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Hey Ruin: Poly

Eine Gefühlsachterbahnfahrt
Wertung: 8,5/10
Genre: Emo, Deutschpunk, Post-Hardcore
Spielzeit: 35:24
Release: 24.11.2017
Label: This Charming Man

Das neue Hey Ruin-Album “Poly” ist gerade mal seit ein paar Tagen auf dem Markt und wurde schon mal im Vorfeld mit Lorbeeren überschüttet. Als große Hoffnung im deutschen Post-Hardcore/Emo/Punk wird die Truppe bezeichnet, musikalisch kann man die Band in einer Riege mit dem wunderbaren Todd Anderson, FJØRT oder 8kids sehen, nur dass bei Hey Ruin weniger mit dem Post-Hardcore-Element gearbeitet wird. Ein bisschen mehr Richtung Deutschpunk tendiert die Mannschaft hier, gemeinsames Element sind aber die überraschend tiefgründigen deutschen Songtexte, die sicherlich einen Teil der Atmosphäre ausmachen, ja überhaupt selbst bilden; damit bildet sich langsam aber sicher ein Grüppchen Bands, die es schaffen, Texte in ihrer Muttersprache so rüberzubringen, dass man sich nicht an Germanistikstudenten erinnert fühlt.

Mögen muss man den oftmals störrischen Sound von Hey Ruin aber, obwohl der Opener „Ram“ mit seinen locker flirrenden Gitarren, die dennoch etwas ungemein Melancholisches beinhalten, noch zu den straightesten Songs auf „Poly“ gehört; was sicherlich auch an der Thematik liegt, denn der Track kritisiert die aktuelle Flüchtlingspolitik und sollte entsprechend direkt und unverschachtelt daherkommen, um möglichst viele Menschen zu erreichen – dicke Gänsehaut stellt sich vor allem am Ende ein, wenn die Zeile „Für mich ist das Mord“ aus den Boxen drängt.

Hey Ruin haben sicherlich nicht den begabtesten Sänger aller Zeiten gepachtet, heisere Ausraster wie in „Cortextrouble“ schrauben die Punkte auf der Haben-Seite aber nichtsdestotrotz (oder vielleicht gerade deswegen) ordentlich nach Hause, zumal auch hier die Band wieder für dramatische instrumentale Unterfütterung sorgt. „Über dem Abfluss“ generiert dann sogar richtiggehende Beklemmungen beim Hörer, das raue „Kalter Boden macht, dass die Schritte niemals stehen“, das letztlich als Crescendo den Track beendet, klingt nicht nur gruselig und düster, sondern beschwört auch ebensolche Bilder herauf. Umso unvorbereiteter erwischt einen dann das folgende, sehr lärmige „Magneto“, das auf voller Laufzeit für keinen Augenblick die Bremse tritt, sondern den Hörer vor sich her treibt und mit dauerhaftem statischem Hintergrundrauschen sicherlich zu der verstörendsten Hey-Ruin-Tracks gehört.

„Miliz vor Ort“ bietet dann zum Finale noch mal einen ergreifend gestalteten Song, bei dem zu allererst die brutal gute Gitarrenspur den Hörer gefangen nimmt, bevor man im Refrain („Es ist so schwer zu sagen, wen man liebt/Zu wollen, dass man liebt/Ohne Bedingung, ohne Grenzen“) herumgewirbelt wird. Tatsächlich nehmen Hey Ruin den Hörer hier noch mehr als auf den vorherigen Tracks mit auf eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt, die einen hierhin und dorthin verschlägt, sich mal in wilden Refrains und mal in zartem Gitarrenspiel äußert und die Vorschusslorbeeren, die Hey Ruin allerorten einheimsen konnten, sicherlich rechtfertigen.

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