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In Legend: Pandemonium EP

Eine faszinierende Platte
Wertung: 8.5/10
Genre: Experimental, Metal
Spielzeit: 18:19
Release: 01.01.2010
Label: Eigenproduktion

Das erste Instrument, das man mit dem Genre Metal oder auch Rock verbindet, ist seit jeher die E-Gitarre. Symbol für bis ins Mark gehende Riffs, fesselndes Geschredder und hingebungsvoll in der Luft mitgespielte Soli. Darum ist es umso mutiger, wenn man den Weg wählt, den Bastian Emig mit seiner Combo In Legend beschreitet – der ersetzt das allseits beliebte Männlichkeitssymbol nämlich durch das klassischste aller Instrumente: Das Piano. Wem der Name nun bekannt vorkommt, der sei aufgeklärt: Neben dem Gesang und den Tasten in seiner Zweitcombo ist der Mann auch noch bei den A-Capella-Metallern Van Canto am Schlagwerk zugange.

Wie lässt sich nun also die Musik von In Legend beschreiben? Erst einmal sei gleich vorneweg gesagt, dass natürlich der Härtefaktor ob der fehlenden Gitarre ein wenig heruntergeschraubt wurde. So pendelt man sich teils bei eher gothischen als metallischen Tönen ein, aber da sowohl ein Drummer als auch ein Bassist glücklicherweise vorhanden ist, haben die Songs trotzdem genug Drive, um nicht als Goth-Rock durchzugehen. Viel mehr als schulterzuckend das ungeliebte Wort „Experimental“ in den Mund zu nehmen, kann man hier also kaum tun, sonst täte man Emig und seiner Combo doch irgendwie unrecht. Ein bisschen mittelalterlich muten die Songarrangements zuweilen an und auch Bastians Stimme wäre bei einer Combo wie Faun ebenso gut aufgehoben wie bei In Legend.

Der Titelsong der 4-Track-EP wird gleich zum Ohrwurm und ersten Highlight auserkoren: Ein erstaunlich hart daherkommendes Klavier macht der leicht kratzigen Stimme des Hauptakteurs Platz, ein grandioser Refrain entfaltet sich, der dem Hörer auch beim 20. Durchgang noch ein Grinsen auf das Gesicht zaubert. Ein epischer Ansatz schiebt den Song so ein bisschen in Richtung True Metal, aber nicht so sehr, dass er Nicht-Fans des Genres großartig stören müsste. Man kann sich fast bildlich vorstellen, wie Bastian live am Klavier abgeht - grandioser Einstieg!

„Prestinate“ lässt durch sein rasantes Tempo ein nicht unerhebliches Rock’n’Roll-Feeling aufkommen, bevor Bastian zu einem kraftvollen Refrain ansetzt. Man kann sagen, was man will, aber das Klavier kommt hier alles andere als verstaubt oder gar altbacken rüber – ein Stillstehen ist kaum möglich, man kreist innerlich schon mit der Haarmatte, was man so zuerst gar nicht für möglich gehalten hätte.

„The Healer (Inclusive Remedy)“ kann dann zwar das durchgängig hohe Niveau halten, klingt aber eine Spur zu sehr nach Goth-Pop und muss deshalb aus der Liste der Anspieltipps gestrichen werden. Im Refrain stark Ohrwurm-orientiert, fehlt bei dem Track insgesamt das ansonsten immer hörbare Herzblut, das in die Musik geflossen ist.

Im Intro zum leicht in Richtung Pagan tendierenden „Heya“ wird langsam aber konstant Spannung aufgebaut, was live sicherlich großartig funktioniert, bevor Dummer Dennis Otto mit Doublebass loslegt. Man merkt kaum, dass hier, abgesehen von Basser Daniel Wicke, niemand an den Saiten zugange ist, dafür verteidigt das Klavier seine Pole Position viel zu vehement. Auch hier brennt sich der Refrain relativ rasch ins Gedächtnis, was aber vor allem aufmerken lässt, ist das brilliante Klavierspiel, das in diesem Song seinen absoluten Höhepunkt findet.

Fazit: In Legend haben eine EP geschaffen, auf der das Klavier völlig selbstverständlich die Gitarre zu ersetzen scheint – und zwar so, dass einem das Fehlen derselben meistens kaum auffällt. Faszinierenderweise klingen manche „Soli“ sogar derber, heftiger, einfach mitreißender als sie vielleicht mit einer oder sogar zwei Gitarren geklungen hätten. Dadurch, dass die Klaviertasten die meiste Zeit nicht einfach nur gespielt, sondern regelrecht gehämmert werden, erhält „Pandemonium“ ein raues, und dennoch fragil erscheinendes Gewand. Fans von experimentellem Metal sollten hier auf jeden Fall zugreifen, und das nicht nur wegen Bastians (noch) wesentlich bekannterer Hauptband.

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