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Hymns Of Sex

Insgesamt eher wenig sexy
keine Wertung
Genre: Electro, Industrial, EBM, Future Pop
Spielzeit: 71:53
Release: 16.07.2010
Label: Machineries Of Joy/Al!ve

Die meisten Compilations, die heutzutage veröffentlicht werden, haben als roten Faden die Zugehörigkeit der versammelten Bands zu einem bestimmten Label (zum Beispiel die „Victory Style“-Reihe von Victory Records), Genre (die „Electrostorm“-Sampler) oder die Vorstellung von Newcomern (wie bei Marius Brinkmanns Heart To The Core-Compilation). Solche Alben werden eher selten unter einem bestimmten außermusikalischen Thema veröffentlicht, aber wenn, dann sollte es schon um etwas von Belang gehen. Sex zum Beispiel. Die Machineries Of Joy widmen der, neben Musik, schönsten Nebensache der Welt gleich ein ganzes Album mit 19 Bands, die sich entweder damit auskennen oder auch nicht, aber doch zumindest so tun als ob. Der Soundtrack zum Sex, sozusagen.

Dass hier ausschließlich Electro-, Synthpop-, Future Pop- und Industrialbands vertreten sind, liegt ja auf der Hand, wenn man weiß, wer sich des Themas angenommen hat – schließlich gehören die Machineries Of Joy zusammen mit Out Of Line zu den Speerspitzen im Electro-Bereich. Unwillkürlich keimt die Frage in mir auf, wie ein Sex-Sampler wohl im Extreme Metalbereich ausfallen würde. Vielleicht mit „Addicted To Vaginal Skin“ von Cannibal Corpse als Opener? Spaßig wäre das allemal, würde sein Ziel aber vermutlich meilenweit verfehlen.

Doch nicht alle Songs auf „Hymns Of Sex“ kann man auch als sexy bezeichnen, denn Stücke wie „Fuck For Future“ von A.D.A.C. 8286 oder Autodafehs „Sex On The Dancefloor“ nehmen sich zwar titelmäßig recht vielversprechend aus, klingen aber eher nach Voyeuren, die sich im Gebüsch versteckt haben. So gesehen passt die Thematik wieder, gruselig sind die Stimmen der beiden Sänger aber nichtsdestotrotz. Und überhaupt: Muss das obligatorische Stöhnen in den Intros und/oder Outros immer von Frauen kommen? Schweigen die Männer einfach charmant und lassen den Damen den Vortritt? Klischees, wohin man hört, aber wer hätte es von einem Album mit diesem Titel auch anders erwartet.

Nichtsdestotrotz sind auf „Hymns Of Sex“ einige gute Bands mit ebensolchen Songs vertreten: Direkt der Opener „What’s Your Porn“ der Norweger Kant Kino gibt uns nicht nur einige lustige Infos zum Thema Pornografie, sondern zeigt sich auch sonst mit harschem Beat sehr tanzbar. Die dänischen Leather Strip legen direkt nach und liefern mit „Invade My Body“ einen Industrial-Knaller ab, der sicher bald in den Clubs auf Dauerrotation stehen wird. Im Folgenden erwartet uns eine recht lange Durststrecke mit eher durchschnittlichen Songs, unter anderem „Sklave“ von Pentagon, die erschreckend nach den alten Songs von Joachim Witt klingen. Auch die Oldschool Union kann keine rechte Abwechslung bringen, obwohl die eingestreuten Samples und der recht schnelle Beat durchaus ansprechend daherkommen; die Stimme macht allerdings jegliche aufkeimende Stimmung wieder zunichte.

Erst bei Plastic Noise Experience hat man wieder das Gefühl, als wüssten die Bands, worum es hier geht; Electro-Beats laden zum ausdauernden Tanzen ein - oder eben zum Beischlaf. Den Vogel schießt dann tatsächlich eine Band mit dem schönen Namen Armageddon Dildos ab, die fröhlich proklamieren „Big tits are boys’ best friends“. Hm. Was soll man dazu noch sagen?

Fazit: Ob die Menschen bei Machineries Of Joy sich die Songs vorher angehört haben, die auf diesem Sampler vertreten sind, wage ich zu bezweifeln. Bis auf einige wenige hervorragende Ausnahmen sind die Stücke nämlich nicht unbedingt aufs Thema bezogen; es sei denn, es reicht, thematisch passende Begriffe in den Songtitel einfließen zu lassen und ein bisschen Gestöhne zu sampeln. Hochkaräter sind tatsächlich sehr wenige dabei, alles andere reicht aber keinesfalls, um den Titel zu rechtfertigen.

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