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ICS Vortex: Storm Seeker

Sehr erfrischendes Solodebüt des Ex-Dimmu-Borgir-Bassisten
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Rock/Metal
Spielzeit: 45:10
Release: 19.08.2011
Label: Century Media

Dass er 2009 bei Dimmu Borgir – aus welchen Gründen auch immer; genau wird man es wohl nie erfahren – herausgeflogen ist, war für Simen Hestnæs alias ICS Vortex anscheinend kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Ein gutes Jahr später bestätigte er die Reunion der legendären Avantgarde-Metaller Arcturus, bei deren letztem Studioalbum „Sideshow Symphonies“ er als Frontmann hinter dem Mikrofon wirkte, eine neue Lamented Souls-Scheibe, „Echelons Of Decay“ betitelt, steht ebenfalls an und nun haben wir also des Weiteren das erste Soloalbum des Multiinstrumentalisten vorliegen.

Interessant und ein wenig obskur klingen die Worte, mit denen der Norweger die „Storm Seeker“ getaufte Platte beschreibt, so ist die Rede von einem Tribut an den Aufstieg und Niedergang seiner Art, eine Generation von Außenseitern, geboren von Hippies und aufgezogen von Satan. Nun, wenn man die beiden letztgenannten Termini heranzieht, könnte man zu dem Schluss gelangen, wir hätten es hier mit einem Album, das sowohl schwarzmetallische, als auch psychedelische und Siebziger-proggige Elemente vereint, zu tun, was wiederum ein interessantes Klangbild und viel Abwechslung verspricht.

Tatsächlich ist diese Einschätzung gar nicht mal so sehr daneben und obwohl sich so manches, was ICS Vortex in seiner Karriere fabriziert hat, auf der Platte wiederfindet, klingt das Album anders als alles, was er bisher gemacht hat. Angesichts der angekündigten Arcturus-Wiedervereinigung erwarten nicht wenige sicherlich eine besonders starke Tendenz in diese Richtung, doch haftet dem Ganzen nicht wirklich jener Sound an, eher noch kann man Anklänge an Borknagar vernehmen – Dimmu Borgir hingegen sind so gut wie überhaupt nicht präsent. Der Opener „The Blackmobile“ geht noch am ehesten in Richtung Black Metal und Hestnæs bekräftigte, dass er diesen Song schon vor längerer Zeit geschrieben habe – einer Zeit, in welcher Black Metal noch gefährlich gewesen sei. Hier gibt es ein paar schwarzmetallisch gefärbte Gitarren und Blastbeats zu hören, der Gesang allerdings ist durchgehend clean, so wie auch beim gesamten Rest der Platte. Überhaupt sind die Vocal-Arrangements teilweise schlicht fantastisch; ICS Vortex hat nichts verlernt.

Das andere Extrem von „Storm Seeker“ bildet der Titeltrack – eine zum Heulen schöne, wenn man die Songbezeichnung bedenkt, sehr ruhige Nummer, die ganz klar in den Siebziger Jahren verwurzelt ist. Allein der Klang der cleanen Gitarren und die Akkordfolgen sind einfach nur herrlich und wenn man so etwas hört und dabei an alte Psychedelic-, Prog- und Krautrock-Bands denkt, wird einem einmal mehr bewusst, dass heutzutage leider nur noch viel zu wenige solche Musik komponieren.

Zwischen diesen beiden Polen liegen neun weitere Stücke, die zwar von der Instrumentierung her zu einem Großteil sehr aufwendig ausgefallen sind und recht komplexe Arrangements bieten, sich aber trotzdem erstaunlich problemlos in den Gehirnwindungen festsetzen; die Scheibe macht schnell Spaß und braucht nicht lange, bis sie zündet – immer vorausgesetzt natürlich, man konnte Vortex’ bisherigem Schaffen schon immer etwas abgewinnen und hat vielleicht auch etwas für Siebziger-Jahre-Mucke übrig. Trotz mitunter recht gravierender Unterschiede der Stücke sorgt schon die tolle Gesangsleistung des Protagonisten, der abgesehen vom Schlagzeug (hierfür war Tausendsassa Asgeir Mickelson – unter anderem Ex-Borknagar, Ihsahn und Spiral Architect – zuständig) übrigens sämtliche Instrumente selbst einspielte, für den roten Faden. Während „Skoal!“ dem Titel entsprechend mit positiven, markanten Melodien, Maultrommel und fetter Hammond eine folkige Stimmung verbreitet, kommt „Aces“ mit schnellerem, verspieltem Riffing daher, pendeln „Dogsmacked“ und „Windward“ zwischen Stoner- und Psychedelic- und Prog-Rock, und groovt „When Shuffled Off“ etwas schwerfälliger in mittleren bis langsamen Temporegionen. Mit „Flaskeskipper“ hat sich außerdem ein Stück auf Norwegisch eingeschlichen und „The Sub Mariner“ ist ein völlig abgefahrenes, spaciges Instrumental geworden, das sich irgendwie gut als Abschluss macht und Gedanken an Deep Purples „A 200“ (Abschlusstrack der „Burn“-Scheibe) aufkommen lässt. 

Vielfalt wird dementsprechend groß geschrieben im Hause Hestnæs und doch klingt alles wie aus einem Guss – was gerade bei einer (nebenbei bemerkt gut produzierten) Platte, die beinahe von einem im Alleingang eingespielt wurde, keine Selbstverständlichkeit ist; man wird das Gefühl nicht los, dass Simen sich auf seiner eigenen Spielwiese regelrecht austobt und alles das nachholt, was er bei seinen früheren Bands nicht machen konnte, auch wenn die Referenzen logischerweise vorhanden sind. Man darf sich auf eine Tour mit hochkarätiger Live-Besetzung freuen!

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann