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Human Zoo: Eyes Of The Stranger

Ecken und Kanten: Fehlanzeige
Wertung: 7/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 53:04
Release: 08.07.2011
Label: Fastball Music

Rockmusik lebt von den Ecken und Kanten, von ein bisschen Unberechenbarkeit, etwas Wildes darf auch gerne eingeflochten werden, doch für das alles stehen die Balinger Human Zoo nicht. Fans waren schon zunehmend von den Frühwerken „Precious Time“ (2006) und „Over The Horizon“ schwer begeistert. Aber warum?

Sicherlich gehört dieses Sextett nicht gerade zu den "08/15-Bands" im deutschen Rockzirkus, versuchen sie doch mittels eines fest eingebauten Saxophons einen Hauch von Eigenständigkeit einzubauen, was dann auch bedingt funktioniert. Vier Jahre haben sich Human Zoo für das so häufig als so wichtig beschriebene dritte Album Zeit genommen und heraus gekommen sind zwölf recht glatt gebügelte Songs, die manchmal mit rockiger Kante daher preschen, die aber genauso oft richtig klebrig aus den Boxenmembranen heraus kriechen und offensichtlich die Konsumenten von langweiligen Radiosendungen befriedigen.

Das Ganze ist dann weniger negativ gemeint, als es sich bisher wohl liest, denn Human Zoo tänzeln mehr auf der rockigen denn auf der balladesken Seite. „The Answer“ ist gleich ein richtiger Rocker und verortet sich allein schon durch das Intro „Amy & Allison’s Memories“ in die Queensryche-Ecke, allerdings mit etwas mehr angezogener Handbremse. Positiv ragt dabei sofort Sänger Thomas Seeburger heraus, der mit angenehmer Stimme und handwerklichem Sangesgeschick erste Akzente setzt, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu schieben. Natürlich kommt beim Opener auch das Saxophon, von Boris Matakovic geblasen, zum Einsatz, und welch Überraschung: Songdienlicher kann man dies sonst schnell in Rockkreisen verpönte Instrument kaum einbinden. Selbst hart gesottene Blasinstrumentverweigerer dürften nur schwer Argumente auf dem Notenseziertisch finden.

Mit „Gimme Your Time“ verlassen Human Zoo keinen Millimeter den bisher eingeschlagenen Rockweg, vielmehr weisen sie ihr Gespür für richtig gute Gesangslinien nach, ohne auch nur allzu eng an den Abgrund zum belanglosen Kitsch zu geraten. Das Saxophon bekommt hier eine längere Solosequenz zugesprochen, doch auch hier fällt es eher positiv denn nervend auf – wann ist mir das beim letzten Mal passiert? Das war Anfang der Neunziger, als die Flodders aus Bottrop auf ihrem Song „No Name“ ein extrem harmonisches Saxophonsolo einbauten – lange ist das her.

Auch „To The Top“ gehört zu den härter rockenden Stücken, wieder die zuckersüßen Backingvocals und eine astreine Gesangsmelodie im Refrain – dieses könnte man gleich genauso für den Titeltrack „Eyes Of The Stranger“, der nichts mit dem genialen Queensryche-Song am Hut hat, geltend machen. Allerdings turnen sie ein wenig vertrackter durch die Partitur, die Keyboards legen einen kaum überhörbaren Soundteppich und auch das Saxophon hat wieder seinen emotionalen Höhepunkt.

Richtig poppig wird es allerdings mit „Everything Changes“ – einfacher Radiorock, wie er immer wieder durch den Äther gejagt wird; da nützt noch nicht einmal das wieder mit tollen Momenten aufwartende Saxophon als Identifikationsgeber. Der Song bleibt austauschbar und wird mit aller Wahrscheinlichkeit deswegen ein richtiger Feger auf Konzerten sein; man male sich nur kurz eine Hundertschaft hochgereckter Mobiltelefone mit Feuerzeugapps aus, dann hat man schnell eine Vorstellung über den Balladenfaktor. Da reiht sich auch „Hold & Care” ein – Popmusik, nicht mehr, nicht weniger, und wer auf die x-te Ballade steht, der wird auch hier sicher Gefallen dran finden. Natürlich wird später doch noch die Gitarre von ihrer Arbeitslosigkeit erlöst, doch weiterhin werden eher Eins-Live-Hörergewohnheiten befriedigt.

Zum Glück rocken Human Zoo kurz vor Schluss mit den beiden fetten Riffmonstern „Want It * Love It * Like It“ und „Welcome To Paradise“ wieder fetter ins Gemächt als die Songtitel eigentlich verraten und heben damit die CD doch wieder aus dem klebrigen Balladensumpf.

Human Zoo haben sich in der Vergangenheit schon in der Herzen der Fans spielen können und „Eyes Of The Stranger“ wird auch von diesem Klientel schnell wieder aufgesogen. Fans von Queensrÿche, Bon Jovi und auch Bonfire werden ehrfurchtsvoll auf Knien für diesen Silberling danken, Metalheads können sich das gute Stück für den nächsten Kuschelabend beiseite stellen und Blasmusikhasser rühren das Ding erst gar nicht an. Human Zoo gehören ganz sicher zu den positiven Aushängeschildern melodischer Rockmusik aus deutschen Landen, aber insgesamt kommt „Eyes Of The Stranger“ einfach viel zu glatt gebügelt daher – Ecken und Kanten: Fehlanzeige. Da bleibt nur zu hoffen, dass sie live ein bisschen mehr das Rockfeeling aktivieren und nicht nur für Schnulzenalarm stehen.

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