Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Hyubris: Hyubris

Gothic Folk Metal aus Portugal
Wertung: 7/10
Genre: Gothic Folk Metal
Spielzeit: 56:9
Release: 02.12.2005
Label: Recital Records

Eine geballte Ladung portugiesischer Gothic/Folk Metal haben Hyubris mit dem selbstbetitelten Album abgeliefert. Das Ganze wird noch etwas exotischer durch die vornehmlich verwendeten portugiesischen Vocals. Aber eine Warnung muss ich direkt vorwegschicken: Wer mit hohem Frauengesang im Metal nichts anfangen kann, sollte hier einen großen Bogen um den Silberling machen. Aber auch diejenigen, welche so was normaler weise mögen, werden hier auf die Probe gestellt.

Der längste Song des Albums eröffnet es auch: „Hyubris“. Direkt nach der kurzen Einleitung lässt Filipa ihre in diesen Tonlagen tolle Stimme ertönen. Eine schöne Melodie wird hier durch die Lautsprecher gejagt. Die klassische Ausbildung der Frontkehle wird deutlich. Das sie es aber nicht nur bei der klassischen Ausrichtung belässt, zeigen die ersten Strophen. Tolle einfühlsame, liebliche Stimmung macht sich in der Herzgegend breit. Im Hintergrund ertönt zeitweise eine verträumte Flöte und auch die sehr melodischen Gitarrenparts wissen zu begeistern. Leider bin ich des Muttersprache der Band nicht mächtig und muss mich hier auf die reine musikalische Aussage des Songs verlassen und die ist sehr angenehm.

„Fadas“ beginnt erstmal ein wenig rockiger, was dann aber zeitweise durch die tolle Flötenmelodie, die hier immer wieder mal in den Vordergrund rückt, variiert wird. Gelungene Arrangements lassen den Song zu etwas Besonderem werden. Ungewöhnlich, aber mit dem gewissen Flair ausgestattet. Ich muss zwar zugeben, dass ich mich auch ein wenig an den Gesang gewöhnen musste, aber nach der ersten Eingewöhnung möchte man ihn bei den Liedern nicht so schnell missen.

„Terpsicore“ rockt deutlich forscher voran. Die Keyboards (João David) klingen nie aufdringlich, geraten aber auch nicht wirklich sehr aufregend, sie dienen eher im Hintergrund für den ausfüllenden Soundteppich. Guter Song, aber leider bei weitem nicht so stark wie die beiden Opener.

„Segnis“ beginnt mit hämmernden Drums von Lulla und sehr schönen, fast mit einem ganz kleinen arabischen Touch versehenen Vocals, die sich dann aber zum Höhepunkt in eher unerfreuliche Höhen ausweiten. Die Melodie ist toll und der hier stellenweise stark ausgeprägte Mittelaltercharakter sorgt eigentlich für gute Laune, nur leider zerstören die extrem hohen Vocalsoli sehr viel des Songs, so dass das Toleranzspektrum leicht überschritten wird.

„Rose On My Grave“ gerät dann zu einem leicht beschwingten Rocksong mit viel guten Melodien. Sehr schön, was da gerade auch Jorge Cardoso an der Gitarre entworfen hat und fast schon im Hintergrund präsentiert. Schöner, positiver Song mit leichtem Ohrwurmcharakter.

„Andromedae“ ist ein echt tolles Folk Metal Stück, welches durch die geschickt auf die Flöte abgestimmte musikalische Ausrichtung auch komplett ohne Gesang auskommt. Toll, welchen Sinn für Melodien die Band entwickelt hat.

„Canção De Embalar” gerät da deutlich heavier und wird durch Filipa`s Vocals wieder aufgewertet, auch wenn sie hier immer wieder kurz in höchste Töne verfällt. Wie schon bei „Segnis“, wenn auch nicht ganz so stark, wird man hier fast schon ein wenig durch Filipa´s Stimme gequält. Schade, dass die Frau derart ihr ganzes Stimmvolumen in den hohen Tönen zeigen will. Nun ja, die Gläser sind zumindest nicht zersprungen, während der Song läuft.

Irgendwie scheint aber etwas mit dem Booklet nicht zu stimmen, denn der achte Song „Persifeur“ wird als Instrumental angepriesen, was dann aber nicht stimmt. Entweder wurden hier Songs vertauscht oder man hat es vergessen, anzugeben. Mein Defizit beim Portugiesischen verwehrt mir die Chance auf eine eigene Antwortfindung bei diesem Folksong.

„Mulher Do Rio“ gleitet dann sanft im altertümlichen Gewand und mit der tollen Stimme durch das Trommelfell und verleitet zum Träumen. Das Keyboard mit seinen leichten Spinett Ähnlichkeiten bereitet hier den gelungenen, aber doch ein wenig billig wirkenden musikalischen Hintergrund, welcher im Verlauf dann auch noch mit einem Chor als Sahnehäubchen verziert wird.

„Beanshee“ weist ein stärkeres Riffing auf, das natürlich eine eher heavy Ausrichtung an den Tag fördert. Dies wird dann aber immer wieder durch andere Parts abgelöst. Der leicht orchestrale, eher kontraproduktive Part mit gegenläufiger Musik kann da eigentlich nicht wirklich punkten.

Der vorletzte Song „Terra Prometida“ wirkt mit seiner fast symphonisch progressiven Einleitung recht befremdlich auf diesem Debut. Schönerweise fängt sich die Band aber und beschreitet den melodisch metallenen Weg, den man erahnt hat. Insgesamt aber einer der schwächsten Songs des Albums.

Den Abschluss bildet dann das „Autro“, wie es wohl in der Landessprache der Band geschrieben wird. Ein emuliertes Klavier eröffnet den Reigen, bevor Jorge Cardoisso`s Gitarre die Vorherschafft übernimmt. Toller Ausstand für das gelungene Album. Danach wird es still... und nach einer halben Minute ertönen dann Dudelsäcke! Sozusagen als Überraschung wird dann nochmal mit „Zoi-Mou“ ein kurzes Instrumental rausgehauen, das sehr gut ist. Lediglich die etwas dröge klingenden Trommeln werten den Song geringfügig ab.

Fazit: Ein stellenweise richtig tolles Debut der Portugiesen. Extravagant und ein wenig exotisch kommt die mehr als talentierte Gruppe rüber. Wenn man nun noch Filipa beibringen würde, ihre Stimme ein wenig mehr zu schonen und die ganz hohen Töne zu meiden, dann wäre hier ein noch höheres Votum selbstverständlich gewesen. Man darf sich sicher schon auf die nächste Scheibe freuen und auf die Weiterentwicklung gespannt sein.

comments powered by Disqus

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen