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In Flames: A Sense Of Purpose

In Flames den auf „Come Clarity“ eingeschlagenen Weg weiter
Wertung: 9.5/10
Genre: Modern Metal
Spielzeit: 48:7
Release: 04.04.2008
Label: Nuclear Blast

Seit ihrem im Jahre 2002 erschienenen Album „Reroute To Remain“ gehören In Flames – Alben jedes Mal aufs Neue zu den meistdiskutierten Platten im derzeitigen Metalzirkus. Dass sich dies auch mit dem bereits neunten Album der Schweden „A Sense Of Purpose“ nicht ändern wird, war spätestens seit der Veröffentlichung der ersten Single „The Mirror's Truth“ klar. Und weiterhin wurden und werden der Band - hauptsächlich von ehemaligen Fans - Vorwürfe wie „Verrat an der Death Metal – Szene“, „Orientierung im Mainstream“ und ähnliche Phrasen an den Kopf geworfen.

Ich für meinen Teil habe mich an dieser Diskussion eigentlich nie aktiv beteiligt und das hatte hauptsächlich zwei Gründe. Zum einen verstehe ich es nicht ansatzweise, wer nach den jüngsten Entwicklungen nun allen Ernstes erwartet hat, dass In Flames auf „A Sense Of Purpose“ wieder so klingen werden wie zu „Colony“ oder „Whoracle“ Zeiten. Zum anderen habe ich die Veränderungen im Sound der Band immer begrüßt, solange die Qualität stimmte. Denn so haben es Anders Friéden und co. über die Jahre immer wieder geschafft, sich als Band frisch und interessant zu halten, ohne in Stagnation oder Langweile zu verfallen und das muss man als Band, die nun schon seit gut 18 Jahren im Geschäft ist, erstmal vorweisen können.

Mit „A Sense Of Purpose“ knüpfen In Flames prinzipiell an das Erfolgsalbum „Come Clarity“ an, haben meiner Meinung nach allerdings einige Makel des Vorgängers ausgebügelt. So empfinde ich gerade die Gitarrenfraktion Jesper Strömblad und Björn Gelotte als wesentlich prägnanter und begrüße sehr, dass die Riffs und Leadgitarren wieder mehr an Fahrt und Dynamik gewonnen haben. Zwar war „Come Clarity“ alles andere als ein schlechtes Album, doch leider hatte sich der ein oder andere Song des Albums relativ schnell abgenutzt.

Dies ist auf „A Sense Of Purpose“ insgesamt anders. Doch wer nun Songs erwartet, denen man beim ersten Anhören gleich den imaginären Hitstempel aufdrücken will, wird vielleicht zunächst enttäuscht von dem Album sein, denn viele der Songs brauchen einfach ihre Zeit um zu zünden, ihre Zeit um alle Details und alle Ideen preiszugeben. Wer diese Zeit allerdings investiert, wird höchstwahrscheinlich immer begeisterter von diesem Album sein und erkennen, dass hier doch sensationelle Hits geboten werden.

Allerdings braucht nicht jeder Song so lange, um zu reifen. So ist der Opener und die zugleich erste Single „The Mirror's Truth“ ein knallharter, rifforientierter und moderner Metalsong mit Ohrwurmrefrain. Insgesamt ist „The Mirror's Truth“ doch am ehesten mit „Take This Life“, dem grandiosen Opener von „Come Clarity“, zu vergleichen. Und wer bereits an diesem Song seine Freude hatte, wird „The Mirror's Truth“ mit offenen Armen entgegnen.

Auch ein Song, der recht flott ins Ohr geht, ist „Sober And Irrelevant“, das in meinen Augen sogar das beste Stück des gesamten Albums ist. Grandiose Leadgitarren treffen auf ebenso grandiose Gesangsmelodien und gerade der Refrain macht das Stück zu einem Hit Güteklasse 1a. Vielleicht ist „Sober And Irrelevant“ sogar das genialste Stück, welches In Flames seit „Only For The Weak“ auf den Markt gebracht haben. So bin ich mir auch relativ sicher, dass auch ältere Fans von diesem Stück angetan sein werden.

