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HIM: Screamworks: Love In Theory And Practice

"Dark Light" in schlimmer: Poppige und gesichtslose Enttäuschung
Wertung: 4/10
Genre: Gothic Rock
Spielzeit: 47:03
Release: 12.02.2010
Label: Sire Records / Warner Bros.

Manche Bands schaffen es einfach nicht immer. So gut sie auch sind, so viel Potential auch in ihnen steckt – nicht jedes Album ist ein Überalbum vor dem Herrn, es gibt durchaus auch Tiefpunkte. HIM gehört zu dieser Kategorie Bands, die in ihrem Output sehr wechselhaft ist; Kollege Niclas Pepperhoff kommentierte ihre bisherige Karriere schon zu Zeiten von „Uneasy Listening Vol. 2“ als Achterbahnfahrt. Die Band um Ville Valo, die sich nach wie vor zu den erfolgreichsten Gothic Rock-Acts aller Zeiten zählen kann, hat neben völlig zu Recht hochgelobten Sternstücken wie „Razorblade Romance“ oder „Love Metal“ auch enttäuschend mäßige Alben veröffentlicht – und das nun vorliegende „Screamworks: Love In Theory And Practice“ ist als Weiterführung der letztgenannten Kategorie zu betrachten.

Um es direkt vorneweg zu sagen: Von dem düsteren und fast schon progressiven Flair, welches noch das 2007 erschienene Album „Venus Doom“ verströmte, ist auf dem 2010er Machwerk nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, anstatt weitere Experimente zu wagen, gehen HIM auf Nummer sicher und führen die Linie weiter, die sie auf „Dark Light“ getestet hatten – nur dass „Dark Light“ mehr an HIM erinnerte.
Poppig, seicht und überaus radiokompatibel präsentieren sich die dreizehn Songs auf „Screamworks“; von musikalischer Härte oder düsterer Stimmung ist herzlich wenig zu spüren.

Angedeutet hatte sich die eher schwache Leistung der Finnen schon mit der vorab veröffentlichten Single „Heartkiller“. Nach einem vielversprechenden Beginn mit einer recht starken Hookline gipfelt der Song in einem nach Mainstream-Pop schreienden Refrain. Viel mehr gibt es zu diesem Song nicht wirklich zu sagen, abgesehen von der Tatsache, dass es eindeutig noch schlimmer geht. Bei einem Song wie „Scared To Death“ fragt sich der HIM-geneigte Hörer doch ernsthaft, wie so etwas auf das neue Album gelangen konnte. Mit geradezu herzerwärmend fröhlichen Klängen, die von Keyboard und Gitarre geliefert und nur in zweiter Reihe von einer leicht verzerrten Rhythmusgitarre unterlegt werden, laufen der in diesem passenden Umfeld seine „Todesangst“ besingende Ville Valo und seine Mannen Gefahr, sich mit zahllosen Pop-Punk-Bands in eine Reihe oder auf eine Bühne zu stellen – ist das wirklich angemessen für die Band, die in früheren Jahren so dunkle, bittersüße Übersongs wie „Your Sweet 666“ oder „Buried Alive By Love“ schrieb?

Der Rest des Albums ist nicht wirklich besser: Es ist zwar eindeutig die Band HIM, die da aus den Boxen schallt – vor allem identifizierbar durch Ville Valos prägnante Stimme, aber auch kleine stilistische Eigenheiten –, aber rein musikalisch ist man versucht, diese Tatsache zu leugnen. „Screamworks: Love In Theory And Practice“ klingt nach allem, nur nicht nach HIM im Sinne ihrer vergangenen Hits.
Es ist zwar noch manch ein vielversprechender Beginn dabei, etwa bei „Ode To Solitude“, doch die Songs bleiben belang- und gesichtslos. Auch bei dem vergleichsweise hart gehaltenen Song „Like St. Valentine“ fehlt die alte Aussagekraft und die Unverwechselbarkeit der Band.
In jeglichem Sinne fällt allerdings noch der letzte Track des Albums, „The Foreboding Sense of Impending Happiness“ heraus: Dieser ist eine rein elektronisch gehalten Ballade, ein Stil, der bisher von HIM noch nicht praktiziert wurde und ehrlich gesagt auch nicht unbedingt zu ihnen passt.

Kurz zusammengefasst: Wer das 2005 erschienene Album „Dark Light“ schon nicht mochte, wird an „Screamworks: Love In Theory And Practice“ keine Freude haben. Selbst ein Song mit der Qualität von „Wings Of A Butterfly“ ist hierauf nicht zu finden. Es bleibt zu hoffen, dass es mit dem nächsten Album wieder besser wird - „Screamworks“ riecht stark nach Plattenfirma-Diktat für gute Kaufquoten.

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