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In Extremo: Kein Blick Zurück

Der Kauf lohnt sich vor allem für In Extremo - Neueinsteiger und echte Fans.
Wertung: 99/10
Genre: Mittelalter Rock
Spielzeit: 62:1
Release: 08.12.2006
Label: Universal Music

Blickt man auf die letzten fünf Veröffentlichungen von In Extremo zurück, findet man genauso viele Alben, wie Bonus-CDs/DVDs. Nämlich zwei von jeder Sorte. Zählt man die neuste Song-Zusammenstellung dazu, sind es sogar drei Bonus-Veröffentlichungen (zwei Live-CDs/DVDs und nun eine Best-Of-CD). Dass Fans sich recht schnell betrogen fühlen könnten, wenn ein solches Verhältnis erreicht ist, haben wohl auch die Sieben von In Extremo und ihr Label gemerkt. Und so entschied man sich dazu, die neue Best-Of-Zusammenstellung „Kein Blick zurück“ einfach zu etwas Besonderem zu machen, das nicht allein unter die fiktive "Bonus"-Kategorie fallt.

Wie man so etwas macht? Ganz einfach: Als erstes bezieht man die Fans bei der Suche nach den besten Songs ein. In einem Online-Voting im Fanbereich der Bandhomepage ließ man eben diesen einen Teil der CD selbst bestimmen. Das Ergebnis sind die Songs „Wind“, „Omnia Sol Temperat“, „Erdbeermund“, „Küss Mich“, „Rasend Herz“ und „Liam“. Eine nachvollziehbare Wahl.

Dieses Verfahren zeigt zwar, dass der Band die Meinung der Fans wichtig ist, aber so richtig vom Bonus-Status distanzieren kann man sich allein damit nicht. Also denkt man sich weitere Leckerbissen aus und steigert somit den Kaufanreiz gleich um mehrere Grade: Die restlichen (von der Band bestimmten) Songs aus alten Tagen brannte man nicht einfach nur auf die CD, sondern nahm sie gleich ganz neu auf. „Hiemali Tempore“, „Ai Vis Lo Lop“, „Herr Mannelig“, „Spielmannsfluch“, „Rotes Haar“, „Pavane“ und „Vollmond“ bekamen somit einen neuen Anstrich verpasst. „Vollmond“ hat so zum Beispiel einen neuen Schlagzeugrhythmus, Sänger Micha singt überhaupt mit hörbar weiterentwickelter und aggressiverer Gesangsart, wird von druckvollerer Produktion unterstützt und auch einige Mitsing-Passagen sind vorhanden (z.B. in „Ai Vis Lo Lop“). Dennoch ist die Nähe zum Original stets sehr stark ausgeprägt.

Um den treuen Fans auch etwas Neues bieten zu können, nahm man mit „Alte Liebe“ und „Kein Sturm hält uns auf“ ebenfalls zwei ganz neue Songs auf. Wer befürchtet, dass diese Lieder nur einen weiteren Kaufanreiz darstellen und gar nicht die erforderliche Qualität für eine Best-Of-CD aufweisen könnten, hat zwar auf der einen Seite recht (tatsächlich wird die CD für Fans so natürlich interessanter), aber auf der anderen Seite sind die Songs auch so gut, dass der Platz auf der Compilation durchaus berechtigt ist. „Alte Liebe“ ist eine wunderschöne Ballade und auch „Kein Sturm hält uns auf“ ist schön anzuhören, wenn auch ebenfalls sicherlich nicht der härteste Song, den In Extremo bisher geschrieben haben. Überzeugen können beide.

Exklusiver kann man eine Best-Of-CD nicht gestalten? Doch, man könnte. Aber statt die Bonus-CD standardmäßig dazuzugeben, ist diese nur in der limitierten Edition erhältlich. Es handelt sich dabei um acht Coverversionen von In Extremo – Songs, eingespielt von anderen Bands. Sicherlich eine lustige Idee, zumal sich mit Silbermond sogar eine sehr erfolgreiche deutsche Band beteiligte. Allerdings dürfte das „Die Gier“-Cover wohl eher für Silbermond-Fans interessant sein als für In Extremo-Fans, denn verglichen mit dem Original klingt es grausig. Teilweise können die anderen Neuinterpretationen (von Blind, Grave Digger, Götz Alsmann, Randalica, Micha und Vince, Killing und Ougenweide) mehr überzeugen als das Silbermond-Cover.

„Kein Blick zurück“ hat somit im Gegensatz zu rein zusammengewürfelten Best-Of-Platten durchaus Daseinsberechtigung. Der Kauf lohnt sich vor allem für In Extremo - Neueinsteiger und echte Fans. Wer In Extremo kennt, ein oder zwei Alben sein Eigen nennen kann, und nichts dagegen hat, nicht jeden Song der Band zu kennen, der darf aber getrost auf das nächste Album warten und ruhigen Gewissens erstmal am Regal der Neuveröffentlichungen vorbeigehen.

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