Was bei „A Sense Of Purpose“ sowieso auffällt, ist, dass gerade das letzte Albumdrittel mit musikalischen Perlen bestückt ist, die zum besten gehören, was ich seit langer Zeit im Metalsektor hören durfte. „Condemned“ zum Beispiel mit seiner partiell recht martialischen Instrumentierung, die mich sogar ein wenig an Fear Factory erinnert. Während die Strophen doch ein paar Anläufe benötigen, bohrt sich der hymnische Refrain ziemlich flott ins Großhirn des Hörers und steigert sich im Song nahezu ins Unermessliche. Und dass In Flames auf „A Sense Of Purpose“ die melodischen Gitarrenläufe wiederentdeckt haben, beweist der ausgedehnte Instrumentalteil nach der zweiten Refrainwiederholung. „Drenched In Fear“ (was für Gitarren!) und das finale „March To The Shore“ (was für eine Atmosphäre!) können daran problemlos anknüpfen und bringen nochmals alle Facetten des Albums auf einen Nenner.

Aber nicht jeder Song macht es dem Hörer so leicht wie die eben beschriebenen Songs. Darunter fällt gerade das über acht Minuten lange „The Chosen Pessimist“. Gut, ruhigere Songs hatten In Flames auch schon auf ihren bisherigen Platten, aber dieser ist vielleicht auch wegen der Länge recht gewöhnungsbedürftig. Zwar sind die Ideen durchaus vorhanden, aber mir persönlich sind gerade die ersten, rein instrumentalen Minuten zu monoton. Danach dominieren Anders Friéden´s cleane Vocals, die sich nochmals klar verbessert zeigen, doch erst mit Einsatz des orchestralen, ziemlich epischen Ende des Songs entwickelt sich „The Chosen Pessimist“ von einer ziemlich langatmigen Angelegenheit zu einem echten musikalischen Feuerwerk.

Auch „Alias“ mit seinen für In Flames recht ungewöhnlichen Samples oder „Sleepless Again“ sind Songs, die zunächst ein wenig enttäuschen, mit jedem weiteren Durchlauf aber mehr von ihrer Genialität preisgeben und erst dann richtig Spaß machen. Wer mir jetzt vorwerfen möchte, mir diese Songs „schöngehört“ zu haben, dem kann ich nur sagen, dass sich dieser Prozess erst nach mehreren Tagen eingestellt hatte und das, obwohl ich die Songs bereits abgeschrieben hatte. Zu früh, wie sich mittlerweile herausstellte.

Gewohnteren In Flames – Stoff gibt es im Block „I'm The Highway“ (sehr eingängiger Refrain), „Delight And Angers“ (tolle Gesangsführung in der Strophe) und „Move Through Me“ (mit „Reroute To Remain“ und „Soundtrack To Your Escape“ - verdächtigen Synthesizern) zu bejubeln. Wenngleich diese Songs Weltklasse sind, erreichen sie nicht ganz die Sphären des letzten Albumdrittels, doch das macht natürlich überhaupt nichts und schmälert die Leistung der Schweden auf diesem Album kein Stück.

Ein eher generelles Thema möchte ich an dieser Stelle allerdings doch noch einmal ansprechen. Ich gebe zu, es mag diskutabel sein, ob man das Album noch unter dem Genre Melodic Death Metal einordnen kann. Wenn ich allerdings lese, dass manch einer „A Sense Of Purpose“ mit Begriffen wie „Emocore“ oder „Metalcore“ beschreibt, dann kann ich einfach nur spöttisch den Kopf schütteln. Denn mit Bands wie Killswitch Engage, Trivium, 36 Crazyfists oder Bullet For My Valentine hat dieses Album herzlich wenig am Hut. Auch wenn ich diese Bands persönlich richtig gut finde und mir zudem vorstellen könnte, dass „A Sense Of Purpose“ den Fans dieser Bands mehr als gefallen könnte, so finde ich es doch falsch, andere Leute auf so falsche Fährten zu führen.

Fazit: Mit „A Sense Of Purpose“ gehen In Flames den auf „Come Clarity“ eingeschlagenen Weg weiter, doch zieht das neue Werk an seinem Vorgänger qualitativ locker vorbei. Ob man die Schweden heutzutage noch mag, soll jedem selbst überlassen sein, aber eins steht definitiv fest: Auch auf „A Sense Of Purpose“ klingt die Band so authentisch, mutig und innovativ wie kaum eine andere. „A Sense Of Purpose“ gibt vor, wie moderner Metal direkt am Puls der Zeit zu klingen hat. Ich ziehe meinen Hut!

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