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Iced Earth: Plagues Of Babylon

Machtvolles Album im frühen 2014
Wertung: 8/10
Genre: US Power Metal
Spielzeit: 62:20
Release: 06.01.2014
Label: Century Media

Markige Worte tönen da aus dem Iced Earth-Lager, denn Bandkopf Jon Schaffer nimmt wie gewohnt kein Blatt vor den Mund und preist das neue Album „Plagues Of Babylon“ in den höchsten Tönen an. Nun, das kennen die Metalfans schon zur Genüge, neigen die Mucker doch naturgemäß reflexartig dazu, den neuesten Output zu lobpreisen. „Das härteste Album seit…“ oder „…zeigt deutlich, wie wir als Band zusammengewachsen sind…“, an solchen Aussagen muss man sich dann auch messen lassen.

Wenn man das Bandzusammenwachstum kurz auf dem Bildschirm ruft, so dürfen da doch leichte Zweifel aufkeimen, denn die Kesselwemserstory ist doch in der letzten Zeit etwas verwirrend. Zuerst macht sich im Sommer 2013 aus familiären Gründen Brent Smedley aus dem Staub, Raphael Saini übernimmt den Hocker und zockt dann das Album ein, im mitgelieferten Promoschreiben aber wird Jon Dette aufgeführt, der auch wohl bei den Liveshows dabei sein wird. Und wenn man dann noch bedenkt, dass auch die Besetzung am Bass durch Luke Appleton eine Runderneuerung erfahren hat, dann kommt da eher die „Plumpssack“-Geschichte bei einem Wirtschaftsunternehmen in den Sinn.

Auf die Musik hat das dann alles nur bedingt Auswirkungen, denn hier hält Jon Schaffer gleich beide Flossen drüber, der dann natürlich nicht nur den Großteil der Kompositionen beisteuerte, sondern sich auch für die Produktion verantwortlich zeigte. Lediglich Stu Block, der jetzt schon auf dem zweiten Scheibchen hintereinander zu hören ist, durfte mehr Lyrics als üblich (dabei hat er doch schon auf „Dystopia“ viel geschrieben; Anm. d. Red.) beisteuern – eigentlich ein Zeichen dafür, dass er angekommen ist, wie er selbst zu Protokoll gibt. Aber auch ein Zeichen dafür, dass Herr Schaffer doch bei der Auswahl seines Sängers wie schon bei Matt Barlow und Tim „Ripper“ Owens ein mehr als glückliches Händchen bewies.

Zwei Handschriften sind auf dem Album durchweg auszumachen. Zum Einen singt Stu wie entfesselt und lässt es einfach noch ein bisschen souveräner als noch vor drei Jahren krachen, zum anderen hört man natürlich immer und überall Schaffers Riffing heraus. Ein paar richtige Kracher haben Iced Earth anno 2014 am Start: Der Opener und Titeltrack „Plagues Of Babylon“ atmete noch den Geist des Vorgängers „Dystopia“, ist mit den typischen Schaffer-Riffs ausgestattet und gehört ganz sicher als epischer, fett rockender US-Stampfer zu den Highlights des Albums. Wenn man die erste ruhige Minute bei „Cthulhu“ überstanden hat, dann offenbart sich auch hier ein messerscharfes Power-Metal-Geschoss mit feinster Iced-Earth-Stempellage, aggressiv, aber melodisch sind sie dann bei „Among The Living Dead“, kommen schnell auf den Punkt und wirken durch den mehrstimmigen Gesang einfach nur mächtig. Und wenn man gerade denkt „Nanu, das ist doch eine andere Stimme“, dann kommt man fast von allein auf Hansi Kürsch von Blind Guardian, der ja bei einigen Songs vertreten ist.

Die Kehrseite bedeutet aber auch, dass man bei „Democide“ meinen könnte, dass der Track nicht aus dem Quark kommen will, aber dann peitscht er doch die headbangende Meute zu neuen Höchstleistungen an, wohingegen mit „If I Could See You“ dann eine richtige (Halb-)Ballade kommt, angefüttert mit sehnsuchtsvollem, leicht gepeinigtem Gesang inklusive einer treibenden Tempoverschärfung, die aber das „Melancholy“-Intensitätsniveau nicht erreicht. „The End?“ setzt auch auf einen deutlich balladeskeren Start, bietet eine sehr starke Stu-Gesangsleistung, auch hier bricht ein fettes Riffgewitter über den Fan herein, wobei das Drumming einfache eine Spur progressiver wirkt, aber trotzdem schön songdienlich eine Stütze bietet. Ganz im Gegensatz dazu wird „The Culling“ einfach nur fies zugeballert, die Drums lassen den feingliedrigen Gesangslinien kaum Luft zum Atmen.

Zum Schluss verlassen Iced Earth auch ein wenig ihren sonstigen Power-Metal-Rahmen. „Parasite“ lässt natürlich weiterhin die fett klingenden Gitarren nicht missen, aber manchmal könnte man meinen, dass hier auch ein bisschen Southern Rock mitmischen will. Die Cover-Version „Highwayman“ mutiert zur coolen Nummer, Hansi Kürsch, Russel Allen (Symphony X, Adrenaline Mob), Michael Poulsen (Volbeat) und natürlich auch Stu Block übernehmen jeweils eine ganze Strophe, allerdings hätte der Track einfach ein bisschen mehr Punch vertragen. Und auch hier tummelt sich die Southern-Rock-Gitarre ständig im Hintergrund.

Na, wenn das mal keine Steigerung zum letzen Album „Dystopia“ ist. Natürlich gibt es auch hier das typische Riffing aus Schaffers Handgelenk, natürlich kann auch Stu mehrmals glänzen, wobei er unterm Strich einen Tacken variabler, irgendwie befreiter auftrumpft, dazu kommt dann noch die erdige Produktion, die dem ganzen „Plagues Of Babylon“-Werk einfach eine authentische Note verpasst. Auch wenn Iced Earth nun schon 25 Jahre dabei sind und durch die Personalwechsel ganz sicher nicht mehr den Spirit des klassischen Bandzusammenhalts in sich tragen, so kann man schon früh im Jahr die Penunsen gerne hergeben.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann