Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Holy Moses: Agony Of Death

Lebendiger denn je
Wertung: 9.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 69:31
Release: 26.09.2008
Label: SPV

28 Jahre und 11 Alben ist es her, seit die Band ins Leben gerufen wurde. Eine verdammt lange Zeit mit Höhen und Tiefen und einer längeren Pause für die Band. Nun hat es einige Besetzungswechsel gegeben, denn mit Thomas Neitsch hat man einen neuen Bassisten und der alte, neue Bassist Oliver Jaath greift nun zur Gitarre, wie auch bei Reckless Tide, bei denen er ja auch zockt. Und als weiteres Highlight ist Atomic Steif zurückgekehrt.

„Imagination“ beginnt recht verhalten mit einem recht bombastischen Intro, bevor dann die ersten rauen Gitarrentöne erklingen, der Bass sich kurz zu Wort meldet und dann das Gaspedal durchgetreten wird. Yiehaa, in bestem Old School Metal hämmert sich „Imagination“ in die Hirnhaut und die Haare bekommen eine ausgedehnte Frischluftkur. Stark, wie man das Tempo variiert und dann auch noch Platz für das gute Gastsolo von Janos Murri (Demolition / Darkside) schafft. Agent Steel Bassist Karlos Medina kümmert sich um den Tieftonpart bei diesem Opener. Dann folgt wieder ein irgendwie unheilvolles Keyboardgewaber, welches aber durch die animierten Elektroklaviertöne auch eine positiv leuchtende Untermalung erfährt.

„Aliennation“ prescht dann wieder unaufhaltsam nach vorne. Insgesamt deutlich eingängiger als noch der Opener, kann der Song zwar nicht ganz mithalten, bewegt sich aber dennoch auf sehr hohem Niveau. Klasse, wie die Gitarren anno 2008 daherschrubben. Und mal ganz ehrlich, irgendwie klingt Sabinas Stimme lebhafter und variabler denn je. Auch hier durfte Janos ein Solo beisteuern.

Nach dem etwas langatmigen Zwischenspiel per Keyboard geht`s dann mit dem nächsten Highlight weiter. „World In Darkness“, welches sich um recht depressive Selbstmordgedanken dreht, hämmert sich richtiggehend in den Kopf und wird nur ab und zu von melodischeren Parts etwas abgebremst, dies allerdings nicht störend, sondern songdienlich. Irgendwie seltsam, wie die Band es schafft, Old School so jung und frisch klingen zu lassen, aber das ist richtig gut. Das Solo steuert übrigens Ralph Santolla (Obituary, Death, Iced Earth, Deicide) bei.

Nach erneutem Keyboardeinsatz geht es richtig fett weiter mit „Bloodbound Of The Damned“, welches irgendwie sogar ein wenig modernen Hardcoreflair besitzt. Hört euch mal die Vocals an. Trotzdem ist das alles immer noch Holy Moses und kein alter Fan wird wohl die neuen Sachen hassen, auch wenn es auf diesem Album nach, wenn man ehrlich ist, jahrelanger Stagnation nun etwas frischen Wind gibt. Obwohl: Frischer Wind ist anders, dies hier ist ein Orkan, der über den Hörer hinwegfegt. Die Nackenmuskulatur sagt hier schon mal danke für den nächsten Keyboardeinsatz, der mir eigentlich nicht munden will, denn er sorgt für Abkühlung in der Nackenmuskulatur.

Irgendwie scheint eine Gitarre aus dem Keyboardsound heraus zu schreien wie verzweifelte Rufe in dichtem Nebel. Dann klopft Atomic Steif an und es geht weiter. Im packenden Midtempo beginnt man, um dann immer mehr das Tempo zu forcieren. Aber hört euch mal die Drums an, da scheint jemand seinen zweiten Frühling zu durchleben. Sabina schreit und singt sich die Stimmbänder nach außen, dass es eine wahre Freude ist. Ihre richtig verzweifelten Halluzination-Rufe klingen befremdlich echt. Ein richtiger Oberhammer, der Song wird wohl nicht mehr so schnell aus dem Liveset verdammt werden dürfen. Eins der besten Stücke, die Holy Moses je aufgenommen haben. „Pseudohalluzination” ist das absolute Highlight des Albums. Danke dafür!

“Angels In War” steht dem nur unwesentlich nach. Kräftig hämmern sich die Instrumente ein und Sabina`s Stimme sorgt für hochgezogene Mundwinkel. Trevor Peres ließ es sich natürlich auch nicht nehmen, ein Solo beizusteuern. Kein Wunder, denn bei solch einem Meisterwerk will natürlich jeder dabei sein. Geniales Drumming, exzellente Gitarren und eine bestens aufgelegte Sabina am Mikro, was soll da schiefgehen?

