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Hi! Spencer: Nicht raus, aber weiter

Indie-Rock, der vor seiner Emotionalität lebt
Wertung: 7,5/10
Genre: Indie
Spielzeit: 39:42
Release: 15.02.2019
Label: Uncle M/Cargo

Ziemlich genau vier Jahre haben Hi! Spencer gebraucht, um den Nachfolger ihres Debüts „Weiteratmen“ gen gewachsener Fan-Basis schieben zu können. Nun steht mit „Nicht raus, aber weiter“ das neue Album bereit, bei welchem nicht nur der Titel erste Fragen aufwirft, auch das Cover mit einer sprintenden und von Dämonen umzingelten Dame führt zu leichten Irritationen.

Nach Konsumierung der Scheibe erschließt sich allerdings beides recht gut, geht es bei den elf Titeln doch zum großen Teil um Ängste, Resignation, innere Konflikte und Auferstehung. Keine einfachen Thematiken also und direkt einfach wird der Einstieg in das Album auch nicht gemacht. Da möchte man den Opener „Weck mich auf“ noch als nette Indie-Rocknummer beschreiben, die durchaus über eine gute Dynamik verfügt, doch dann geht es direkt von „nett“ („Wo immer du bist“) hinüber zum Prädikat „verzichtbar“. Ausgerechnet den Titelsong, der schon an dritter Stelle steht, möchte man als Schwachpunkt des Albums ausmachen und dementsprechend kostet es auch etwas Mut, sich dem weiteren Verlauf des Werks zu stellen.

Hat man aber einmal die anfängliche Skepsis überwunden, eröffnen die Osnabrücker dem Hörer eine authentische und vor allem emotionale Welt, die durchaus gefangen nimmt. Da zieht das eigenwillige und minimalistisch gehaltene „Der Küchentisch“ sicher erst beim zweiten Durchlauf, Songs wie „Klippen“ oder „Tauwetter“ gehen dafür sofort ins Blut. Hi! Spencer schaffen es durch ihren bildhaften Sprachgebrauch, mit jedem Titel ein Stück mehr zu fesseln und selbst den zumeist bitteren Themen einen Hauch von Optimismus beizusteuern, was sicher vordergründig an der immer wieder vorhandenen Dynamik der Stücke liegt.

Ein weiterer großer Pluspunkt des Albums ist die Gesangsleistung von Frontmann Sven Bensmann; sicher ist die Stimme anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und kann zurecht als markant beschrieben werden, dafür wartet er mit einer unglaublichen Emotionalität auf. So lebt „Schalt mich ab“ fast komplett von diesen intensiven Momenten, die keine Scheu vor stimmlichen Grenzgängen zeigen.

Neben dem gelungenen Abschluss mit „Deponie“ und dem kraftvollen „Richtung Norden, sticht besonders „Hinter dem Mond“ hervor. Gewidmet wird dies Ewiggestrigen und das Ganze in die Geschichte um einen alten Mann verpackt, mit der die Band den wohl ergreifendsten Moment auf „Nicht raus, aber weiter“ liefert.

Letztendlich schaffen es Hi! Spencer mit gutem musikalischem Handwerk und einer großen Portion an Emotionen ein Album aufzustellen, welches über üblichen Indie-Standard hinausgeht und zu fesseln vermag. Dem Hörer werden berührende wie mitreißende Augenblicke geschenkt, die mit dem roten Faden aus Ängsten geführt werden. Mutig ist es allemal, das Konzept von „Nicht raus, aber weiter“ darauf aufzubauen, zumal man bei den Themen sicher schnell in eine übertriebene Rührseligkeit verfallen kann. Diese Gefahr umschifft die Band allerdings gekonnt, selbst wenn es für den Hörer noch ein paar Stolpersteine zu überwinden gibt, um sich komplett auf die Scheibe einzulassen.

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