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Ihsahn: After

Eine erneute Weiterentwicklung ist klar erkennbar - starkes Album
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Black Metal
Spielzeit: 53:04
Release: 29.01.2010
Label: Candlelight Records

Zwei erstklassige Soloalben hat Ihsahn, der vor allem durch seine Tätigkeit als Frontmann von Emperor bekannt wurde, mit „The Adversary“ (2006) und „AngL“ (2008) schon herausgebracht, und besonders auf letzterem ließ er bereits deutlich eine eigene Handschrift erkennen.

Bei einem solch begnadeten und erfahrenen Musiker mag es vielleicht nicht weiter verwunderlich sein, dass er derart schnell einen eigenständigen Stil kreiert; andererseits neigen viele Musiker, die in erfolgreichen Bands spielen und dann beschließen, auf Solopfaden zu wandeln, des Öfteren dazu, letztlich mehr oder weniger doch nur ihre Hauptband zu covern.

Natürlich schimmert auch bei Ihsahn immer wieder Emperor durch, doch setzt der Norweger insgesamt noch mehr auch auf langsamere und mittlere Tempi und würzt die Einflüsse seiner eigenen Band mit sehr harmonischen Gitarrenläufen und an Death-Prog à la Opeth erinnernden Klängen (kein Wunder, dass er sich auf „AngL“ beim Track „Unhealer“ ein Gesangsduell mit Mikael Åkerfeldt lieferte).

Auf dem vorliegenden „After“ wird der eingeschlagene Pfad nun noch weiter fortgeführt und verfeinert und es werden neue Elemente hinzugefügt – so taucht zum Beispiel in mehreren Songs ein Saxophon auf, doch dazu später.

Zunächst einmal überraschten den Verfasser dieser Zeilen die ersten Töne des Openers „The Barren Lands“ – höre ich hier tatsächlich die neue Platte von Ihsahn oder habe ich gerade Track neun von „From Mars To Sirius“ von Gojira („World To Come“) angestellt? Doch schon nach ein paar Sekunden verfliegen diese Gedanken, denn selbstredend nimmt der Song im Folgenden einen komplett anderen Verlauf. Zu hören ist das, was Ihsahn schon auf den beiden vorigen Alben auszeichnete: Rhythmisch komplexes, progressiv angehauchtes, aber stets nachvollziehbares Riffing, ausgeklügelte Gitarrenarrangements und ein Wechsel zwischen Screams und cleanem Gesang - ein starker, im Midtempo gehaltener Eröffnungstrack mit hohem Eingängigkeitsfaktor.

Beim deutlich flotteren „A Grave Inversed“ taucht dann zum ersten Mal besagtes Saxophon auf – und fügt sich erstaunlich gut ins Gesamtbild ein. Die abgefahrenen, schrägen, latent an Freejazz erinnernden Klänge passen bestens zum treibenden Main-Riff und den immer wieder auftauchenden Blastbeatpassagen.

Der Titelsong und das darauf folgende „Frozen Lakes On Mars“ wiederum überzeugen mit sehr melodischen und Mitsing-kompatiblen Refrains und herausragenden, schnörkeligen Gitarrenmelodien (bei den vielen Spuren, die das Emperor-Mastermind da offensichtlich übereinander gelegt hat, seien Kopfhörersessions wärmstens empfohlen), genauso wie das durch Hammond-Orgel-Farbtupfer deutlich aufgewertete „Austere“.

Und dass er es ebenso glänzend vermag, Longtracks zu verfassen, beweist Ihsahn schließlich mit den beiden zehnminütigen Stücken „Undercurrent“ und „On The Shores“ (auf „AngL“ hatte er auf derlei Epen ja verzichtet, lediglich auf „The Adversary“ war mit „The Pain Is Still Mine“ ein Track jenseits der Zehn-Minuten-Grenze zu finden). Diese zwei Songs vermitteln irgendwie ein Gefühl von Weite, von skandinavischen Wäldern und Seen und bestechen durch einen jeweils glänzenden Aufbau und Abwechslungsreichtum. Epik pur, was das bei beiden Stücken wiederum eingesetzte, sich erneut prächtig ins Gesamtbild einfügende Saxophon nur unterstreicht. Das eigentlich Bemerkenswerte daran ist jedoch, dass beide Tracks (obwohl sie nicht nacheinander erklingen) zusammengehören und der zweite eine Art Fortsetzung des ersten bildet, wie man anhand dessen erkennen kann, dass bei „On The Shores“ gleich zu Beginn das Hauptmotiv von „Undercurrent“ aufgegriffen wird – irgendwie muss ich da an Pink Floyds „Shine On You Crazy Diamond“ denken.

Insgesamt hat Ihsahn es erstklassig vermocht, zwischen langen, epischen und kürzeren, eingängigeren Stücken zu pendeln und so eine Menge Abwechslung zu schaffen. Zu entdecken gibt es auf „After“ allerdings so oder so eine ganze Menge. Dem ein oder anderen mag es vielleicht zu wenig Uptempo-Passagen geben, doch dass Ihsahn sich erneut weiterentwickelt hat und trotzdem seinem Stil treu geblieben ist, kann wohl niemand ernsthaft bestreiten. Mit seiner neuen, stark produzierten und von Jens Bogren (Opeth, Katatonia) gemixten Scheibe setzt der Norweger jedenfalls definitiv ein erstes, fettes Ausrufezeichen im noch jungen Jahr.

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