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Hocico: Tiempos De Furia

Lasst uns die Tanzfläche stürmen
Wertung: 8.5/10
Genre: EBM, Industrial, Aggrotech
Spielzeit: 58:00
Release: 01.10.2010
Label: Out Of Line Music

Man muss sie eigentlich nicht mehr vorstellen, tut es aber irgendwie trotzdem immer wieder, weil sonst die Einleitung fehlt: Hocico aus Mexiko zeigen uns seit Jahren, wo der Aggrotech-Hammer hängt, begeistern mit Tanzflächen-kompatiblen Beats und aggressiven Rhythmen, mit brutal verzerrten Vocals und einer Beständigkeit, die ihresgleichen sucht.

Erst im Juni legte das Familien-Duo die Single „Dog Eat Dog“ vor, die als Appetizer für das kommende Album „Tiempos De Furia“ fungieren sollte. Bei uns kam die Scheibe nicht ganz so großartig weg, was aber nicht an den beiden neuen und sehr guten Songs „Dog Eat Dog“ und „Escape The Spell“ lag, sondern an der fast inflationären Verwendung von Remixen. Von Fremdeinwirkung ist auf dem Album selbst glücklicherweise nichts zu hören. Stattdessen gehen die 13 Songs größtenteils steil nach vorne und in bester Hocico-Manier wird nicht sonderlich viel Zeit mit Intros und Melodien verloren, sondern die tanzwütige Masse bekommt direkt ihren auditiven Schuss verpasst.

Man sollte sich zum heimischen Durchhören der Platte ein strapazierfähiges Plätzchen suchen, denn stillstehen kann man bei Tracks wie dem extrem tanzbaren Titeltrack oder dem leicht spacigen „Bite Me!“ sicher nicht. Da muss die Wohnungseinrichtung an die Wand geschoben, der Teppich zur Seite gerollt und die Schwarzlicht-Beleuchtung ausgepackt werden, anders geht es nicht. Dabei lässt sich die aktuelle Scheibe der mexikanischen Tanzflächerterroristen ziemlich düster an: „I Want To Go To Hell“ markiert den Opener und verbreitet direkt eine bedrückend-düstere Atmosphäre, die man von Hocico durchaus gewöhnt ist, die aber, wenn man sich den Rest der Platte zuvor angehört hat, nicht so recht passen will.

Man möchte eigentlich jeden Song zum Anspieltipp machen, denn beinahe jeder Track auf der Scheibe ist zugleich tanzflächentauglich, gleichzeitig aber nicht zu massenkompatibel und bleibt trotzdem relativ schnell im Gehörgang hängen. Zwar sind für meinen Geschmack die Vocals teilweise etwas zu sehr verfremdet, wie bei „Flesh To Lacerate“ beispielsweise, wo man vor lauter Beats Erk Aicrags fieses Gefauche kaum noch hören kann, dennoch kann man sich direkt vor dem inneren Auge vorstellen, wie die schwarzgekleidete Meute die Tanzfläche beim geringsten Anzeichen eines „Tiempos De Furia“-Songs entert.

Nach dem stimmlosen, aber nichtsdestotrotz tanzkompatiblen „Kiss Of The Apocalypse“ wird mit „Twist The Thorn“ direkt der nächste EBM-Hammer rausgehauen. Man fragt sich, wo die beiden Cousins ihre Ideen immer herbekommen – und vor allem, wie sie es schaffen, viele ähnliche klingende Strukturen zu einem Album verschmelzen zu lassen, das nicht eine Sekunde lang wirklich langweilig wird. Eine Art Höhepunkt scheint das aggressiv-pumpende „Not Human“ zu bilden – großartig, wie sich der Spannungsbogen immer mehr steigert und man nicht anders kann, als auf dem Stuhl mitzutanzen. Dagegen stinkt dann sogar das sehr gute „Altered States“ ein ganz klein wenig ab.

Fazit: Für alle Fans von tanzbarem EBM und Aggrotech kann man hier nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen. Wer sich an Bands wie Combichrist oder Agonoize erfreuen kann, wird sowieso schon seit langem ein Fan der Mexikaner sein, die abwechslungsreicher als die Norweger, aber nicht ganz so psychopathisch wie die Berliner daherkommen. Da heißt es nun, die Plateaustiefelchen zu schnüren, das LED-Knicklicht einzupacken und ab geht es auf die Tanzfläche!

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