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Hypno5e: Acid Mist Tomorrow

Live eine Wucht und auch auf CD beeindruckend
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal, Ambient Black Metal, Experimental
Spielzeit: 54:10
Release: 24.02.2012
Label: Klonosphere/Season Of Mist

Die Herren von Hypno5e waren der Schreiberin dieser Zeilen vollkommen unbekannt, bis sich das Schicksal zu Wort meldete: Mitte März stolperte man eher zufällig in die CD-Release-Party der Franzosen, die in den zugegebenermaßen nicht besonders heimeligen Untiefen des 7er Clubs in Mannheim stattfand. Keine zwei Wochen später hatte man sich eben jene Platte, „Acid Mist Tomorrow“ mit Namen, als Promo unter der Nagel gerissen. Live hatten die Franzosen den Überraschungseffekt auf ihrer Seite und ein wahres Gitarrenfeuerwerk abgeliefert, da musste man sich natürlich höchstselbst davon überzeugen, wie die Truppe sich auf Polykarbonat gepresst so anhört.

Nach zwei EPs und dem 2007er Debüt „Des Deux l’Une Est l’Autre“ war es auch mal an der Zeit, mit neuem Material ums Eck zu kommen, schließlich warten selbst die treuesten Fans heutzutage nicht ewig auf Neuveröffentlichungen. Komplexe Strukturen gibt es auf „Acid Mist Tomorrow“, ebenso wie ausufernde Gitarrensoli, gequälte Schreie, Spoken-Word-Passagen und atmosphärische Zwischensequenzen – alles verpackt in knapp 54 Minuten Spielzeit und neun Songs. Und im Gegensatz zur Liveshow, die einen von der ersten Sekunde an gefesselt hat, muss man sich in das Album selbst erstmal rein hören und das kann in diesem Fall durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen. Zum Zwischendurch-Hören ist „Acid Mist Tomorrow“ also rein gar nicht geeignet, aber das war eigentlich schon vorn vornerein klar.

Der in Montpellier ansässige Vierer schmeichelt sich beim besten Willen nicht gerade in die Ohren argloser Hörer: Ein wahres Klangchaos erwartet einen auf den neun Tracks, wobei Hypno5e es durchaus verstehen, den Hörer mit instrumentalen oder aus Spoken Words bestehenden Zwischenstücken in Sicherheit zu wiegen, nur um ihm dann wieder voll in die Fresse zu treten. Und dabei benötigen die Franzosen nicht mal derbes Geballer und fiese Breakdowns, vielmehr wirkt die Kombination zwischen Emmanuels hysterischem Geschrei, fragilen Gitarrenspuren und den kristallklar und punktgenau gespielten Snares fast schon hypnotisch – da passt dann der Bandname auch wieder wie Arsch auf Eimer.

Zusätzlich zu psychedelischem Metal haben die Herren auch eine Vorliebe für Stücke, die auf mehrere Songs aufgeteilt werden. „Six Fingers In One Hand She Holds The Dawn - Part I & II“, „ Brume Unique Obscurité” ebenso und die Trilogie “Gehenne” sprechen da Bände. Zwischenrein hat man mit dem Titeltrack und „Story Of The Eye“ aber gleich mal noch zwei zehnminütige Knaller geschoben – das muss man der Truppe erstmal nachmachen.

Und selbiger Titeltrack kracht übrigens wie Bombe durch die Lautsprecherboxen, besser kann man eine Platte kaum eröffnen. Allein, wie sich das geniale Mainriff langsam heranschleicht, ist zehn Punkte wert. Ähnlich geil gestaltet sich dann „Story Of The Eye“, bei dem sich Emmanuel und sein Kollege Jonathan an den Gitarren richtig austoben können. Unterbrochen wird das Riffgewitter von perlendem Glockenspiel und ruhigem Gesang, ein perfektes Beispiel dafür, wie abwechslungsreich Hypno5e ihren Sound gestalten.

Das Dreierpaket „Gehenne“, jedes zwischen vier und fünf Minuten lang, pendelt dann in seiner kompletten Spielzeit zwischen den Extremen. Zu Beginn wird man fast umschmeichelt von den Instrumentals, nur um dann von Emmanuels Gebrüll und ohrenbetäubenden Gitarren an die Wand gedrückt zu werden. Einen Höhepunkt bietet dann der extrem an Black Metal angelehnte Einstieg von „Gehenne - Part III“ – übrigens auch live eine absolute Abrissbirne.   

Wie man merkt, sind Hypno5e musikalisch schwer einzuschätzen; die Band muss man erlebt haben, auch wenn nicht jeder Song ein Volltreffer ist. Ab und an liegen die Franzosen bei ihren Tempowechsel ein gutes Stück daneben und wollen einfach zu viel auf einmal – insgesamt ist „Acid Mist Tomorrow“ aber eine starke Platte, die sich irgendwo in der Schnittmenge zwischen Prog Metal, Ambient Black Metal und Experimental im Dreck wälzt.

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