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Ignis Fatuu: Wenn alle Worte schweigen

Kommerzalarm!
Wertung: 5/10
Genre: Mittelalter Rock
Spielzeit: 12:13
Release: 24.05.2013
Label: Trollzorn/ Soulfood

Wenn größere Besetzungswechsel eine Band heimsuchen, dann ist das immer ein spannender Moment. Wie verändert sich der Sound der Band? Wie verändern sich die Songs? Das Auftreten? Es kommen viele Fragen auf. Diese stellen sich auch alle bei den Nürnbergern von Ignis Fatuu. Die Mittelalter-Rocker haben nämlich gleich zwei essentielle Positionen neu besetzt (eigentlich wurde aus einer Position nun zwei). Der Sänger und Gitarrist hat die Band verlassen und in P.G. wurde ein Ersatz am Mikro und mit Peter Pathos auch an der Gitarre gefunden. Beide sind in der Szene keine Unbekannten, haben sie doch beide schon in namhaften Gruppen mitgewirkt.

Trotzdem, oder gerade deswegen, wirkt sich die Umbesetzung natürlich auch auf die Musik der Band aus. Weniger auffällig ist das bei „Der Rabe und der Wolf“. Die Nummer ist noch relativ im bekannten Stil der Band gehalten und hauptsächlich fällt die veränderte Singstimme auf. P.G. (der früher übrigens bei Merlons Lichter war) singt in einer ganz anderen Klangfarbe als Alexander Trappe. Qualitativ steht der neue Fronter dem alten in nichts nach.

Anders sieht die Sache beim Titelsong der Singleauskopplung aus. „Wenn alle Worte schweigen“ klingt überhaupt nicht mehr nach Ignis Fatuu. Der Song klingt nach Mainstreamstandard wie Unheilig oder Schandmaul. Das bandeigene mystische Flair hat sich wahrscheinlich an einem schönen Ast erhängt als er dieses Lied zum ersten Mal gehört hat. Im Ernst: Trotz aller Leistungen, die die Musiker unangefochten erbringen: Der Song passt original auf die Bühne von The Dome zu Rosenstolz und Konsorten. Mit freier, unabhängiger Musik hat das nichts mehr zu tun. Vielmehr klingt der Song nach einem Musikstudenten, der in der letzten Vorlesung etwas von gut verkäuflichen Songstrukturen gehört hat (aber währenddessen lieber an seinem Smartphone herumgespielt und somit nur die Hälfte verstanden hat). Sollte das ganze kommende Album so ausfallen wie diese Nummer, dann könnten Ignis Fatuu einen ganzen Schwung ihrer bisherigen Fans verlieren. Anders betrachtet sind stilistische Wechsel und Neuorientierungen natürlich auch künstlerische Freiheit und einfacher Fortschritt.

Den Remix zu „Der Rabe und der Wolf“ kann man ganz getrost schreddern. So einen nutzlosen Mist braucht nun wirklich niemand und noch dazu klingt der ganze Mix einfach wirklich grottig schief. Zu allem Überfluss bohrt sich während der Textpassagen ein sonorer Ton mitten ins Gehirn und erinnert an einen Hörtest beim HNO. Den Sinn dahinter muss man wahrscheinlich nicht erkennen.

Ignis Fatuu richten sich neu aus, soviel ist sicher. Das war zwangsläufig notwendig. Natürlich soll die Band die Musik machen, die sie gerne machen will. Allerdings sollte man sich den Weg in den Mainstreameinheitsbrei ganz genau überlegen.

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