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Heretoir: Heretoir

Übertrieben roh vs. ehrlich verträumt
Wertung: 5.5/10
Genre: Depressive Black Metal, Post-Rock
Spielzeit: 50:45
Release: 25.02.2011
Label: Northern Silence Production

Ein Ein-Mann-Projekt wird zum Zwei-Mann-Projekt. Seit 2006 steht hinter der Band Heretoir Bandgründer und alleiniges Mitglied Eklatanz, durch dessen Feder mehrere, kleinere CD-Projekte entstanden sind. Seit letztem Jahr hat das Projekt Heretoir nun auch einen zweiten Mann hinzugewonnen, der sich um Bass und Backing Vocals kümmern wird. Das gleichnamige und hier besprochene Debütalbum „Heretoir“ ist aber kurz vorher entstanden und somit das letzte Werk, welches allein von Eklatanz ausgearbeitet wurde.

Die Musik auf „Heretoir“ (was so viel wie „einen eigenen Weg gehen“ bedeuten soll) ist eine Mischung aus Depressive Black Metal und Post-Rock. Wenn man so will, kann man bei diesem Album von einem Konzeptalbum sprechen, da das Album thematisch dem Verlust eines Menschen gewidmet ist. Musikalisch bewegt sich das Album daher zwischen einem Ausdruck von Trauer, Hass und Hoffnung. Und was wäre dafür besser geeignet als die oben genannten Genres?

Ein erdrückendes Schlagzeug  und schmerzverzerrter Gesang sind die Grundsteine der negativen Emotionen, denen sich Heretoir verschrieben hat.  „Fatigue“ oder auch „Weltenschmerz“ werden zeitweise von so dominanten Drums beherrscht, dass man unwillkürlich die Bass-Einstellungen seiner Anlage überprüft. Kraftvoll aber auch roh und polternd bahnen sie sich ihren Weg durch die Lieder und überspielen bei „Weltenschmerz“ sogar die anderen Instrumente. Meist hält sich das Drumming aber im Rahmen, seinen rohen Klang verliert es dafür bis zum Schluss nicht.

Ähnlich sieht es bei der Gitarre aus. Im Negativbeispiel „Weltenschmerz“ kommt sie über ein hintergründiges Geschrammel nicht hinaus und verkommt durch das dominante Schlagzeug zu einem Rauschen. Aber bei „Heretoir“ geht es wie oben erwähnt nicht nur um Black Metal, sondern auch um Post-Rock und was wäre Post-Rock ohne seine Melodien? Und genau hier zeigt sich die Glanzseite der Gitarre. Gedankenverloren und weitläufig präsentiert sie sich in Liedern wie „Retreat To Hibernate", „To Follow The Sun“ und „Heretoir“. Trauer wie auch Hoffnungen werden stark unterstrichen und dadurch in den Liedern deutlich spürbar.  

Der Gesang kommt bei Heretoir nur selten zum Einsatz und bleibt, wenn vorhanden, durchgehend im Hintergrund der Musik. Er klingt außerdem sehr undeutlich und meist dumpf. Grundlegend sind die Vocals von Eklatanz melodisch angelegt, rutschen aber des Öfteren in ein schmerzverzerrtes Kreischen ab („Fatigue“). Verzweiflung und Agonie werden dadurch gleichermaßen deutlich und spürbar. Manchmal wird aber auch maßlos übertrieben. Das hohe Quietschen in „To Follow The Sun“ ist so überzeichnet, dass der echte Ausdruck von Schmerz in diesem Lied verloren geht und quasi durch ein seelenloses, elektronisches „Geräusch“ ersetzt wird.

Im Großen und Ganzen ist bei „Heretoir“ vor allem der rohe Klang allgegenwärtig. Was in vielen depressiven Black-Metal-Alben ein beliebtes Stilmittel ist, wird Heretoir leider zum Verhängnis. Instrumente wirken unausgewogen oder werden manchmal einfach so undeutlich, dass man keine Einzelheiten mehr entziffern kann. Auch die zeitweise übertrieben verzerrten Vocals und der teilweise elektronische Klang tragen wenig zur Stimmung bei. Dem Gegenüber stehen die ausschweifenden Post-Rock-Melodien, die so vertieft wurden, dass sie viel an verspielter Atmosphäre wieder hereinholen können.
Bei „Heretoir“ handelt es sich somit um ein durchwachsenes Debütalbum, was in beide Seiten seine Extreme vorweisen kann. Unterm Strich: gutes Mittelfeld.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“