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Impending Doom: Baptized In Filth

... und wer ist eigentlich dieser Gorship?
Wertung: 6/10
Genre: Deathcore
Spielzeit: 34:34
Release: 29.06.2012
Label: Goldencore Records/ZYX

Als wäre Deathcore allein nicht schon polarisierend genug – Impending Doom sind eine vierköpfige Band aus Riverside, California die sich auch noch dem Christentum verschrieben haben. So. Und bereits jetzt würden sich die Geister scheiden – CD kaufen, oder nicht? Warten wir es ab.

Auf dem CD-Cover ist ein griesgrämiges, vernarbtes Wesen zu sehen, welcher dem potentiellen CD-Käufer einen mit Schleim gefüllten Kelch anbietet (passend zum Albumtitel „Baptized In Filth"). Das Artwork erinnert leicht an das der aktuellen Bring Me The Horizon-Scheibe „There Is A Hell, I've Seen it. There Is A Heaven Let's Keep It A Secret".

„Baptized In Filth" verspricht ein Kracher zu werden - im Beipackzettel des Label versucht man nämlich dem unvoreingenommenen Rezensenten ein brandneues Sub-Genre zu verkaufen, welches die Band erfunden hat: „Gorship". Eine raffinierte Mischung aus Death Metal, und melodisch-athmosphärischen Klängen, inspiriert durch den aggressiven Slipknot-Ton, brutalem Lamb Of God-Gedudel sowie Fear Factory und den experimentierfreudigen Deftones. Aha, man darf also gespannt sein.

Und siehe da - der Opener „Murderer" ist ein einwandfreier und starker Deathcore-Song mit Ohrwurm-Potenzial geworden. Die fetten Growls des Frontmannes Brook Reeves und das eingängige, sich zum Ende des Songs hin ständig wiederholende und fast schon hypnotische „I am a murderer" macht Lust mitzugrölen und wird sicherlich auch live dementsprechend abgefeiert. Wenn das Gorship sein soll, dann bitte gern mehr davon!

Die nächsten beiden Lieder „For The Wicked" und „Chaos: Reborn" sind reine Geschmackssache, trotzdem muss man einfach einsehen, dass diese dem stereotypischen Deathcore verfallen sind und nichts Innovatives mit sich bringen. Es fehlt einfach ein knackiges, einprägsames Riff. Schon gemein eigentlich, dass man ständig erwartet, eine Band müsse was ganz Anderes, Neues erschaffen, doch laut eigener Aussage von Band und Label und dazugehöriger Genregründung sind solche Erwartungen nicht ganz so unbegründet.

„Deceiver" beginnt mit einem groovigen Riff auf dem Bass. Schleichend aber unaufhaltsam bricht der Song nach wenigen Sekunden wie ein tötlicher Virus aus. Die typischen Breakdowns werden durch die zahlreichen Bassdrops untermalt, der Drumsound ist ziemlich sauber und differenziert und kommt dadurch recht charakterlos daher.

Der vorletzte Song „My Light Unseen" ist wohl der ruhigste Song des Albums, quasi die Ballade, welche am meisten hervorsticht. Obwohl vorher durchweg ohne cleanen Gesang gearbeitet wird, wurde hier ein Gastsänger, und zwar Frontmann Ryan Clark der christlichen Band Demon Hunter, mit ins Boot genommen. Dieser singt kraftvoll und melancholisch und fleht Gott an ihm beizustehen. Reeves untermalt den cleanen Part mit emotionalen Screams („please help me") im Hintergrund und rundet das Ganze damit ab. Die langsamen und melodischen Gitarrenklänge passen sich perfekt an. Ein wirklich schöner Song, der dezent an Paradise Lost erinnert und ohne Scream-Parts durchaus für ein ungeübtes Ohr als eben diese Band durchgehen könnte.

Zum Abschluss gibt's einen Tritt in den Hintern, nach etwas mehr als einer halben Stunde schleudert einem das schnelle „Death. Ascension. Resurrection" um die Ohren, welches das gesamte Album eigentlich ganz gut widerspiegelt. Ein ziemlich cooler Song, dem der letzte Schliff jedoch fehlt.

Das Album ist insgesamt sehr düster und beschäftigt sich, wie man sich bei einer christlichen Deathcore-Band schon fast denken kann, mit dem Christentum und dem nicht-gläubigen Teil der Welt. Trotzdem sollte man nicht denken, sie würden versuchen einen zu bekehren oder Andersdenkende verurteilen. Die atheistischen/agnostischen Hörer stören sich vielleicht an den Texten, doch ich kann da gekonnt drüber hinweg sehen. Sollen sie doch glauben an was sie wollen, sie drängen sich zumindest nicht unangenehm auf.

Vielleicht hätte man beim Promozettel nicht ganz so weit ausholen sollen und von einer neuen Genregründung sprechen müssen. Trotzdem, Impending Doom spielen astreinen, Standard-Deathcore mit teilweise typischen, aber durchaus guten Death-Metal-Riffs. Was dieses Gorship nun genau sein soll, bleibt ungeklärt, dem Internet zufolge handelt es sich eher um "Worshipping God through our gore-sounding music, put them together and you get gorship", als um das, was das Label versucht uns da zu verklickern. Zwar kein -Gore, aber sie worshippen God. Immerhin.

Einige wirklich gelungene Songs sind im Album vertreten, anderes gerät aber auch nach mehrmaligem Hören wieder in Vergessenheit. Kaufen sollte man die CD als Impending-Doom-Fan auf jeden Fall, einige Deathcore-Hörer und Death-Metal-Neulinge könnten auch an der Scheibe Gefallen finden. Definitiv hat die Band gezeigt, dass sie was kann und wahrscheinlich noch viel mehr aus sich herausholen könnte. Das fünfte Album darf also gerne kommen.

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