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Immolation: Atonement

So eingängig wie wohl noch nie
Wertung: 8,5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 44:35
Release: 24.02.2017
Label: Nuclear Blast

Mit „Atonement“ sind Immolation bei der magischen Zehn angelangt: Eine zweistellige Anzahl an Studioalben ist erreicht, wofür man der Truppe aus Yonkers gratulieren darf, wenngleich sie inzwischen auch – man glaubt es kaum – bereits seit rund dreißig Jahren ihr Unwesen treibt. Bei einer solchen Jubiläumszahl versprechen Bands ja nicht selten, dass sie für ihre Fans ein ganz besonders starkes Album in der Pipeline haben; Immolation haben es nicht nötig, damit hausieren zu gehen, da sie im Prinzip stets recht gleichbleibende Qualität abgeliefert haben, dabei allerdings nicht sonderlich innovativ waren. Das war aber ja auch nie das Ziel von Ross Dolan und Co. und so werden Todesstahl-Maniacs auch auf „Atonement“ keine großen Überraschungen erleben. Und ich wage mal die Behauptung in den Raum zu werfen, dass 99 Prozent davon auch gar nicht sonderlich scharf darauf sind.

Während „Majesty And Decay“ bei den meisten Anhängern bereits jetzt ein sehr gutes Standing hat (für den Terminus „Klassikerstatus“ ist es vielleicht noch etwas zu früh), kam das folgende „Kingdom Of Conspiracy“ in der Fan-Gunst etwas schlechter weg. Eine gute Scheibe immer noch, keine Frage, aber nicht so mächtig wie das damalige Nuclear-Blast-Debüt der Amerikaner, zumal auch nicht so stark produziert, hauptsächlich störte der zu klinische Schlagzeugsound.

Ganz sicher jedoch werden sich bei der vorliegenden Platte alle Fans einig sein, dass hier wirklich mehr als amtliche Arbeit geleistet wurde. Obwohl Gitarrist Bill Taylor der Band letztes Jahr nach immerhin 15 Jahren Zugehörigkeit den Rücken kehrte und auf „Atonement“ Robert Vigna sämtliche Gitarrenparts einspielte (inzwischen ist mit Alex Bouks – u.a. ex-Incantation – wieder ein zweiter Saitenhexer mit an Bord), hat sich das weder negativ auf den Sound der Formation noch auf das Songwriting ausgewirkt.

Man darf sogar so weit gehen zu behaupten, dass Immolation selten eingängiger geklungen haben. Der Opener „The Distorting Light“, bei dem es (wie auch schon beim Vorgänger) ohne Umschweife sofort zur Sache geht, gehört mit seinen vielen Breaks noch zu den härteren Brocken, doch abgesehen vom fast schon als Ohrwurm zu bezeichnenden „Fostering The Divide“ wurden die griffigsten Parts vor allem in der Mitte und am Ende des Albums platziert. Ob das fies langsam kriechende „Thrown To The Fire“, das progressivere „Destructive Currents“, der vor allem im Midtempo gehaltene Stampfer „Above All“, das epische, teils regelrecht melodiöse „The Power Of Gods“ oder die Abschlussnummer „Epiphany“ – hier warten die Jungs mit erstklassigen Riffs auf, die sich ganz schnell in den Gehörgängen festsetzen und sofortiges Headbangen provozieren.

Dennoch versteht sich von selbst, dass die New Yorker immer darauf achten, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, die technische Komponente ist also letztendlich trotzdem allerorts anzutreffen: Tempo- und Rhythmuswechsel sowie quietschende und fiepende Klampfen gehören schließlich zu Immolation wie die Pommesgabel zum Heavy Metal, nur verstehen sie es eben so gut wie nur wenige andere ihrer Zunft, diese gewinnbringend und eben nicht selbstdarstellerisch in ihren Kompositionen unterzubringen. Auch wenn das handwerkliche Niveau selbstredend grundsätzlich unfassbar ist (allein, was Drummer Steve Shalaty wieder mal abzieht, ist unnormal), fallen viele Kabinettstückchen erst nach mehreren Rotationen richtig auf, was eventuelle Abnutzungserscheinungen sofort ausschließt.

Dann zeigt sich auch, wie durchdacht die Combo beim Aufbau der Songs einmal mehr vorgegangen ist. Weder wird stumpf geholzt, noch unnötige Frickelorgien vorgeschoben, stattdessen wird schlicht auf abwechslungsreiches Songwriting geachtet – Stücke wie das überragende, mit ruhigem Intro ausgestatteten „Lower“ oder die schon erwähnten „Thrown To The Fire“ und „Above All“ erfahren atemberaubende Steigerungen, bei denen das Tempo zum Teil in wahnwitziger Manier angezogen wird, ohne dass irgendetwas aufgesetzt wirken würde.

Erfreulich auch, dass bei der Produktion ebenfalls ein exzellenter Job erledigt wurde – die schneidenden Gitarrenwände drücken fies, das Schlagzeug klingt viel organischer als auf dem Vorgänger und die Atmosphäre – auch dank Ross Dolans nach wie vor unmenschlichem Organ – ist bösartig und finster, wie man es von Immolation erwartet. Ein klarer Pflichtkauf für jeden Death-Metal-Supporter!

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