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Houston: Relaunch

Kitschiger 80er-Rock zum Schwelgen in alten Zeiten
Wertung: 7/10
Genre: Classic Rock / AOR
Spielzeit: 41:13
Release: 18.11.2011
Label: Spinefarm Records / Universal

Was waren das noch für Zeiten, als Slayer noch das Härteste waren, das die Musik zu bieten hatte. Als Bands wie Journey, Toto oder Foreigner das Rockradio bestimmten, als Kinofilme wie „Top Gun“ nebst Werbung für die US Navy auch ein Freiheits- und Lebensgefühl ausstrahlten, das so einzigartig für die Rockmusik der Achtziger stand. An diese Zeiten wollen uns die Schweden von Houston erinnern und präsentieren mit „Relaunch“ ihr neuestes Album, das im Classic Rock und AOR angesiedelt ist.

Aber was ist eigentlich AOR? AOR bezeichnet im Grunde nichts anderes als Mainstream- bzw. Stadion-Rock. Moderne Vertreter wären mittlerweile Bands wie Nickelback oder auch Stone Sour. Einfache Songstrukturen, einprägsame Melodien und Texte zum Mitsingen waren und sind auch heute noch wichtige Merkmale. Seicht verzerrte und cleane Gitarren sowie melodischer Gesang zählen genauso dazu. Stone Sour mischt da sogar noch Metal bei, um das eigene musikalische Spektrum groß genug zu halten.

Aber kommen wir wieder zurück zum eigentlichen Thema: Houston mit ihrem neuen Album „Relaunch“. Die Stücke strahlen durch die Bank diesen Achtziger-Charme aus und sind innerhalb ihres musikalischen Spektrums recht abwechslungsreich. „Runaway“ startet mit Synthies und Hall im Gesang und verströmt dabei schon von Anfang an dieses Freiheitsgefühl. Es kommen Bilder in den Kopf, wie die CD bei sonnigem Wetter auf der Landstraße oder dem obligatorischen Highway im Auto rotiert. Seicht verzerrte und dezent eingesetzte Gitarren geben dem Song ein minimalistisches Ambiente, so dass er im Grunde nur durch Rhythmus und Gesang bestimmt wird.

„Carrie“ hat einen viel einprägsameren Refrain und ist dabei noch emotionsgeladener und dramatischer. Die Sologitarre unterstützt diese Dramatik mit vielen hohen Tönen im Duell mit dem Lead-Gesang. „Brief Encounter“ ist ein klassischer 2/4-Takter mit balladeskem Anfang, der dann wieder in rockige Gefilde wechselt. Houston bedienen sich dabei bekannter kompositorischer Elemente, alles hat man schon einmal gehört. Als Gesamtwerk passt es aber.

„Don‘t You Know What Love Is“ ist dann ein klassischer Toto-Song, besonders im Refrain und der zweiten Strophe möchte man meinen, dass da die Jungs Kimball, Lukather und Porcaro singen. Sofort drängt sich der Wunsch auf, deren alte Platten oder auch ihre geniales letztes Album „Falling In Between“ wieder herauszukramen. Großartig, für diesen Tribut gebührt den Jungs alle Ehre.
Ähnlich nostalgisch geht es in „Don‘t Ever Wanna Lose Ya“ zu, der Refrain ist wohl der auffälligste auf dem ganzen Album; man ertappt sich sehr oft dabei, ihn mitzusingen. Mit treibendem Bass und leicht femininem Gesang fällt der Song auch stark in die Kategorie „unbedingt beim Autofahren hören“.

Dann beginnt auch die zweite Hälfte von „Relaunch“, in der mit einer Ausnahme eigentlich nur Balladen zu hören sind. „Didn‘t We Almost Win It All“ ist dabei so kitschig, dass er stellenweise an die Songs von Robin Sparkles aus der US-Sitcom „How I Met Your Mother“ erinnert. „Without Your Love“ besticht durch die Frauenstimme, die eine erfrischende Abwechslung bietet. In „Truth Slips“ harmonisieren die beiden Stimmen (diesmal eine andere Sängerin) nochmals besser. Die zarte und verletzliche Stimme passt wundervoll zu dieser Ballade. „1000 Songs“ schließt das Album dann mit einer weiteren Ballade ab, die zwar nicht wirklich hängen bleibt, aber auch nicht schlecht ist

Houston bieten weitgehend bekannte Classic-Rock-Kost und verknüpfen die gewohnten Kompositionsideen zu einem sehr guten Album. Sonderlich kreativ ist das nicht, aber der Retro-Charme gefällt. Im Endeffekt steckt doch in jedem Fan harter Musik ein weicher Kern. Empfehlenswert ist „Relaunch“ deshalb allemal.

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