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Illectronic Rock: Angel Suicide

Diesen Namen muss man sich merken
Wertung: 9/10
Genre: Glam Rock
Spielzeit: 46:23
Release: 08.02.2008
Label: Black Solaris Records

Es braucht nicht Berlin und Meer, um zum Musikmachen zu inspirieren. Diesen Beweis erbringen Illectronic Rock, die mit ihrem Debutalbum “Angel Suicide” eine Platte feinsten Glam Rocks veröffentlichen, ihre Anfänge aber in einem kleinen 2000-Seelen-Dorf bei Aschaffenburg haben. Aus diesem stammen Robert Schwarze, Stefan Appel, Marco Kempf und Jens Baar, die im Sommer vor drei Jahren extrem durchgeplant Illectronic Rock gründeten und gleich mit dem Namen ein Marketingkonzept, Foto-Shootings und erste Songs planten. Im castinggeplagten Deutschland ein selten zu lesender Schritt von Professionalität und Marketing direkt zu Beginn in Eigenregie.

So mag es nicht verwundern, dass bereits im November ihr erstes Video fertig gestellt wurde, im Dezember Illectronic Rock zum ersten Mal live zu bewundern war und bereits im Februar ihre erste Demo-CD “In Black und Bloom” verkauft wurde; nach 1 ½ Jahren waren über 1000 Exemplare abgesetzt. Im Sommer, nachdem man als Gewinner aus dem “Radius 50”-Contest hervorgegangen war, traf die junge Band auf Uwe Lulis (Ex-Grave Digger), der als Produzent mit ihnen “Angel Suicide" aufnahm. Im September folgte das nächste Video zu “Between Heaven and Here”, diesmal mit professioneller Unterstützung und doch: Die Arbeit der Band hat sich ausgezahlt. Ende 2007 hatten die Aschaffenburger rund 35 Gigs deutschlandweit gespielt.

Ihr elektronisch verzerrter Sound, aber auch die laszive Art, Schwarzes zu singen, lässt durch die gesamte CD immer wieder alte Negative-Erinnerungen aufkommen, ein wenig Lovex, ein bisschen Cinema Bizarre- Illectronic Rock scheinen genau in die Glam Rock-Sparte zu passen, aber, was viel überraschender ist, denn das Genre lässt sich auch am Auftreten der Band bestimmen, die Aschaffenburger haben ihren eigenen Stil. Die vierzehn Titel sind, wie bereits angedeutet, unglaublich variabel und lassen eine Professionalität durchblicken, die nicht alleine von Produzent Lulis kommen kann.

Clever verpackt befindet sich der Ohrwurm- und Videosong “Between Heaven and Here” direkt an zweiter Stelle des Albums. Wiedererkennungsfaktor: Extrem hoch. Ein klaviergetragener prägnanter Anfang und die ersten gesungenen Worte, die Art, wie Schwarze den Song beginnt und fast ausschließlich zu den Drums singt: Man will es den Finnen zuschreiben. Auch der Refrain, eine treibende Mischung aus Keyboard, E-Gitarre und sehr prägnantem Bass und die Art, wie der Gesang langsam ins Schreiben driftet: Das klingt eigentlich nicht wie Negative. Aber das ist genauso gut.

Dass ihr Stil doch noch große Anteile Hardcore enthält, beweisen Illectronic Rock mit “Heart and Bonebreaker”. Dass dieser Stil sich mit einem nicht unerheblichen Keyboardanteil ebenfalls in Glam verwandeln kann, auch. Beginnt das Stück noch sehr schrill elektronisch, begleitet die Strophen durchgängig eine geschrieene Zweitstimme, die auch in den Refrain überleitet, mit dem melodiösem Gesang aber ein sehr stimmiges Klangbild vermittelt und den Song ansonsten etwas fad hätte erscheinen lassen.

Der erste Teil des Titels folgt in Form von “Angel Suicide” (in gespiegelter Version zum Ende “Suicide Angel”). Diese Version also, im starken Kontrast zum Ende, sehr kraftvoll, sehr sauber gesungen im bekannten Schema, dessen Bridge ein kurzer gesangloser Bass- und Gitarrenlauf darstellt.

Ebenfalls sehr rockig geworden ist “K.I.D.S”, vielleicht als Hymne an das Musikerdarsein aufzufassen, und hier, wie auch “In Black & Bloom” oder den übrigen Songs ist wieder das unglaublich kompositorische Gitarrenspiel hervorzuheben. Nicht zu viel Raum, nicht zu wenig Variabilität und sehr stimmig zum Gesang. Wobei “In Black & Bloom” musikalisch eine ganz andere Richtung verfolgt und eine der Balladen wird, die trotzdem nicht an Kraft und Ausdauer verlieren.

Auch eher gefühlvoll geht es in “Overload Feeling” zu. Auch wenn der Text das ein oder andere Mal hart an der Schmerzgrenze reimt: Gesungen klingt der Song toll, und dann passt auch die übertriebene Melancholie zu dem fast weinenden Gesang und den auffällig lauten Drums.

Als Höhepunkt und Abschluss also die Spiegelversion “Suicide Angel”, sehr stimmungsvoll mit tiefem Klavier, Cello und Geige begleitet und unglaublich viel Klangraum für Schwarzes Stimme, die sich in der Aussprache wirklich am finnischen Akzent orientiert. Und spätestens wenn er “Angel Suicide” als langgezogenes Textende immer wieder wiederholt, ist man von der CD umgeworfen.

Fazit: Illectronic Rock, ich denke, diesen Namen muss man sich merken.

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