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In Flames: Come Clarity

Ein Schritt zurück und zwei nach vorne
Wertung: 8.5/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 48:8
Release: 04.02.2006
Label: Nuclear Blast

In Flames befinden sich nun schon auf einem Jahre andauernden Höhenflug. Sie veröffentlichen ein erfolgreiches Album nach dem anderen, spielen stets in bis zum Bersten gefüllten Hallen und haben vor kurzem auch noch ihre ebenfalls sehr vollgepackte, erste DVD veröffentlicht. Und trotz ihrem vollgepackten Tourplan, der sie u.a. für ein paar Auftritte ins Vorprogramm von Metallica führte, haben die Jungs es geschafft, relativ schnell den “Soundtrack to your escape“ (2004) Nachfolger einzuspielen.

Aber wo Licht ist, gibt es natürlich auch Schatten. Denn wenn eine (Metal)Band größer wird, läuft sie oft Gefahr, ihre alten Fans zu verlieren. Bei In Flames geschah dies mit der Veröffentlichung des “Reroute to remain“ Albums, welches die Band offen für neue Einflüsse zeigte. Die Musik zeigte sich moderner und Sänger Anders Friden versuchte sich mehr denn je an cleanem Gesang. Diese Entwicklung setzte sich auf dem oben bereits erwähnten Nachfolger weiter fort. Hinzu kam noch, dass “ Soundtrack to your escape“ auch an einer nicht ganz überzeugenden Produktion krankte. Im Vorfeld der Veröffentlichung von “Come clarity“ häufen sich nun aber die Vermutungen, man würde „back to the roots“ gehen.

Diesen Vermutungen möchte ich hiermit gleich einen Riegel vorschieben! In Flames wären inkonsequent gewesen, wenn sie ihre neue künstlerische Freiheit so leicht wieder aufgeben würden. Jedoch ist “Come Clarity“ anders als seine zwei Vorgänger, denn es gibt tatsächlich wieder einiges zu hören, was man früher von In Flames kannte und über die Jahre verloren gegangen zu sein schien. Ich würde sogar sagen, wenn die Band dieses Album nach “Clayman“(2000) veröffentlicht hätte, wäre es vielen alten Fans leichter gefallen, der Entwicklung der Musik zu folgen. Vielleicht hätten sie sich dennoch von der Band abgewandt, aber sie hätten zumindest einiges besser nachvollziehen können. Andererseits könnten In Flames es jetzt schaffen, viele von ihnen zu versöhnen, wenn sie sich darauf einlassen wollen.

Das Album startet gleich mit der ersten Single “Take This Life“, wozu die Band auch ein Video gedreht hat. Und eine bessere Wahl hätte man gar nicht treffen können, zeigt dieser Song doch gleich, worauf man sich einstellen kann. Die starke Produktion drückt “Take this life“ ebenso nach vorne, wie es die schnellen Drums und Gitarren tun. Fridens Gesangstil dürfte ja mittlerweile bekannt sein, wobei auffällt, dass er wieder mal an den cleanen Vocals gefeilt hat. Ein gelungener Auftakt, keine Frage.

“Leeches“ erinnert danach wieder sehr an den Vorgänger “Soundtrack To Your Escape“ und besticht durch seinen sehr eingängigen Refrain. Bei “Dead End“ gibt es dann eine kleine Überraschung für den Hörer. Nicht nur, dass der Song instrumental so klingt, als käme er direkt von der “Clayman“ oder “Colony“(1999), es ertönt (sehr schöner) weiblicher Gesang. Ja, die Band arbeitet hier tatsächlich zum ersten Mal mit einer Gastsängerin. Diese unterstützt Anders (der hier stets „kreischt“) beim Chorus und nimmt ihm einen Teil der Strophen ab. Eine wirkliche Überraschung und ein Highlight der Platte.

Die zweite Überraschung folgt beim Titeltrack “Come Clarity“. Das Lied entpuppt sich als Ballade des Albums, dessen ruhiger Anfang sehr an Songs wie “Moonshield“ (von “The Jester Race“(1996) ) erinnert. Jedoch darf man hier keinen Song in dieser Tradition erwarten, da Anders Friden hier keinesfalls wieder seine alten Death Metal Vocals auspackt. Im Gegenteil: Durch die Kombination von älteren Elementen mit dem modernen, cleanen Gesang ist der Song charakteristisch für den Stil dieser Platte. Gleiches gilt auch für den Fast-Titeltrack “Crawling Through Knives“ (das Album sollte ursprünglich den Namen “Crawl through knives“ tragen), der allerdings etwas schneller ausgefallen ist. Dessen cooler, mehrstimmiger Refrain ist einer der ganz großen Ohrwürmer dieser CD.

Die Limited Edition von “Come clarity“ wird eine sehr interessante Bonus DVD enthalten. Auf dieser wird man die Band in einem Proberaum sehen können, wie sie das komplette Album noch einmal runterzockt. Wem diese Art von Bonus bekannt vorkommt: Genau dasselbe haben Metallica vor knapp 3 Jahren bei der Veröffentlichung von “St.Anger“ getan. (Nachtrag: Leider wurde die Studioversion des Albums über die Aufnahmen gelegt.)

In Flames haben sich keinesfalls wieder in das enge Korsett des Melodic Death Metals gezwängt. Wenn jemand die Band schon nach “The Jester Race“ abgeschrieben hatte, wird er jetzt keinesfalls wieder zum Fan werden. Die Band hat einfach ein paar alte Elemente geschickt in ihren neuen Sound eingebaut und das könnte, wie schon gesagt, einige Leute zumindest zum Reinhören bringen.

Mit persönlich sind solche Überlegungen gleich, da ich ebenso gerne “Lunar strain“(1994) höre wie beispielsweise “Reroute To Remain“(2002). Unter diesem Gesichtspunkt kann ich nur sagen, dass die Schweden mal wieder ein absolutes Vorzeigewerk in ihre Discographie eingefügt haben. Die Band geht ihren Weg völlig kompromisslos weiter und etwas anderes hätte ich, ehrlich gesagt, auch gar nicht erwartet. Für mich jetzt schon eines der Highlights des noch sehr jungen Jahres!

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