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In Flames: Sounds Of A Playground Fading

In Flames wie sie leiben und leben
Wertung: 8.5/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 53:58
Release: 17.06.2011
Label: Century Media

In Flames spalten mit jedem neuen Album nicht nur die Metalgemüter an sich, sondern auch die The-Pit.de-Redaktion. Die einen vergöttern die Schweden für ihren unnachahmlichen Stil, die anderen schauen kopfschüttelnd auf die verkaufenszahlentechnisch Richtung Mainstream schielenden Melodic Death Metaller. Verwunderlich ist es also nicht, dass der letzte Output „A Sense Of Purpose“ bei uns nur einen schlappen halben Punkt an der Höchstwertung vorbeischrammte. So oder so: In Flames gehören zur Speerspitze des metallischen Todesmetalls und sind eine der, wenn nicht die Band des Genres mit dem Sänger mit dem höchsten Wiedererkennungswert.

Apropos Wiedererkennungswert: Ein wesentlicher Faktor des typischen Sounds hat sich auf dem nunmehr neunten Full-Length-Studioalbum allerdings geändert – Mitbegründer und Gitarrist Jesper Strömblad verließ die Band bereits im Februar letzten Jahres. Damit fehlt nun natürlich ein entscheidender Faktor, aber Abhilfe war schnell in Gestalt des früheren In Flames-Gitarristen Niclas Engelin gefunden, der zurückbeordert wurde, um für Strömblad auszuhelfen und schließlich wieder fest in die Band integriert zu werden.

Nach einer solch signifikanten Veränderung im Bandgefüge ist es für Fans wie Nicht-Fans natürlich doppelt so spannend, sich das neue Album zu Gemüte zu führen – zwar fehlen auf den ersten Blick Kracher wie „Cloud Connected“ oder „Touch Of Red“, aber sehen lassen kann sich „Sounds Of A Playground Fading“ allemal, und direkt der Opener beweist, dass In Flames auch ohne Strömblad noch eine geschlossene Einheit bilden: Zuerst wundert man sich ein wenig über die vorsichtigen Gitarrenklänge, aber die Schweden waren ja in der Vergangenheit bereits Freunde von zeitweisen sphärischen Orgien (siehe beispielsweise „Metaphor“), und man kann sich ohnehin denken was kommt – das schwungvoll einsetzende Schlagzeug nämlich, gefolgt von den typischen In Flames-Gitarren, die sich mit Abtreten des alten Gitarristen glücklicherweise nicht wesentlich verändert haben. Auch ihre Spezialität fahren die Fünf wieder auf: episch anmutende Refrains, die immer eine gewisse Weite verbreiten, ohne entrückt zu wirken. Schöner Einstieg und man ist direkt gespannt, was da noch kommen mag.

Etwas holprig kommt dann „The Puzzle“ ums Eck, das mit seiner leicht irritierenden Dynamik zu Beginn an ältere Stücke aus „Whoracle“-Zeiten erinnert und live für einige Nackenschmerzen sorgen dürfte. Ohrwurmtechnisch ist auch hier der Refrain wieder ganz vorne mit dabei, obwohl man das bei den Strophen eigentlich so nicht unbedingt erwartet hätte. Etwas unerwartet ist auch der allgemeine Sound der Scheibe: Der Bass wurde etwas herausgenommen, dafür wirkt der Sound nun offener, transparenter und man bekommt jedes Detail mit; vor allem die Gitarren- und Drumarbeit stand bei der Produktion wohl im Vordergrund und steht dem Album nicht mal schlecht.

„Where The Dead Ships Dwell“ kommt dann wieder in typischer In Flames-Manier mit einem sehnsüchtig anmutenden Chorus daher. Erwähnen muss man eigentlich nicht, dass Anders Fridén einer der begnadetsten Sänger der Metalszene ist, aber zumindest ich bin immer wieder überrascht über seine Leistung. „The Attic“ nimmt dann den Platz des Spoken Word-Tracks ein, der sich auf vielen In Flames-Alben einschleicht; ein wunderschönes Gitarrenlick bildet die Basis für das Stück, darüber laufen die gesprochenen Texte von Anders – eine schöne Abwechslung zu den sonstigen straight nach vorne powernden Tracks der Band, von denen mit „Darker Times“ gleich einer nachgereicht wird. Man will die Verschnaufpause ja nicht zu lange halten. Und es geht weiter, wie man es von den Schweden nicht anders gewöhnt ist: „Enter Tragedy“ beherbergt nochmals den charakteristischen galoppierenden Rhythmus, den Drummer Daniel Svensson und die beiden Gitarreros Björn Gelotte und Nicals Engelin in schönster Übereinstimmung aufrecht erhalten und der dem Track wieder eine ordentliche Portion Headbang-Faktor mit auf den Weg gibt, während sich mit „Jester’s Door“ ein Intermezzo mit gesprochenem Text und experimentellem Keyboardsound einschmuggelt. Um ganz ehrlich zu sein: Gegen Ende hat man einen qualitativen Fall fast schon erwartet, dabei hauen die Jungs mit „Liberation“ den absoluten Knaller der Scheibe heraus: Soviel Gänsehaut in einem In Flames-Stück gab es schon länger nicht mehr, zuletzt vielleicht zu Zeiten von „Reroute To Remain“ – mit einem durchweg fesselnden Soundteppich im Hintergrund und Anders’ großartiger Stimme im Vordergrund verdient es der Song in Endlosschleife gehört zu werden.

Fazit: Beginn und Abschluss des Albums dürften den geneigten Fan auf jeden Fall umhauen, an allem dazwischen werden sich wie üblich die Geister scheiden – In Flames sind immer noch In Flames. An die frühen Scheiben erinnert der Sound aber nur noch teilweise. Vielmehr klingt „Sounds Of A Playground Fading“ frischer, ohne überproduziert zu wirken, und auch die manchmal leicht sterilen Klangkulissen sind fast gänzlich ausgemerzt worden. Hier muss sich tatsächlich jeder selbst ein Urteil bilden, von mir gibt es für ein definitiv brilliantes Album 8,5 Punkte.

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