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Hypno5e: Shores Of The Abstract Line

Ein Gesamtkunstwerk
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal, Ambient Metal, Experimental
Spielzeit: 61:26
Release: 19.02.2016
Label: Pelagic Records

Vier Jahre ist es bereits her, dass die Franzosen Hypno5e auf der Tour zur „Acid Mist Tomorrow“-Veröffentlichung ausgerechnet im 7er Club Mannheim Halt machten und dort mit dem Lokalmatadoren Gloomball aufspielten. Die Platte zum Konzert konnte mit einer Mischung aus Progressive Metal, Ambient und Black Metal acht Punkte einfahren und beeindruckte mit epischen Arrangements ebenso wie die Liveshow der Herren, die damals leider nur von einer Handvoll Auserwählten gesehen wurde.

Mit „Shores Of The Abstract Line“ ist mittlerweile ein neues Album draußen, das mit „Central Shore: Tio“ sogar einen spanischen Track beinhaltet. Wem der Titel komisch vorkommt, dem sei erklärt, dass die Franzosen die acht Songs auf dem neuen Album in verschiedene Bereiche aufgeteilt haben: East, West, Central, North und South Shore werden abgedeckt, musikalisch wird wieder einiges an progressiven und experimentellen Elementen geboten, und auch das CD-Cover lässt sich schwer beschreiben, aber umso länger betrachten. Für Sammler bietet sich also vor allem die Zwei-LP-Variante des mittlerweile dritten Hypno5e-Albums an – das Auge hört ja bekanntlich mit.

Knapp über eine Stunde Laufzeit verspricht einiges an Spannung, Spiel und Prog, da wird mit „East Shore: Landscape In The Mist“ auch direkt ein kurzes Intro eingespielt, das mit perlendem Klavierspiel und eingespielten Sprachsamples den Titel ziemlich passend in ein akustisches Gewand kleidet. Bereits das folgende „East Shore: In Our Deaf Lands“ schlägt mit fast 13 Minuten zu Buche – auch hier dominieren streckenweise wieder Sprachsamples in französischer Sprache, dazwischen darf sich Gitarrist und Sänger Emmanuel Jessua mal mit Growls, mal klarem, recht hohen Gesang austoben, immer unterstützt von Basser Gredin, wobei der Schreiberin natürlich die Growls besonders gefallen; das verrückte Genie, das der Fronter zu sein scheint, kommt hier einfach am besten rüber.

Doomig geht die Welt in „West Shore: Where We Lost The Ones” zugrunde und lässt sich dafür gut über zehn Minuten Zeit – Hypno5e vollbringen dabei das Kunststück, den Hörer nicht eine Sekunde zu langweilen, sondern immer wieder mit Tempowechseln oder unterschiedlichen Vocals den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Die eingangs erwähnte Sprachausnahme „Central Shore: Tio“ überzeugt ebenso auf ganzer Linie mit Akustikgitarre und klarem Gesang, dabei bleibt der typisch melancholische Unterton bestehen, den die französische Truppe immer wieder in den Vordergrund schiebt.

„North Shore: Sea Made Of Crosses“ begeistert dann nach eingangs recht ruhigem Gesang mit gedoppelten Vocals, wobei die Schreie ein wenig im Hintergrund gehalten sind – ein perfektes Arrangement, wenn es je eines gegeben hat. Im Verlauf zieht Drummer Théo das Tempo ein bisschen an, die Aggressionen schrauben sich höher und der Track explodiert in einem Schrei, bevor sich eine einsame Gitarre aus den Trümmern erhebt und den Song wieder auferstehen lässt wie den Phönix aus der Asche. Zum guten Schluss zitieren die Franzosen in „South Shore: Blind Man’s Eye“ noch ganz nebenbei Charles Bukowski, dem die wilde Fahrt auf „Shores Of Abstract Line“ sicherlich auch hätte gefallen können. Der Track ballert nochmal richtig schön drauflos, nur scheinbar widerwillig bremst die Truppe zwischendurch ein bisschen ab, schließlich kann man kaum 15 Minuten (!) am Stück das Gaspedal durchtreten. Mit kreischenden, dissonanten Gitarren, Geschrei und komplexen Drum-Fills wird da dennoch auf der ganzen Länge einiges geboten – auch hier nochmal das Prädikat „episch“, zu kaum einer Band scheint es besser zu passen als zu Hypno5e.

Seit der Releaseshow vor vier Jahren hat sich die Truppe dankenswerterweise kaum verändert; höchstens sind die Songs noch komplexer, noch wahnsinniger geworden, sprechen noch mehr Emotionen an und entwickeln sich so nach kurzer Zeit zu einer wahren Achterbahnfahrt. Da muss man die eingespielten Samples nicht mal unbedingt verstehen, zumal die eigentlichen Songtexte größtenteils auf Englisch vorgetragen werden. „Shores Of The Abstract Line“ ist tatsächlich ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Artwork und wird sicherlich live durch visuelle Aspekte angereichert. Winzigkeiten müssen abgezogen werden für die zum Teil doch sehr dominanten Sprachsamples, die stellenweise den Fluss doch stören, wo sie ihn an anderer Stelle bereichern – im Vergleich zum Vorgängeralbum haben Hypno5e hier aber noch mal eine ganze Schippe Talent mit auf die Waagschale geworfen.

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