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Ignis Fatuu: Neue Ufer

Ein Meilenstein der Band
Wertung: 8/10
Genre: Mittelalterrock, Alternative, Folk Rock
Spielzeit: 49:41
Release:
Label: SMP Records/Trollzorn

Kaum hat sich die Mittelalterrockszene halbwegs etabliert, ertönen schon wieder die ersten Rufe, dass die beste Zeit schon vorbei sei. Sicher mögen Vorreiter der Musik sich nun in anderen musikalischen Gefilden tummeln, aber der Zuwachs in der Szene an neuen Bands hält unvermindert an. Ignis Fatuu gehören zwar nicht gerade zu den Newcomern der Szene, aber einen wirklichen Spitzenplatz konnten sie sich bisher auch nicht erspielen. 2004 gegründet warten sie nun, zwei Jahre nach ihrem Debütalbum „Es werde Licht“, mit ihren neuen Longplayer „Neue Ufer“ auf.

Der eine oder andere Fan von Mittelalterrock wird beim Titel der CD sicher ängstlich dreinblicken und sich fragen, an welche Ufer denn hier angelaufen wird, doch schon beim ersten Song „Wolfszeit“ verfliegt die Panik sofort. Zarte Flötenklänge und harte Gitarrenriffs  beginnen, stehen im Widerpart und vereinigen sich doch bestens. Dies wird im Gesang fortgeführt, hier steht die tiefe, raue Stimme von Alex, der recht geschickt seine Stimmgrenzen auslotet, im Gegensatz zur zarten Stimme von Irene. Die Gegensätzlichkeit bringt in Folge immer wieder eine sehr angenehme und bereichernde  Nuance in das Klangbild der Band. Thematisch wird bei diesem Song das recht klischeehafte Werwolf-Thema neu interpretiert und bietet einen gelungenen Einstieg.

„Spiel des Lebens“ wird durch treibende Beats beherrscht und erfreut vor allem durch die Tatsache, dass sich eine weitere Band darauf besinnt, dass Text und Melodie in eine Übereinstimmung gebracht werden sollten - hier durch die gefühlte Hatz der Gitarren und gut gesetzte Drums, die das getriebene Leben bis zum Tod verdeutlichen und eine Tempoverschleppung, die das Bewusstsein des Moments vor Augen führt.

In „Scherenschnitte“ wird dies fortgesetzt, Licht und Schatten durch Höhen und Tiefen der Stimme wiedergegeben, niederdrückende Sequenzen wechseln in einen Stakkato-Rhythmus und bilden so einen Tanz zwischen Agonie und Ekstase. Mit „Mondnacht“ schließt sich eine Ballade an und lässt etwas Ruhe einziehen, wohingegen bei  „Wörterschmied“ der Dudelsack das Feuer wieder auflodern lässt und im Refrain der Hammer des Wortes herab fällt und niederdrückt. Ein Song der beschwingt, frohlockend und eindringlich ins Ohr geht, so zu einem Highlight des Albums wird und auch die Arbeit des Liedschreibens näher bringt.

„Neue Ufer“ ist nicht nur der Titelsong, sondern vor allem ein Bekenntnis zur Szene, zu eigenen Vorstellungen  und zu Wurzeln. Musikalisch kann man getrost von einem Ohrwurm sprechen, der sich seinen Weg durch Gehirn und Herz bahnt und dabei im Bauch und in den Beinen stark vibrierend seinen Ausgang sucht. Der Song ist tanzbar, treibend, rockig, an anderen Stellen wieder zurück gefahren und lädt so zum Träumen ein, um sich dann wieder in aller Fülle zu entladen. Die Nürnberger verdeutlichen hier, dass Mittelalterrock alles andere als langweilig, geschweige denn tot ist, sie sich auch mit namhafteren Größen messen können und mit Sicherheit auch außerhalb des Genres punkten könne.

Mit „Wenn nicht ich, wer dann“ pflegt man einen balladesken Zwiegesang, der sicher an einen anderen Titel erinnert, aber dennoch über genügend Authentizität verfügt, um nicht als billiges Plagiat zu gelten. Wenn man hier schon von Ähnlichkeiten spricht, ist der Einsatz der Melodie von „Toccata und Fuge“ in „Wahre Schönheit“, sicher nicht Zufall, sondern gewollt. Ignis Fatuu sind nicht die erste Band, die diesem Werk Tribut zollt und können dies, wie auch Tanzwut, musikalisch gut umsetzen. Hier gilt es zum Ersten, den anfangs dominanten Bass zu erwähnen und des Weiteren, die gelungene Überleitung mit Geige und Flöte in den Monolog von Irene zu beachten.

Mit „Junger Krieger“ setzt sich die auf dem Vorgängeralbum begonnene Trilogie des Drachentöters fort. An dieser Stelle kann man sich schon auf die Vollendung des Werks freuen.

Den gelungenen Abschluss der CD bildet „Hochmut“. Noch einmal einen sich Mittelaltermelodien und Rock der Gegenwart, man bleibt auch hier bei guten Tempoverschiebungen und erzeugt so einen nachhaltigen Eindruck, welcher den textlichen Anspruch des Liedes gut unterstützt.

Zusammenfassend kann man von einem sehr gelungenen und komplexen Album sprechen. Vielleicht mag die Blütezeit des Mittelalterrock vorbei sein, doch Ignis Fatuu beweisen, dass die Blüte auch eine gute Frucht trägt. Was hier dargebracht wird, sucht nach Wurzeln und Traditionen, ohne die Zukunft zu vernachlässigen. Die CD stellt sich musikalisch vielfältig dar und kann mit gelungenen Texten aufwarten, auch wenn hier angemerkt sei, dass man durchaus die Songtexte stellenweise mitlesen muss. Man spielt sich aus den Schatten gestandener Bands heraus und zeigt seine eigene Note. „Neue Ufer“ ist sicher ein Meilenstein der Band und man traut dem Quintett durchaus noch mehr zu.

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