Nun ja, vielleicht die langen Keyboardpausen, aber da gibt es auch eine gute Nachricht, bei der normalen Version des Albums fallen diese weg. Die hier vorliegende Version ist die Digipakvariante. Die schrägen Backgroundvocals in „Schizophrenia“ kommen von Henning Basse (Metallium) und irgendwie kommt so ein wenig Mekong Delta-Flair auf, denn auch wenn die Stücke bei weitem nicht so vertrackt sind wie bei der Kultcomb, so spielt man auf technisch hohem Niveau und dieser Backgroundgesang könnte auch auf einem Album von Mekong Delta vertreten sein. So erhält der Song sein eigenes Flair.

Dann darf auch Ralph Santolla noch mal ran und ein weiteres Solo in „Dissociative Disorder“ beisteuern. Der Song handelt von der Politikerkrankheit Amnesie. Aber im Gegensatz zu unseren Staatsorganen hat Oliver Jaath Wort gehalten, als er letztes Jahr beim Battle of Metal Festival ein starkes Album versprochen hat. Zur Hölle, wer soll denn bei so einer Musik noch ruhig sitzen bleiben? Der Schädel schleudert im Takt vor und zurück, so dass man fast meinen könnte, Sabina meine mit „Agony Of Death“ (Todeskampf) den Kampf des Gehirns gegen das Durcheinandergeschüttel der heftigsten Art. Hell Yaah, ein Fest für die Headbanger und Chiropraktiker.

„The Cave (Paramnesia)“ befasst sich dann mit dem Thema Erinnerungslücken. Und entweder schlägt dieses Phänomen nun bei mir durch, oder dieses Album ist tatsächlich das bisher stärkste von Holy Moses. Ein genialer Chrous, der so richtig zum Mitgröhlen einläd, kräftige Headbanging-fordernde Gitarrensounds und ein fantastisches Drumming, bei dem einfach alles stimmt. Sabina ist in Bestform, also warum sitze ich hier überhaupt noch und schreibe, anstatt meine Wohnung in wild headbangender Art und Weise in Schutt und Asche zu legen? Ich weiß, ich weiß, wegen euch, unseren Lesern, damit ihr an diesem Album ein wenig teilhaben könnt und demnächst ebenso fasziniert durch die Gegend bangen könnt.

Das Keyboardpäuschen ist dann der Auftakt zu „Delusion Denial“. In bester Thrash Manier donnert der Song wie eine Dampflok durch die Lautsprecher. Wahnsinn, was Sabina da aus ihrer Kehle gezaubert hat. Sie ist weit davon entfernt, lediglich zu growlen. Da kommt mal die ganze Palette des Singens auf den Tisch: Da wird gekreischt, da wird geschrien, da fehlt einfach nichts, was zu der Musik passt.

„The Retreat“: Ein toller Song, der schon fast einige progressive Anleihen beinhaltet. Der abgehackte Backgroundgesang sorgt für zusätzliches, so nicht erwartetes Flair. Nein, was für ein Kracher zwischendurch. Holy Moses im Todeskampf: Pah, immer diese falschen Promotionaussagen. Exzellent aufeinander eingespielt, verlangen Michael Hankel und Oliver Jaath ihren Instrumenten einiges ab. Thomas Neitsch`s Bass sorgt für den nicht aufdringlichen Druck im Tieftonbereich und die Party läuft wie von selbst.

Den Abschluss unter dieses Album setzt dann nochmal das nächste Highlight „Through Shattered Minds / Agony Of Death“. Im besten Old School Gewand wird erstmal der Spannungspegel mit für Holy Moses-Verhältnisse recht langsamen Tönen aufgebaut. Dann erklingt Sabina`s Stimme und man rockt recht gleichmäßig vorwärts. Irgendwie scheint man hier so etwas wie eine positive Erschöpfung in Sabina`s Stimme auszumachen, was natürlich genial zum Abschluss dieses hoch energetischen Albums passt und auch den lyrischen Aspekt bestens umreißt. Ein mehr als gelungenes, recht seltsam anmutendes Gitarrensolo sorgt des weiteren dafür, dass die Mundwinkel weiterhin fast auf der Schädeldecke zu enden scheinen.

Fazit: Sabina lügt! Auch wenn sie sagt, das Holy Moses nun seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Todeskandidat ist, glaubt ihr nicht. Holy Moses ist lebendiger und besser denn je. Die Frischzellenkur durch die neuen Musiker und die Wiederkehr von Atomic Steif haben die Band in eine neue Klasse befördert, auch wenn die Zwischenstücke stören, die eigentliche Musik gehört zum besten, was in diesem Jahr im Thrash Metal veröffentlicht wurde. Lediglich die insgesamt deutlich zu stark vertretenen Keyboardeinsätze zwischen den Songs verhindern die Höchstnote. Das Intro sowie das Outro hätten da gereicht. Die normale CD-Version bekommt 10/10, diese hier nur 9,5/10.

comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging