Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

In Extremo: Sängerkrieg

Weiterentwicklung ist eigentlich keine schlechte Sache
Wertung: 6/10
Genre: Mittelalter Rock
Spielzeit: 55:35
Release: 09.05.2008
Label: Universal Music

Gut drei Jahre nach „Mein Rasend Herz“ ist Krieg ausgebrochen; „Sängerkrieg“, um genau zu sein. Dieser ungewöhnliche Name soll nicht etwa bedeuten, dass man sich nun innerhalb der Band die Köpfe einschlägt, sondern eher, dass sich die sieben Mitglieder im ständigen Konkurrenzkampf zu sich selbst befinden. „Im Sängerkrieg streitet man sich freundschaftlich innerhalb der Band um die besten Ideen“, erklärt Dr. Pymonte, um Missverständnisse gleich von Anfang an auszuschließen. Nach eigenen Angaben setzte man beim Songwriting verstärkt auf Vielschichtigkeit und Vernetzung. Leider scheint der Großteil des Albums davon nicht betroffen zu sein. Besonderheiten, große Ideen und Vielschichtigkeit sucht man über weite Strecken vergebens. Zumindest im traditionellen Sinne: Denn mit „Sängerkrieg“ gehen In Extremo einen weiteren, diesmal erschreckend großen Schritt in Richtung Deutschrock-Band. Das macht sich nicht nur in den weiter an Wichtigkeit verlierenden mittelalterlichen Elementen bemerkbar, sondern auch an Struktur, Arrangement und vor allem an der Grundstimmung dieser im Schnitt deutlich lebendigeren, fröhlicheren und punkigeren 14 neuen Songs.

Der Opener „Sieben Köche“ beispielsweise rockt fröhlich vor sich hin und käme wohl auch gut ohne die fast ausschließlich unterlegenden mittelalterlichen Instrumente aus. Im folgenden, namensgebenden Song „Sängerkrieg“ setzen die Sieben noch mehr auf die klassische Rockbesetzung. Der Track wird aufgrund der untypisch fetzigen Riffs live wahrscheinlich eine echte Stimmungskanone sein, die allerdings gleichzeitig anzeigt, wo sich In Extremo im Jahre 2008 musikalisch befinden: Nämlich fernab von Alben wie „Verehrt und angespien“, aber auch ganz woanders als noch 2005 mit „Mein Rasend Herz“.

Während „Neues Glück“ und „En Esta Noche“ (nicht zuletzt aufgrund der hier verwendeten Saltarello-Melodie) echte Lichtblicke sind, kommen der ruhige, nachdenklich Track „Mein Sehnen“ und der flotte, treibende Song „Flaschenpost“ eher belanglos daher. Der Titel „Requiem“ fällt klar aus der Reihe, da es sich hierbei um eine reine Mittelalter-Nummer handelt, die ganz ohne Gitarren auskommt. Zwar wird sie den Hörer nicht vom Hocker reißen, ist aber dennoch ein angenehmes Zeichen dafür, dass In Extremo ihre Wurzeln nicht komplett unter den Teppich gefegt haben.

Für „Zauberspruch“ ließ sich Sänger Micha extra telefonisch estnischen Sprachunterricht geben; eine der wenigen außergewöhnlichen Sprachen, die im „Sängerkrieg“ verwendet werden. Neben der geschickt gewählten Single „Frei zu sein“ (die Single vereinigt die veränderte Ausrichtung der Band mit relativ hohem Anteil mittelalterlicher Instrumente), ist ebenfalls der Song „An End Has Started“ zu erwähnen. Die sieben Musiker covern hier tatsächlich den gleichnamigen Titel der Editors – und das nicht einmal schlecht. Wenn ein Cover wie dieses zu den besten Songs eines In Extremo-Albums zählt, läuft entweder etwas gehörig schief oder man sieht die Band aus einem falschen, veralteten Blickwinkel.

Weiterentwicklung ist eigentlich keine schlechte Sache – wer will schon immer das gleiche hören? Um sich als Fan alter Schule mit den neuen fröhlich-rockig-punkigen In Extremo anfreunden zu können, sollte man allerdings schon etwas mehr als nur guten Willen aufbringen können. Wer darauf gehofft hat, „Nur ihr allein“ sei ein einmaliges Experiment oder ein kleiner Ausrutscher gewesen, wird wohl mit „Sängerkrieg“ nicht glücklich werden – genau so wenig der, der alle Alben seit „7“ ohnehin vermeidet.

comments powered by Disqus

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen