Marke „Fire And Ocean“ und „The Lighthouse Keeper“, die mit dem Cover außerdem bestens harmonieren.

Mit erstgenanntem eröffnet die Scheibe und schnell zeigt sich, dass die Band in Sachen Dramatik genau da weitermacht, wo sie mit dem 2012er Werk aufgehört hat. Recht düster und aufwühlend tönt der Opener und tatsächlich erinnert das Dargebotene stark an Opeth zu „Deliverance“-Zeiten, vor allem durch die Art des schneidenden, komplexen und doch melodischen Riffings. Und wenn man sich zu Gemüte führt, wie unterschwellig Gitarrenlicks eingebaut und wie clever Tonartwechsel vorgenommen werden, beweist dies, dass In Mourning sehr gut wissen was sie tun und auf einem verdammt hohen musikalischen Niveau agieren.

Auch wenn diese Reminiszenzen an Åkerfeldt und Co. im Laufe der Platte immer wieder deutlich auftauchen, verbietet es sich, von einem bloßen Abziehbild zu sprechen. So verwendet die Formation auch auf „Afterglow“ keine Akustikgitarren, trotz dreier Gitarristen. Vielmehr tendiert man hin und wieder zu post-rockigen Sequenzen, wie beim überraschenden Finale von „Ashen Crown“, wo die dreifache Klampfenpower innerhalb einer herrlich entspannt groovenden Passage sehr schön in Szene gesetzt wird.
 
Mit überraschenden Wendungen glänzen ist ja die Essenz jeder Prog-Metal-Combo, und in dieser Hinsicht sind die Schweden in der Tat schon sehr weit. Das überragende „Below Rise To The Above“ beispielsweise folgt einem durchdachten Aufbau, wobei der Song ebenfalls fast post-rockig, ruhig und melancholisch beginnt, um dann in einen epischen, metallischen Part zu münden, der allerdings immer noch genug Platz für allerlei melodische Schnörkel im Gitarrenbereich bietet, die sich nach und nach richtig offenbaren, aber ebenso für einen vertrackten Synkopen-Teil à la Tool.

Das zehnminütige „The Grinning Mist“ ist eine mindestens genauso hart zu knackende, mit vielen Wechseln ausgestattete Nuss, im bereits genannten „The Lighthouse Keeper“ scheint sich die Truppe jedoch ein wenig zu übernehmen. Der Track beginnt lässig und entspannt mit einem interessanten Clean-Gitarren-Riff, das schnell in härterer Manier variiert wird, um schließlich erneut in post-rockige Gefilde vorzudringen, bevor wieder mal Opeth Guten Tag sagen und das Ganze epische Formen annimmt. Vereinzelte Uptempo-Einsprengsel finden sich außerdem wieder – und insgesamt wird man, obwohl das Stück als solches zweifellos klasse gemacht ist, das Gefühl nicht los, dass hier doch ein bisschen zu viel auf einmal gewollt wurde.  

Dennoch steht außer Frage, dass In Mourning mit „Afterglow“ eine beeindruckende Scheibe vorlegen. Um rein musikalisch wahrhaftig zu Opeth aufzuschließen, fehlt vielleicht noch ein Tick, weil bei den Kollegen einfach noch mehr Dynamik herrscht und die Übergänge zwischen Sanftheit und Härte noch weicher und eleganter gestaltet sind, trotzdem ist das schon sehr stark, was das Quintett aus dem kleinen Falun hier anbietet – übrigens auch gesanglich betrachtet. Auch wenn hier und da manches etwas überambitioniert erscheint: Kompositionen wie die erwähnten „Ashen Crown“, „Below Rise To The Above“ oder auch das streckenweise richtig schön fiese „The Call To Orion“ sowie der schleppend-doomige Titelsong am Ende sind sowohl songschreiberisch als auch Arrangement-technisch spannend und abwechslungsreich. Jeder Fan von progressiv geprägtem Todesmetall sollte hier unbedingt ein Ohr riskieren. Ein Ärgernis ist nur der extrem dumpfe Sound, wer hat das denn gemixt und gemastert? Da müssten Agonia Records normalerweise noch mal ran.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann