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Herzparasit: Fromme Lämmer

Lass dich vergiften
Wertung: 7.5/10
Genre: Gothic, Industrial
Spielzeit: 58:35
Release: 04.11.2011
Label: Echozone

Wenn die Schäfchen des Herrn nicht zur Schlachtbank geführt werden, sondern sie mit Blut unterlaufenen Augen und Heiligenschein am Kreuz hängen, sind es wahrscheinlich „Fromme Lämmer“. Dies ist nicht etwa das Titelbild eines Satiremagazins, sondern das Cover der Debütscheibe von Herzparasit, welches schon ohne die erste Hörprobe provoziert.

Herztöne erklingen, werden von Störungen unterbrochen und dann regiert das gesprochene Wort. Die Zeile „Lass dich vergiften“ ertönt im Hintergrund und Ric-Q gibt mit eindrucksvoller Stimme einen Ausblick, was den Hörer erwarten wird. Es sind Texte, die von Angst und Verfall handeln, in denen sozialkritische Themen vorkommen, genau wie das herzbrechende Thema Liebe. Die Zwei-Mann-Formation legt ein markantes, ruhiges Intro hin, welches Interesse und Spannung aufbaut.
„Angst fängt dich“ ist der erste Frontalangriff auf die Gehörgänge. Martialische Riffs, treibende Drums und elektronische Klänge treffen aufeinander und ergänzen sich zu einer dunklen, kraftvollen Mischung, die die durchaus gelungenen Texte immer wieder unterstreichen. Ric-Q überzeugt mit markant exzentrischer Stimme und schafft es so, die Stimmung überzeugend wiederzugeben. Dies setzt sich auch bei dem nachfolgenden Song „Alphatier“ fort. Hier gibt es einen brachialen, ironischen Blick auf Narzissmus und übersteigertes Selbstbewusstsein von selbsternannten Leithammeln. 
In „Dein Herz verliert“ und „1000°“ werden Themen wie Verlassen von alten Strukturen und Angst vor Einsamkeit besungen, was dem Album auch einen düster-melancholischen Anstrich gibt. Herzparasit liefern hier authentische Lyrics, die oft unter die Haut gehen und zum Nachdenken anregen.
Mit Pianoklängen eingeläutet startet „Rattenloch“. Diese zynische Abrechnung mit den Strukturen des Musikbusiness wird aufs Beste mit kurzen Riffs untermalt, die stellenweise Gewehrsalven gleichen. „Scharfer Schlaf“ bleibt im Geschäft und schiebt den zu erwartenden, typischen Kritiken den Riegel vor. Mit der Textzeile „Doch wir sind weder Rammstein, noch Oomph, noch Megaherz“ nimmt man allen Quervergleichen den Wind aus den Segeln und dringt auf seine Eigenständigkeit. Und diese können Herzparasit durchaus beweisen, musikalische Ähnlichkeiten zu den genannten Bands sind zwar durchaus vorhanden, aber Ric-Q und El Toro kreieren durchaus einen eigenen Sound. Doch auch textlich setzen sie sich ab und schaffen es, wie bei „Flaschengeist“, immer wieder einen Sprung in die Gegenwart zu unternehmen und dem momentanen Zustand der Gesellschaft einen bitter-süßlichen Spiegel vorzuhalten.
„Giftschlange feat. Nemesis“ ist ein leidenschaftliches Duett zum Thema Versuchung, welches von beiden Protagonisten überzeugend vorgetragen wird. Dem schließt sich „Salz in meiner Wunde“ an, welches sowohl ruhige als auch kraftvolle Töne mit sich bringt und durch einen guten Chorus abgerundet wird.
„Herzparasit“ bildet den Abschluss der CD und bringt die gesamten Stücke noch einmal auf den Punkt. Der Herzparasit saugt sich an, schluckt alles Leid und setzt sich fest. Gut zwei Minuten rein akustisch dargereicht, dann setzen wieder treibende Riffs ein und kriechen tief unter die Haut. Dieser Track bietet eine weitere Bereicherung und einen gelungen Schlusspunkt.


„Fromme Lämmer“ ist ein abwechslungsreiches, eindrucksvolles Debüt von Herzparasit. Melodisch und kraftvoll dringen die Stücke tief in die Gehörgänge ein und setzen sich dort fest. Brachiale Gitarren, treibende Beats und ausdrucksvolle Stimme geben dem Silberling den Glanz. Tiefsinnige Texte, die teils im Abstrakten liegen, bringen die besondere Würze, auch wenn sie noch nicht alle ausgereift wirken. Herzparasit schaffen ihren eigenen Sound und man darf gespannt sein, wohin der Weg der Bayern führen wird.

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