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Iced Earth: The Glorious Burden

Der Soundtrack für Bush?
Wertung: 7/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 70:28
Release: 12.01.2004
Label: Steamhammer/SPV

Im Juni 2003 endete eine Ära! Matthew Barlow, seines Zeichens damaliger Sänger von Iced Earth, entschloss sich unter dem Eindruck des 11. Septembers 2001, sein Leben einem anderen Zweck als der Musik zu verschreiben. Er hatte das neue Album noch eingesungen, verließ dann die Band, machte eine Ausbildung und ist heute als Polizist tätig. Die Fans waren geschockt, denn in Barlow schien man den perfekten und definitiven Iced Earth Sänger gefunden zu haben, der sowohl im Studio als auch auf der Bühne durch seine unglaubliche Stimme absolut überzeugen konnte. Konnte es ohne ihn überhaupt eine Zukunft geben?

Bandkopf Jon Schaffer, der selber auch ein sehr heimatverbundener Amerikaner ist, wollte seine Band allerdings nicht sterben lassen und machte sich auf die Suche nach einem Ersatz. Dabei machte er die Bekanntschaft von dem damaligen Judas Priest Sänger Tim „Ripper“ Owens, der sich bereiterklärte “The Glorious Burden“ noch einmal einzusingen, da Schaffer mit dem Gesang vom Barlow auf dem neuen Album nicht zufrieden war. Owens hatte aber nie daran gedachtein dauerhaftes Mitglied der Band zu werden. Dann allerdings folgte die Priest-Reunion mit ihrem alten Sänger, dem “Metal God“ Rob Halford, und Owens stand plötzlich ohne Job da. Jon Schaffer sah seine Chance und bot ihm noch mal den vakanten Sängerposten an und gewann damit wieder einmal einen ausgezeichneten Sänger für seine Band.

Die Fans warteten nun mit Spannung auf “The Glorious Burden“, man war sich aber bewusst, dass man von Owens auf jeden Fall erstklassigen Gesang erwarten durfte. Er verfügt zwar über eine völlig andere Stimme als Barlow, aber zeigt dieselbe Passion wie sein Vorgänger es tat. Andererseits war man skeptisch, da Schaffer sich immer nationalistischer zeigte. Lieferte der Bush Anhänger vielleicht die Metalplatte für den Wahlkampf der Republikaner ab?

Ganz so schlimm ist es wahrlich nicht geworden, auch wenn Ansätze vorhanden sind. Die Musik allerdings zeigt sich ein wenig anders als früher, denn die schon beim Vorgänger “Horror Show“(2001) angedeutete Wandlung vom US Power Metal zu seinem europäischen Pendant ist weiter vorangeschritten. Das mag man nun sehen, wie man will, ich persönlich finde diese Entwicklung schade. Am „Ripper“ kann man aber keine Kritik üben, denn der Kerl könnte wohl auch Volksmusik singen und es würde rocken. Rezensiert wird hier übrigens die "Limited Edtion" mit diversen Bonus Tracks.

Mit der amerikanischen Nationalhymne in einer Rockversion als Intro gießt Schaffer natürlich Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker, bevor der erste richtige Song “Declaration Day“ ertönt. Ein typischer Opener, der äußerst unspektakulär vor sich hin plätschert. Der Chorus ist ganz nett, aber mehr auch nicht. Direkt danach kommt die Ballade “When The Eagle Cries“ für die Schaffer die härteste Kritik einstecken musste. In der Tat hat man hier eine sehr einseitige Betrachtung des 11.September 2001 vorliegen, der es so wirken lässt, als hätte dieser Terroranschlag überhaupt keine Vorgeschichte. Abgesehen davon ist das Lied an sich auch nichts besonderes, auch wenn es bestimmt kein „Kriegsaufruf“ ist, wie so viele Kritiker gerne behaupten.

Dann endlich gibt es das, was ich hören wollte: Bestes Jon Schaffer Riffing gepaart mit der Stimme seines neuen Sängers. “The Reckoning“ ist ein schneller Iced Earth Bänger mit Blind Guardian-artigen Chören und den von Judas Priest her bekannten hohen Schreien von Owens. Ebenfalls nicht zu verachten sind die Ohrwürmer “Attila“, “Valley Forge“ und “Waterloo“ (kein ABBA-Cover). Die unspektakuläre Ballade “Hollow Man“ tut niemandem weh, kann aber auch einfach übergangen werden, da es solche Lieder schon früher von Iced Earth gab. Nur waren sie da einfach besser.

Wirklich gespannt war ich aber auf die von Schaffer hoch angepriesene “Gettysburg“ Triologie, die einer der blutigsten Schlachten des amerikanischen Bürgerkrieges beschreibt. Der erste Song “The Devil To Pay“ „schockt“ erst mal wieder mit der amerikanischen Nationalhymne, wobei sie dieses Mal zum Kontext des Songs passt. Der „Ripper“ wächst hier über sich hinaus und veredelt alle 3 Songs mit der wohl besten Gesangsleistung seiner Karriere. Das ruhige “Hold At All Costs“ und der bombastische Abschluss “High Water Mark“ strotzen nur so vor Abwechslung und zeigen, dass Schaffer Wort gehalten und wahrhaftig ein Schlachtepos angeliefert hat. Im Gegensatz zu früheren Longtracks der Band (wie z.B.“Dante’s Inferno“) fehlen mir zwar ein wenig die harten Riffs, aber das kann man wirklich vernachlässigen.

In der normalen Jewel Case Version gibt es lediglich eine CD. Das schön gemachte Digipack enthält derer 2 und einige Bonustrack. Auf CD 1 gibt es zusätzlich eine Unplugged-Version von “When The Eagle Cries“ und den Track “Greenface“, den ich textlich gesehen wesentlich schlimmer als “When The Eagle Cries“ empfinde. Das 23minütige “Gettysburg“ befindet sich hier auf der zweiten CD.

Alles in allem hat Jon Schaffer mit “The Glorious Burden“ ein Album abgeliefert, das zumindest gelungen ist. Warum also wandten sich so viele alte Fans von Iced Earth ab? Nun, einige haben sich sicherlich von den Schreckenmeldungen über einen Patrioten namens Jon Schaffer und seiner Propagandaband abschrecken lassen. Dazu sei gesagt, dass Schaffer vielleicht Ansichten vertreten mag, denen vielen Europäern nicht folgen können/wollen, aber wirklich extrem ist das Album nicht. Es gibt wesentlich schlimmere Aussagen im Black Metal oder im Hardcore.

Ich denke, dass viele dasselbe Problem wie ich haben. Schaffers Band hat leider viel von ihrer Individualität verloren und klingt größtenteils wie eine zahmere Version ihrer selbst. Außerdem vermisse ich, wie viele andere auch, schlicht und ergreifend Matthew Barlow, denn für ihn kann es einfach keinen Ersatz geben. Versteht mich nicht falsch, der „Ripper“ ist einer der besten Sänger unserer Zeit! Aber gegen das stellenweise zu zahme Material kann auch er nichts tun, denn auch die Highlights der Platte (ausgenommen natürlich “Gettysburg“) habe ich früher von einer anderen Band schon mal besser gehört. Ich glaube, sie hieß Iced Earth und hatte diesen riesigen Sänger mit den ewig langen, roten Haaren und dieser göttlichen Stimme.

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