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Hypocrisy: A Taste Of Extreme Divinity

Das beste Hypocrisy-Album seit zehn Jahren
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 50:05
Release: 23.10.2009
Label: Nuclear Blast

Vier Jahre haben sich Hypocrisy Zeit gelassen, um uns den „Virus“-Nachfolger zu spendieren. Vier Jahre, in denen Bandkopf Peter Tägtgren als bekennender Workaholic natürlich nicht untätig war. Die „Virus“-Tour war sehr lang, zwei neue Pain-Alben erschienen, selbige Band war mehrfach mit Nightwish unterwegs und dann gibt es da noch das Abyss Studio. Ehrensache, dass auch „A Taste Of Extreme Divinity“ vom Mastermind persönlich produziert wurde. Ebenso Ehrensache ist natürlich, dass Tägtgren wieder Unterstützung von Mikael Hedlund (Bass) und Horgh (Drums) erhält.

„A Taste Of Extreme Divinity“ bietet all das, was man sich als Fan wünschen kann. Garstiges Death Metal-Gehämmer und die schleppenden Hymnen, die wohl keine andere Band so schreiben kann. Experimente wie seinerzeit bei „Catch 22“ (2002) (welches letztes Jahr neu eingespielt als „Catch 22(V2.0.8.)" wiederveröffentlicht wurde) sind schon lange nicht mehr an der Tagesordnung. „Valley Of The Damned“ geht direkt nach vorne los und ist, für Bandverhältnisse, ziemlich schnell ausgefallen. Dazu kommen diese unglaublichen Melodien, die wahrlich einzigartig sind. Ich weiß, ich wiederhole mich.

Das vorab veröffentlichte „Hang Him High“ ist der erste Hit der Platte und ist prädestiniert dazu, live mächtig abzuräumen. Tägtgren, der angeblich „nur ein paar Stunden wöchentlich“ übt, baut immer wieder nette Kleinigkeiten in sein Gitarrenspiel ein und hat sich dazu einen extrem eingängigen Chorus aus dem Ärmel geschüttelt. Da kann man die nächsten Konzerte der Schweden doch schon fast nicht erwarten. „Solar Empires“ ist ähnlich aufgebaut, sprich: melodischer Mid Tempo Death Metal, der direkt ins Ohr geht. Leider diesmal ohne dass etwas hängen bleibt.

„Weed Out The Weak“ ist gemäß seines Titels einer der schnellsten Songs des Albums und klingt zuweilen richtig garstig. Das liegt auch daran, dass man auf dem gesamten Album auf Keyboards verzichtet hat. Stattdessen lässt man Horgh ein wenig von der Kette, der sich beim Einspielen von „A Taste Of Extreme Divinity“ aber bestimmt nicht überfordert gefühlt haben dürfte. Das war bei einer Band wie Hypocrisy auch nicht zu erwarten, die schon seit jeher etwas langsamer zu Werke gehen. „Weed Out The Weak“ ist da schon das höchste beziehungsweise das schnellste der Gefühle. Solange so eine hohe Qualität dabei herauskommt, wollen wir uns natürlich nicht beschweren.

„No Tomorrow“ fällt ein wenig aus dem Rahmen und erinnert an die „Hypocrisy“-Phase (1999), nur ohne Keyboards. Hier setzt „Pedaa“ (wie er in Deutschland immer gerufen wird) nur auf seinen Kreischgesang, während er auf dem Rest des Albums häufig auch endlich mal wieder ein paar Oktaven tiefer geht, was mir persönlich noch ein wenig besser gefällt. So bleibt der Gesang abwechslungsreich, was besonders bei „Global Domination“ super funktioniert. Hier haben wir es nämlich mit einem glasklaren Highlight in der Tradition von „Roswell '47“ und „Fire In The Sky“ zu tun. Nach dem „nur“ guten „Virus“-Album hauen Peter und seine Mannen anno 2009 die Gänsehautmelodien am Stück raus.

Danach ist erstmal wieder Schluss mit lustig, denn „Taste The Extreme Divinity“ und „Alive“ gehen stilistisch sogar bis zu den „Penetralia“- (1992) und „Osculum Obscenum“-Alben (1993) zurück. Der Beinahe-Titeltrack lässt Horgh so aufspielen, wie er es sonst nur bei Immortal tut, während „Alive“ die Vorliebe Tägtgrens für Thrash der alten Schule der Marke Destruction offenkundig macht.

Als Kontrastprogramm dient „The Quest“, das mit leichten Doom Metal-Einflüssen zu begeistern weiß. Abermals spannt die Band den Bogen zu ihrem damaligen Comeback-Album „Hypocrisy“. Auch wenn man den Hypocrisy-Stil immer heraushört, ist auch dieses Lied keine bloße Selbstkopie. „Tamed-Filled With Fear“ klingt als eine der wenigen Ausnahmen relativ durchschnittlich, was vom aggressiven „Sky Is Falling Down“ aber mehr als wett gemacht wird.

Eins vorab: Das Digipack enthält noch einen Bonustrack namens „The Sinner“, der mir aber leider nicht vorliegt. Macht aber nichts, denn „A Taste Of Extreme Diviniy“ ist auch so schon stark genug. Was macht dieses Album also besser, als die letzten beiden Alben „Virus“ und „The Arrival“, die ja auch schon recht traditionell ausgefallen waren? Es ist schwer zu beschreiben, denn „The Arrival“ wartete tatsächlich mit einer ähnlich hohen Hitdichte auf wie dieses Album. Es liegt wohl einfach am hörbaren Enthusiasmus, mit dem zu Werke gegangen wird, da Peter Tägtgren nach den erfolgreichen Alben und Touren mit Pain wohl einfach wieder richtig Lust auf Hypocrisy hatte. „Ist 'A Taste Of Extreme Divinity' nicht ein typisches Auf-Nummer-Sicher-gehen-Album?“, werden sich einige fragen. Es ist das, was man erwarten kann, ja, aber eben auch ein verflucht starkes Stück Melodic Death. Ich wage sogar zu behaupten, dass seit dem (stilistisch in eine andere Richtung gehenden) „Hypocrisy“-Album des Gesamtniveau nicht mehr so hoch war.

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