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Hyrax: Over The Edge

Alternativer Pop-Rock aus Nürnberg
Wertung: 7/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 42:37
Release: 04.10.2013
Label: Recent Records

Mit „Over The Edge“ meldet sich eine Band aus dem Frankenland auf dem Debütmarkt an. Die Rede ist von Hyrax, die noch vor wenigen Wochen zusammen mit J.B.O. auf Tour waren und u.a. in Bochum – wie in unserem Bericht zur Show zu lesen – einen Supportauftakt nach Maß ablieferten. Natürlich, wenn man seinen Hintern selbst in einen Kahn mit J.B.O. platziert, so werden die Spötter in der Rock- und Metalgemeinde nicht weit entfernt sein. Musikalisch haben sie mit den expliziten Lyrik-Vertretern aber nicht viel gemein, außer dass auch Hyrax Spaß transportieren wollen: „Musik ist in erster Linie ein Ausdruck von Spaß und Lebensenergie“.

Nun, für das Debüt hatten sie ja auch genug Zeit, um sich darauf vorzubereiten. Die Personalwechsel halten sich in Grenzen, darüber hinaus haben sie mit den EPs „Trouble In The Maiden’s Quarter“, „Yes Offense!“ und „Tasting Pain“ schon drei erste Testbatzen auf die Szene losgelassen. Zwei Tracks von ehemaligen Veröffentlichungen findet man nun auch auf dem Debüt wieder, die weiteren neun Songs sind frisch komponiert, wobei schon beim ersten Durchlauf eines mehr als deutlich wird: Hyrax setzen auf Abwechslung, nicht nach klassischer crossoverscher Art, aber die Nürnberger bedienen schon ein weites Feld an moderner Rockintensität.

Der erste Blick gehört dabei natürlich den schon vormals veröffentlichten Tracks. „I Never Thought“, Rausschmeißer auf dem Debüt, befand sich also schon den EPs von 2010 und 2012, ein tanzbarer, mit derben Vocals angereicherter Song mit modernen Beats, der auch vor elektronischen „Verfeinerungen“ nicht zurückschreckt – durchwachsen vielleicht. Zweiter im Bunde ist dann „Soaking“, der sich bereits auf dem 2010er Output tummelte. Hier wird die dann deutlich poppigere Ader im hyraxschen Sound deutlich, denn Gesang und Refrain triefen vor lauter zuckergüsslicher Süßlichkeit, auch hier sorgen einige moderne elektronische Spielereien für ein Hochziehen der Augenbraue.

Und diese befindet sich eh schon oben, denn mit der Aussage „Pop für Nicht-Schwangere“ ist ja auch schon ein erstes „Obacht“-Feintuning ausgelöst worden. So richtig poppig gehen sie in „Your Company“ zu Werke – da gehören nicht nur extrem catchy Vocals dazu, sondern auch hier pinseln elektronische Versatzstücke wie eigentlich über die komplette Spielzeit hinweg zahlreiche Details ins Konzept. Damit „Your Company“ nicht im Popsumpf untergeht, bauen sie geschickt schon fast an Growls erinnernde Derbvocals ein, und auch die Gitarre schreitet zwischendurch etwas heftiger voran, was man mit „noch eben die Kurve bekommen“ bezeichnen kann.

Denkt man bei den ersten Takten zu „Desire“ vielleicht noch an Black Stone Cherry, so wird das Ganze dann zugunsten von Disturbed geopfert, „Tasting Pain“ – so ja auch der Titel der letzten EP von 2010 – ist dagegen noch eine Ecke moderner aufgestellt und schielt Richtung Korn und auch das vom Beat her sehr modern aufgestellte „Constant Swelling“ pendelt ganz gerne zwischen derben Parts und süßlichem Pop-Pathos – gelungen auch der auflockernde, eher von Tenecious D zu erwartende P-P-P-P-Part.

Fans tanzbarer Mucke, die auf eine gewisse Grundhärte nicht verzichten, die aber teilweise sehr poppigen Arrangements etwas abgewinnen können und zusätzlich nicht bei jedem derben Gesangsansatz ängstlich zurückschrecken, Fans, die auf den Suche nach dem nächsten großen, massenkompatiblen Ding sind, die haben mit „Over The Edge“ ein passendes Zeitdokument in der Hand. Ganz schön ausgefuchst, was die Nürnberger Hyrax auf ihrem Debüt vorweisen, doch hier beim Rezensenten schleicht sich auch immer wieder ein Gedanke ein: Hier ist mehr Kopf als Herz bei der Produktion dabei gewesen, denn so manches Mal drängt sich einfach der Eindruck auf, dass man einfach ein stückweit zu sehr darauf geachtet hat, was gut ankommen könnte – ein konstruierter Eindruck halt. Mal sehen, vielleicht kann man die Bedenken in einem Interview ausräumen, bis dahin sind Hyrax aber mit sieben Punkten nicht nur aufgrund der famosen Produktion gut bedient.

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