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Immortal Dying: Souls And Machines

Der Oberkracher
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Death Metal, Thrash Metal
Spielzeit: 22:19
Release: 24.09.2010
Label: Eigenproduktion

„Die Scheibe musst du dir anhören, die ist der Oberkracher!“ Solch hohes Lob ist man von beinharten Fans gewöhnt, die einem irgendeine 08/15-Schülerkapelle an die Backe labern wollen, die ach so innovativ und brutal daherkommt. Wenn diese Begeisterung allerdings vom Gitarristen der Band ausgeht, ist man doch versucht, sich vorliegende Scheibe näher zu betrachten. „Klar, das wollen wir mal sehen“, dachte man also im jugendlichen Leichtsinn, „Das ist sicher wieder so ein Allerwelts-Tralala“ – aber das nun Gehörte wollte so gar nicht zu meiner skeptischen Meinung passen. Da peitschen sich die Gitarren gegenseitig hoch, Sänger Dennis überbietet sich selbst mit großartigen, weil tatsächlich brutalen und innovativen, Vocals und die Drums treiben das Ganze voran, dass es eine wahre Freude ist.

Um wen es geht? Immortal Dying nennt sich der neue Hoffnungsträger am Firmament der deutschen Metal-Szene. Die Combo rund um den überaus begeisterungsfähigen Saitenhexer werden auf ihrem Promozettel blumig als „Melodic Death Metal mit leichten Thrash Metal-Anleihen“ beschrieben, dabei sind sie doch so viel mehr, obwohl man sie gar nicht so richtig einordnen kann. Wer sich in Schubladen zuhause fühlt, kann mit den Jungs sicher nichts anfangen, alle anderen sollten ob des Release der „Souls And Machines“-EP die Ohren aufsperren: Gerade einmal fünf Songs reichen völlig aus, um ID in die Riege der Lieblingspromos des Jahres zu katapultieren.

Wenn man den Opener „Pollution Of The Mind“ zum allerersten Mal hört, weiß man a) nicht so richtig, wo man zuerst hinhören soll, und b) nicht so ganz, was man überhaupt von diesem akustischen Kahlschlag halten soll. Hier wird eine durchaus sehr interessante Mischung aus thrashig angehauchten Gitarrenriffs und Death-Metal-Vocals geboten, die vermutlich so um die fünf Oktaven tiefer liegen, als es normalerweise in diesem Genre üblich ist; Sänger Dennis scheint gar nicht richtig zu growlen, sondern eher zu brummen – umso faszinierender ist da die Tatsache, dass man sogar Teile des Textes verhältnismäßig gut heraushören kann. Das muss ihm erst einmal einer nachmachen. Die dazugehörige Mischung aus wummernder Doublebass und vermehrtem Snare-Einsatz macht so ziemlich alles dem Erdboden gleich – wow!

Düster-bedrohliche Gitarren werden bei „Virus“ verbreitet, dazu gibt es wunderbar thrashiges Gekeife, das ein bisschen in den Hintergrund gemischt worden zu sein scheint, was dem Song aber nur mehr Tiefe und Komplexität verleiht. Im Gegensatz dazu zielt „In Self-Devaluation“ direkt auf die untere Magengegend – der Song startet sehr cool mit gesprochenem Text und fiesen Growls. Bei dem absolut genialen Gitarrenlick dürfte kein Headbanger still stehen; zur Überraschung wird hier sogar ein wenig schwedisches Flair verbreitet.

Den Vogel schießt aber definitiv „Murderer“ ab, denn das Beste haben sich Immortal Dying (absichtlich?) bis zum Schluss aufgehoben. Den Track zu beschreiben, ist sehr schwer, weil irgendwie alles auf einmal zu passieren scheint, aber wir lieben doch die Herausforderung: Die Atmosphäre zu Beginn erinnert mit den absolut beklemmenden Gitarren und der verfremdeten Stimme an die suizidalen Depri-Schweden Lifelover, dann wird gewohnt straight mit ordentlich Death-Anteil nach vorne geprescht. Im schönen Kontrast folgt auf diese Attacke klares Gitarrengeplänkel und ein großartiges Solo, das man sich stundenlang in der Endlosschleife anhören könnte, wenn man nicht so gespannt wäre, was einen sonst noch erwartet. Gegen Ende gibt es dann für alle Thrash-affinen Metaller erneut Gelegenheit zum fröhlichen Haareverknoten.

Ein bisschen sprachlos darf man schon nach dem Genuss dieser Scheibe sein. Das ist man sowieso, denn allein die Vocals, auf richtige Lautstärke hochgedreht, drücken einen schon an die Wand. Natürlich muss hier und da noch ein wenig Feinschliff vorgenommen werden, wie zum Beispiel bei einigen etwas abrupten Übergängen im letzten Stück, aber bei solch versierten Musikern, wie wir sie hier vor uns haben, sollte das kein Problem sein. Hier kann man sich bei großartigen acht Punkten einpendeln, mit ein wenig Luft nach oben.

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