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Ignis Fatuu: Meisterstich

Guter Ansatz mit schwächelnder Ausführung
Wertung: 6/10
Genre: Mittelalter Rock / Folk Rock
Spielzeit: 50:41
Release: 08.07.2016
Label: Trollzorn

Die Nürnberger von Ignis Fatuu sind wieder da. Nach der Neuorientierung mit „Unendlich viele Wege“ kommt nun das zweite Album nach der Trennung vom früheren Frontmann. Sollte sich die Entwicklung des letzten Albums und der vorangegangenen EP fortsetzen, dann werden sich Ignis Fatuu noch weiter vom ursprünglichen Stil entfernen. Die Versuche hierzu auf der letzten Platte waren noch ein bisschen wenig strukturiert, aber vielversprechend.

„Meisterstich“ ist eine Art Konzeptalbum, welches sich mit 13 Kupferstichen von Albrecht Dürer auseinandersetzt. Hier steckt die Band das Ziel schon sehr hoch, Albrecht Dürer zu interpretieren ist jetzt nichts, was man mal so nebenbei macht.

Umso interessanter ist die Art und Weise, wie Ignis Fatuu an die Sache herangehen. Ziemlich schnell weichen die Musiker von einer reinen Beschreibung ab und erzählen Geschichten um die Bilder. Darin sind sie nicht ungelenk. Die oft erzählerische Struktur ist meist spielerisch ausgeprägt, was durchaus seinen Charme hat.

Die Ungereimtheiten beginnen im Musikalischen. Man kann schnell den Eindruck bekommen, dass sich die Künstler ein bisschen zu sehr auf die textliche Ausarbeitung konzentriert haben und dabei die Musik hintenan gestellt haben. Denn hier überrascht eigentlich kein einziges Konzept. Viele Arrangements sind vorhersehbar, die meisten Melodien meint man schon einmal gehört zu haben und von Spritzigkeit oder Wagemut zu Außergewöhnlichkeiten fehlt fast jegliche Spur. Die Musik soll hier jetzt nicht zu weit herabgewürdigt werden – wir bewegen uns ungefähr bei einem Schnitt von fünf von zehn Punkten.

Ein immer wiederkehrender und nicht komplett berechtigter Kritikpunkt ist die Singstimme des Frontmannes P.G.. Denn der Sänger kann durchaus überzeugend und facettenreich seine Stimmbänder in Szene setzen, wie er bei „Melancolia (1514)“ deutlich unter Beweis stellt.  

Vielmehr ist es der ihm verpasste Sound, der ihn stimmlich immer wieder abwertet. Natürlich kann man mal die Tiefen und Mitten herausschneiden um einen „Megaphon-Effekt“ zu erzeugen. Das ist durchaus mal witzig. Einmal oder sogar zweimal vielleicht. Dann reicht es aber auch. Hier wird Missbrauch betrieben und wenn man die Gedanken weiterspinnt, dann kann sich der Verdacht, dass der Fronter gewisse Stimmlagen einfach nicht packt, und das so vertuscht werden soll, durchaus erhärten. Das soll keine Unterstellung sein.

„Meisterstich“ hat ein geiles Konzept, welches leider nur mittelmäßig ausgearbeitet wurde, zumindest, was die Musik anbelangt. Gerade eine Formation mit solcher instrumentalen Bandbreite wie Ignis Fatuu hätte hier doch wesentlich mehr ausgraben können. Potential hätte der Stoff ja ohne Ende. Im Zeugnis würde stehen: „Sie haben sich sehr bemüht“.

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