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Her Whisper: The Great Unifier

Songwriting: okay, Produktion: mies, Gesang: gewöhnungsbedürftig
Wertung: 6.5/10
Genre: Dark Symphonic Power Metal
Spielzeit: 47:56
Release: 18.02.2008
Label: STF Records

Verdammt, es ist wirklich nicht einfach, zu diesem Album eine Rezension zu verfassen. Eins steht fest: Spielen können die Jungs, sie beherrschen ihre Instrumente, die Arrangements und die Gitarrensoli können sich sehen lassen. Das Hauptproblem, das ich allerdings mit dieser Scheibe habe, ist die mangelnde Eigenständigkeit. Zu jeder Sekunde scheinen Evergrey präsent, obwohl diese auf der Internet-Seite von Her Whisper (komischer Name übrigens, der auf Gothic vermuten lässt, ist es aber nicht) von keinem Bandmitglied als Einfluss angegeben werden.

Während das Intro „The Shape Of Things To Come“ eher wie das Intro eines Dimmu-Borgir-Albums anmutet, zeigt gleich der erste echte Track „Structures Of Deceit“ die tatsächliche Ausrichtung der Band: Düsterer, mit reichlich Keyboards gewürzter und schneidender Gitarrenriffs ausgestatteter Bombast-Metal, wie ihn auch die Landsleute von Her Whisper betreiben.

Und auch wenn wie schon erwähnt, es das Quintett technisch durchaus drauf hat, erreicht es in keinerlei Hinsicht das Niveau von Englund, Danhage und Co – besonders, da das Songwriting nicht durch die Bank überzeugen kann. Die Refrains zeigen teilweise gute Ansätze – wie beispielsweise bei „Structures Of Deceit“, dem Titeltrack oder „Their Finest Hour“ –, können insgesamt aber trotzdem nicht wirklich mitreißen, was möglicherweise auch an dem auf Dauer unheimlich nervtötenden Gesang liegen mag, der technisch absolut mangelhaft ist, in den Höhen quäkend wird (fast ein bisschen wie bei Ozzy Osbourne, nur nicht so charakteristisch, sondern eben einfach nervig) und auch an den härteren Stellen, wo er versucht, etwas rauer zu klingen, zeigt der Frontmann mit dem klangvollen Namen Magnus af Nestergaard wenig Durchschlagskraft.

Ebenso in emotionaler Hinsicht vermag der Sänger leider nicht zu punkten, wie man bei der Ballade „Fiend Angelical“ besonders deutlich erkennen kann: Hier plätschert der Song, der ohnehin etwas zu vorausschaubar ist und bei einer besseren Gesangsleistung hätte aufgewertet werden können, vor sich hin, während bei Tom Englund – allerdings verstehen es sowieso nur wenige, Technik und Emotion so glänzend unter einen Hut zu bringen wie der Evergrey-Fronter – Gänsehaut garantiert gewesen wäre. Klar, nicht jeder kann wie Englund singen, aber der Vergleich muss hier einfach gestattet sein, wenn man sich so sehr nach Evergrey anhört. Außerdem wäre gerade, was das Emotionale angeht, sehr viel mehr drin gewesen, da die Texte, ausschließlich von Keyboarder Marcus Christensen verfasst, wirklich unter die Haut gehen und ganz hervorragend formuliert sind.

Auseinandersetzung mit Religion und Glauben wie bei „Structures Of Deceit“ oder „Path Of The Redeemer“ ist genauso vertreten wie ein Beitrag zur modernen Technik mit „Artificial Intelligence“, das quasi aus der Sicht eines Roboters geschrieben ist, blinder Gehorsam („Their Finest Hour“) oder die Freude am Leid anderer – auch eine äußerst bekannte, unangenehme Eigenschaft der menschlichen Natur – mit „Schadenfreude“ (ja, das heißt wirklich so, ist aber wie der Rest auch auf englisch...).

Jedenfalls sollte Nestergaard das Singen lieber bleiben lassen und sich künftig lediglich aufs Gitarrespielen konzentrieren, denn das kann er tatsächlich ziemlich gut. Im Übrigen zeichnet er auch für die Produktion verantwortlich und die hätte ebenfalls besser ausfallen können; das Ganze scheint zwar irgendwie zu drücken, hört sich aber dennoch künstlich an – insbesondere das Schlagzeug, teilweise jedoch auch die Rhythmusgitarren, vor allem wenn es zu Stakkato-Riffing kommt. Wenn man dem gegenüber die ziemlich düstere Mucke und die tiefschürfenden Texte stellt, klingt die Chose doch recht kalt und emotionslos.

Fazit: Wenn also der Frontmann das Mikro jemand anderrem überlässt, man noch mehr Eigenständigkeit entwickelt und das Songwriting („Their Finest Hour“ allerdings kann man als so etwas wie einen Hit bezeichnen) verbessert sowie nächstes Mal mit einer besseren Produktion aufwartet, sind mehr als 6,5 Punkte drin. Ausbaufähig!

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann