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Iced Earth: The Crucible Of Man (Something Wicked Part 2)

Die Iced Earth Stimme ist zurück!
Wertung: 8/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 59:16
Release: 05.09.2008
Label: Steamhammer/SPV

Das neue Iced Earth Album ist da! Und mit Matt Barlow steht wieder der Mann hinter dem Mikrofon, der für viele Fans der einzig wahre Sänger der amerikanischen Power Metal Band ist. Natürlich ist der Ripper kein schlechter Sänger, natürlich kann er nichts für sinkende Verkaufszahlen oder dafür, dass die Fans seiner ehemaligen Arbeitgeber Judas Priest und Iced Earth die alten Sänger zurückforderten und ja, natürlich war es nicht die feine Art von Bandkopf Jon Schaffer, ihn kurz vor Weihnachten letzten Jahres aus der Band zu werfen. Aber ganz ehrlich: Das ist nun höchstens zweitrangig und soll nicht weiter interessieren. Fakt ist nun einmal, dass Barlow zurück ist und dieses ursprünglich für den Ripper geplante Album eingesungen hat.

Viele Fans haben aufgrund des Sängers und der Kontroverse um das „The Glorious Burden“ (2004) Album dem letztjährigen Vorgänger „Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)“ nie die verdiente Chance eingeräumt. Die Platte war nämlich ziemlich gut, auch wenn sie eher nach europäischem als nach US-Power Metal klang Diese Entwicklung zeichnete sich aber schon seit „Horror Show“ (2001) ab. Dass Matthew Barlow aber am besten schon zum ersten Teil der „Something Wicked“ Geschichte zurückgekehrt wäre, zeigten die neu eingesungenen Versionen von „Setian Massacre“ und „The Clouding“ auf der „I Walk Among You“ Single aus dem Frühjahr.

Das soll es aber mit Verweisen auf die Vergangenheit gewesen sein, denn schließlich ist ein neues Iced Earth Album stets heiß erwartet. „The Crucible Of Man (Something Wicked Part 2)“ beginnt ähnlich wie der erste Teil mit einem von Chören getragenen Intro, welches in einen ziemlich zerfahrenen Opener namens „Behold The Wicked Child“ mündet. Hier fehlt zwischen den Chören und dem Iced Earth typischen Riffing eindeutig der rote Faden. Aber mein Gott, es tut wirklich gut, Matt Barlow wieder singen zu hören. Er hat eindeutig nichts verlernt, wie er dieses Jahr ja auch schon mehrfach live unter Beweis gestellt hat.

Nachdem „Minions Of The Match“ vor allem dadurch besticht, dass sich Barlow teilweise an einer ungewohnten Stimmlage versucht, drückt „The Revealing“ dann endlich aufs Gaspedal. Jon Schaffer und co. erfinden sich keinesfalls neu, bringen aber endlich die nötige Struktur in die Platte. Der Song wirkt so, als würde er auf ein furioses Finale hinsteuern, endet aber leider schon nach gut 2 Minuten.

Welche Lieder aus der Barlow Ära zählen auch heute noch zu den Beliebtesten? Richtig, die (Halb)Balladen wie „Melancholy (Holy Martyr)“, „I Died For You“, „A Question Of Heaven“ oder „Watching Over Me“. Ob „A Gift Or A Curse“ Einzug in diese Reihe an Klassikern erhält, wird die Zukunft zeigen. Das musikalische Potenzial ist auf jeden Fall da, auch wenn sich dieser Song nur bedingt zum Mitsingen eignet. Auf der Habenseite kann man aber eine entspannte Atmosphäre, einen sich toll steigernden Mittelteil und den wie immer brillanten Matt Barlow, der auch hier wieder ein wenig experimentiert, vermerken. Im selben Atemzug sei noch „Harbinger Of Fate“ genannt, was wesentlich epischer daherkommt. Richtig ins Ohr geht das bombastische Finale mit massiven Choreinsatz. Das klingt zwar mehr als einmal deutlich nach Blind Guardian, ist mir aber herzlich egal.

Es fällt auf, dass die Songs kürzer geworden sind, als man von der Band erwartet. „Crown Of The Fallen“ ist abermals nur knapp drei Minuten lang, ist aber auch nicht weiter schlimm. Das nachfolgende „The Dimension Gauntlet“ ist auch nicht viel länger, lässt aber durch den guten Chöre aufhorchen. Beim Opener hatte sich diese Mischung noch ganz anders angehört.

„I Walk Alone“ dürfte den meisten Fans schon von der letzten Single bekannt sein. Von daher gibt es nicht viel zu sagen, außer das man es hier mit einem auf den ersten Blick recht unspektakulären Midtempotrack zu tun hat. Mir persönlich gefällt die groovige Nummer mittlerweile sehr gut, was vor allem am eingängigen Refrain liegt.

Mit „Crucify The King“ überspringt die Band dann endlich mal wieder die fünf Minuten Marke, was bei diesem eher durchschnittlichen Song aber nicht nötig gewesen wäre. Wieder einmal frage ich mich, ob Schaffer vielleicht nur die Ideen ausgegangen sind, er das Album aber unbedingt veröffentlichen wollte. Zumal ja auch immer wieder Geistesblitze in Form des melodischen „Sacrificial Kingdoms“ auftauchen.

Der Beinahe Titeltrack „Something Wicked (Part 3)“ kann als Paradebeispiel für die Probleme, die viele mit diesem Album haben dürften, herangezogen werden. Man versucht eine epische Grundstimmung zu erzeugen, was wohl an der „Something Wicked“ Story liegt. Diese ist an sich auch unterhaltsam, aber ein wenig mehr Power in den Songs würde Wunder wirken. Da war der Vorgänger abwechslungsreicher.

Glücklicherweise kommt mit „Divide And Devour“ noch ein typischer IE Banger kurz vor Schluss auf die Fans zu. Die Chöre klingen zwar weiterhin mehr nach blinden Wächtern als nach vereister Erde und Schaffer kann noch schneller spielen, aber ins Genick geht es hier auf jeden Fall.

Den Abschluss bildet der längste Track des Albums und einen „Epilogue“ (bestehend aus der „Something Wicked“ Melodie). In seinen sieben Minuten Spielzeit entwickelt sich „Come What May“ zu einem der besten Songs auf „The Crucible Of Man (Something Wicked Part 2)“. Schnell wird es hier abermals nicht, aber dafür gibt es progressive Instrumentalpassagen, einen Ohrwurm Chorus und einen Matt Barlow, der alles aus sich herausholt und endlich mal wieder einige seiner hohen Schreie loslässt.

Fazit: Nein, es ist nicht die gewünschte Göttergabe geworden. Davon hat sicherlich jeder Fan insgeheim geträumt, aber Iced Earth gehen schon seit Jahren bombastischer zu Werke als zu den Zeiten ihrer Klassiker. Wenn man sich darauf einlässt, kann man aber auch mit den „neuen“ Iced Earth viel Spaß haben. Unter anderem auch mit diesem Album, was ich qualitativ auf eine Stufe mit der (sträflich unterbewerteten) „Horror Show“ Scheibe stellen würde. Am besten wäre es aber gewesen, wenn Jon Schaffer die besten Songs aus den „Something Wicked“ Sessions auf einem Album veröffentlicht hätte. Nicht auszudenken, was für ein Monster dabei herausgekommen wäre...natürlich nur, wenn Matt Barlow das Mikro in der Hand gehalten hätte, aber das sollte Lesern dieses Reviews schon klar geworden sein.

Aber genug der Konjunktive: Hört rein und freut euch schon jetzt auf die nächste Platte, wenn die Band in Ruhe an neuen Songs arbeiten kann.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann