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Iced Earth: Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)

Viele starke Songs, kein (zumindest so offensichtlicher) Patriotismus
Wertung: 8.5/10
Genre: US Power Metal
Spielzeit: 69:5
Release: 07.09.2007
Label: Steamhammer/SPV

Vielen von euch dürfte der Titel des neuen, heiß ersehnten Iced Earth – Albums „Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)" bekannt vorkommen. Und das soll auch so sein, schließlich knüpft Mastermind Jon Schaffer thematisch mit seinem neusten Streich an die finale Trilogie des Erfolgsalbums „Something Wicked This Way Comes“ aus dem Jahre 1998 an, was die Erwartungen an den ersten Teil des heutigen, zweiteiligen „Something Wicked“ – Konzepts nicht gerade niedrig halten dürfte. Doch während der knapp neun Jahren, die zwischen „Something Wicked This Way Comes“ und „Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)“ liegen, hat sich im Iced Earth – Lager viel getan. Allen voran natürlich der Wechsel von Matt Barlow zu Tim „Ripper“ Owens am Mikrofon, den viele Fans der US - Power Metaller immer noch nicht akzeptiert haben. Ich habe an dieser Stelle ehrlich gesagt gar keine Lust auf diese immer noch rege Diskussion groß einzugehen, denn für mich lässt sich rein objektiv nicht ansatzweise festmachen, wer von beiden nun der bessere Sänger sein soll. Mir ist das auch ziemlich egal, da beide ihren ganz eigenen Stil haben, unverkennbar klingen und stimmlich unheimlich viel auf dem Kasten haben. Doch die Unterschiede zwischen beiden sind dermaßen markant, dass Vergleiche nur wenig Sinn machen. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen!

Was mich bei „Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)“ besonders freut, ist der Aufwärtstrend, der bei Iced Earth immer noch anhält. Nach der ziemlich schwachen „Horror Show“ (für mich gibt es kein zweites Iced Earth – Album, das so wenige gute Songs besitzt) konnte die Band mit „The Glorious Burden“ wieder einen Schritt nach vorne unternehmen. Auch wenn „The Glorious Burden“ nicht der absolute Oberhammer war, so steigerte man sich – auch auf Grund der fantastischen „Gettysburg“ - Trilogie – merklich, wobei der fragwürdige ideologische Hintergrund des Albums seine wohl größte Schwäche darstellt. Aber dieser gehört auf „Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)“ der Vergangenheit an, schließlich widmet sich Jon Schaffer wieder ausschließlich seinen Fantasy – Lyrics. Aber auch das Songwriting hat sich auf die gesamte Platte gesehen wieder intensiviert, wenngleich Iced Earth insgesamt noch nicht ganz beim „The Dark Saga“ oder „Something Wicked This Way Comes“ - Niveau angekommen sind.

Einen richtig guten Einstieg in das Album bietet die „Overture“, in der Trommeln und Streicher den Takt angeben und eine sehr spannende Atmosphäre erzeugen. Dann beginnt der erste Song des Albums „Something Wicked Pt. 1“ mit seinen nackenbrecherischen „Schaffer – Riffs“ und seinem eingängigen Refrain, die den Iced Earth – Anhänger wohl in den siebten Himmel katapultieren werden. Tim Owens zeigt hier ebenfalls eine sensationelle Performance und dürfte Kritikern mal wieder die Leviten lesen. Dann folgen mit „Invasion“ und „Motivation Of Man“ gleich zwei von mehreren Interludien. Doch leider ist dies auch die deutliche Schwachstelle des Albums, denn meiner Meinung nach hätten es nicht derartig viele Zwischenspiele geben müssen, die mal aus Geräuschen und mal aus sehr kurzen Songs bestehen. Dies macht vielleicht im Kontext der Platte Sinn, doch ich finde, dass die „echten“ Songs der Platte dadurch zu weit voneinander getrennt werden, was den Eindruck leicht verzerrt.

Der nächste „echte“ Song ist das bärenstarke „Setian Massacre“, das einigen von euch ja bereits bekannt sein dürfte. Das Markenzeichen des Songs ist sein treibender Rhythmus und der hymnische, fast schon epische Refrain. „Setian Massacre“ steht für alles, was die heutigen Iced Earth ausmacht und dürfte so besonders Fans der „The Glorious Burden“ - Gassenhauer erfreuen. Noch einen Hauch stärker finde ich das ruhigere „A Charge To Keep“, bei dem Tim Owens einen unfassbar starken Eindruck hinterlässt und Matt Barlow für mich wirklich vollkommen vergessen macht. Viele ehemalige Fans der Band kritisieren, dass Tim Owens ihnen zu kalt und zu emotionslos singt, doch spätestens nach dieser eindringlichen Performance, sind diese Kritikpunkte unhaltbar. Gleiches gilt für das nächste, sehr schöne Interludium „Reflections“.

Zu dem bereits ausgekoppelten „Ten Thousand Strong“ konntet ihr in der Rezension des Kollegen Verwold ja schon einiges lesen, weshalb ich mich kurz fasse. „Ten Thousand Strong“ ist mit seinem Hymnen – Charakter und den kraftvollen Gitarren wohl der „Über - Hit“ des Albums. „Order Of The Rose“ kann da nicht wirklich mithalten, denn abgesehen vom guten Refrain ist der schleppende Song leider ziemlich unspektakulär. Ganz im Gegensatz zum über neunminütigen „The Clouding“, dessen erste Hälfte eine wunderschöne Ballade abgibt, bis die Band anschließend ein extrem starkes Riffing begleitet von Glockenschlägen auf den Hörer loslässt. Derartig aggressiv geht es direkt mit dem ordentlichen „Infiltrate and Assimilate“ weiter, wenngleich die Band dort im Refrain doch deutlich an Härte verliert. Tim Owens' Gesang klingt übrigens in den Strophen sehr nach seinen Judas Priest – Zeiten, was mir persönlich aber auch sehr gut gefällt. Mit einer herrlichen Lead – Gitarre wird dann „Retribution Through The Ages“ eröffnet, bis ein sehr martialisches Schaffer – Riff am Horizont aufbricht und diese Melodie unterbricht. Der Songaufbau ist sehr durchdacht und so steigert sich „Retribution Through The Ages“ ständig. Höhepunkte sind das tolle Gitarrensolo und der großartige Chorus, der in ähnlichen Dimensionen wie der von „Ten Thousand Strong“ spielt.

Das Eingangsriff zu „The Domino Decree“ ist wohl der Schocker des Albums, denn ein merkwürdiges Hard Rock – Intro mit Quietsche – Keyboard erwartet man auf einem Iced Earth – Werk doch eher nicht. Die Keyboards bleiben dann zum Glück auch bald wieder größtenteils im Hintergrund (verschwinden allerdings nie so ganz und brechen nochmals in einem kleinen Solo aus) und werden von typischeren Klängen überschattet. Generell gehört „The Domino Decree“ zu den Songs des Albums, die einige Anläufe brauchen um zu zünden. Der Titelsong des Albums zeigt im Anschluss wieder Iced Earth in Reinkultur und knallt mächtig. Das knatternde Gitarrenriff zündet von der ersten Sekunde an und Tim Owens klingt im tollen Refrain sehr garstig und fauchend. Ein besonderes Schmuckstück haben sich Iced Earth mit „When Star Collide (Born Is He)“ für das Finale von „Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)“ vorbehalten, das von eingängigen Chören und pumpenden Gitarren getragen wird und ein ziemliches Fantasy – Flair erzeugt. Die kurz unterbrechenden Trommeln lassen ganz kurz „Gettyburg“ - Momente durchschimmern und spätestens dann weiß man, dass „When Stars Collide (Born Is He)“ wohl zu den besten Songs der Band seit „Something Wicked This Way Comes“ zu zählen ist. Die Chöre bleiben uns dann noch im Outro „The Awakening“ erhalten, das eine Brücke zum nächsten Teil der „Something Wicked“ – Saga schlägt.

Fazit: Auch wenn Iced Earth mit „Framing Armageddon (Something Wicked Part 1) vielleicht noch nicht ganz da angekommen sind, wo sie Ende der 90'er standen, so ist dieses Album doch auch die stärkste Studioveröffentlichung der Band seit dieser Zeit. Viele starke Songs, kein (zumindest so offensichtlicher) Patriotismus, Tim Owens mit einer sensationellen Leistung, ein druckvoller Sound und ein neuer Teil der „Something Wicked“ Reihe. Oh, Iced Earth – Fan was willst du mehr? Ich hoffe, dass dies auch diejenigen erkennen, die Iced Earth spätestens mit „The Glorious Burden“ den Rücken zugewandt haben, denn diese sollten erneute Annäherungsversuche unbedingt unternehmen. Was allerdings etwas negativ auffällt sind die vielen Zwischenstücke, die meiner Meinung nach bis auf wenige Ausnahmen nicht wirklich spektakulär sind und gerne in einer reduzierteren Form hätten auftreten können.

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