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Imperium Dekadenz: Meadows Of Nostalgia

Eine beschwerliche Reise
Wertung: 8,5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 56:10
Release: 15.03.2013
Label: Season Of Mist

Mittlerweile haben sich Imperium Dekadenz aus dem Schwarzwald in der deutschen Black-Metal-Szene und auch darüber hinaus ohne viel Drumherum einen Namen gemacht, der zumeist mit hervorragender Qualität assoziiert wird. Fraglos ist dies weitgehend dem Gespür der Band dafür, eine gleichermaßen melancholische und fesselnde Atmosphäre zu schaffen, zu verdanken, das sie zu einer der Vorzeigebands dieses Stils macht. Nach dem vielerorts gefeierten letzten Album „Procella Vadens“ kehren Imperium Dekadenz nun mit „Meadows Of Nostalgia“ zurück und laden zu einer beschwerlichen, aber umso belohnenderen Wanderung ein.

Zwar stellt es in diesem Genre keine Seltenheit dar, doch auch das neuste Werk der Band braucht einige Durchläufe, um sein ganzes Potential wirklich zu entfalten und funktioniert zudem am besten als Gesamtkunstwerk, denn aus dem Kontext gerissen vermag das Konzept seinen eigentlichen Zweck nicht gänzlich zu erfüllen. Dieser besteht bei „Meadows Of Nostalgia“ vorrangig darin, den Hörer wortwörtlich und getreu des stimmigen Cover-Artworks auf eine Reise mitzunehmen, bei der der rau, aber nicht blechern produzierte Black Metal durch ebenso unwirtliche Landschaften führt, die trotz ihrer Entbehrungen den Hörer mit ihrer ungeschliffenen Schönheit in ihren Bann ziehen.

Passend betitelt stimmt das Intro „Durch das Tor“ mit verträumten akustischen Gitarren und Schritten, die schwer durch Gras und Laub stapfen, auf die lange Wanderung ein, bevor sich ein Tor knarzend öffnet und den Blick auf die zu bereisende Landschaft freigibt. „Brigobannis“ definiert diese anschließend bereits für den gesamten Weg recht deutlich: Majestätische Riffs und die melancholischen, in mitreißender Dramaturgie verwobenen Melodien lassen im Kopfkino nebelverhangene Berge, unberührte Wälder und einsame Flüsse sichtbar werden. Große Veränderungen im Sound gibt es über die weitere Reise hinweg nicht, vielmehr liegt die Abwechslung und Schönheit der Songs wie auch die der imaginären Landschaft in den Details und der Bewegung zu unterschiedlichen Extremen im bandeigenen Sounduniversum.

„Ave Danuvi“ fällt so beispielsweise durch sein gedrosseltes Tempo und die beinahe depressive Grundausrichtung sowie überraschend eingestreute Chorgesänge auf und lässt das Gefühl eines beschwerlichen Aufstiegs durch unwirtliche Gebirge entstehen, wobei hier einige der größten Melodien des Albums aufgefahren werden. Ein schneller und aggressiver gehaltenes Stück wie das zehnmintüge „Aue der Nostalgie“ wiederum lässt Bilder von zerrenden Stürmen entstehen, während das friedliche Akustik-Intermezzo „Memoria“ in seiner nostalgischen Stimmung eine kurze Rast erlaubt. Dafür, dass man der Klangwelt niemals entgleitet, sorgen dezent eingestreute Geräuschschnipsel wie die schon erwähnten wiederkehrenden Schritte, das Prasseln eines Lagerfeuers am Ende von „Striga“ oder das Heulen des Windes zu Beginn von „Aura Silvae“, das außerdem mit wunderbar fließenden Motivwechseln glänzt und den Wanderer mit einigen positiven Anklängen neue Kraft schöpfen lässt.

„Meadows Of Nostalgia“ untermalt den Status der Band eindrucksvoll und zeigt sich als ein von Anfang bis Ende überzeugendes Hörerlebnis, das in erster Linie von seiner charakteristischen Atmosphäre lebt. Zum Meisterwerk fehlen dem Album vielleicht noch einige weitere Momente, die den Hörer wie in „Ave Danuvi“ mit purer Gänsehaut zurücklassen, doch das hält Imperium Dekadenz letztendlich nicht davon ab, sich mit diesem Werk als Meister des musikalischen Kopfkinos auszuzeichnen und auf eine denkwürdige Reise einzuladen. Wer diese antreten möchte und nach einem der bisher besten Alben im melodischen Black Metal dieses Jahres sucht, hat mit „Meadows Of Nostalgia“ definitiv einen Pflichtkauf vor sich.  

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“