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Hemlock Smith: Keep The Devil Out Of Hillsboro

Ein Barde und seine Band renovieren den Folk
Wertung: 10/10
Genre: Folk, Singer/Songwriter, Americana
Spielzeit: 61:48
Release: 07.09.2009
Label: Phénix Records

Wer mit "Keep The Devil Out Of Hillsboro" zum ersten Mal von Hemlock Smith hört, findet sich – wie auch ich - wahrscheinlich zunächst in einem Missverständnis wieder: Weder schmückt ein Herr dieses Namens die Vorderseite seines Soloalbums, noch handelt es sich bei "ihm" überhaupt um einen Solokünstler. Der Mann auf dem Cover heißt vielmehr Michael Frei und bildet zusammen mit drei Mit- und jeder Menge Gastmusikern die Band Hemlock Smith. Ein Blick ins Booklet offenbart jedoch, dass diese Band ähnlich strukturiert zu sein scheint, wie Nick Cave's Bad Seeds: Michael Frei schreibt die Songs und übernimmt mit seiner charismatischen Stimme den Gesang, seine Mitmusiker bleiben zur Begleitung im Hintergrund.

Der Titeltrack zu Beginn hält die Illusion vom einsamen Singer-Songwriter durch sparsame Instrumentierung mit Akustikgitarre, später mit sanftem, mit Besen gespieltem Schlagzeug, Akkordeon und unterstützendem Klavier, noch aufrecht. Zurückhaltend singt sich Frei durch die stille Ballade, die ihre zerbrechliche Schönheit Stück für Stück entfaltet. Obwohl der Mann eigentlich Schweizer ist, erfreut die sehr poetische und gewählte Verwendung der englischen Sprache. Zwar sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass man die Sprache, in der man zu singen wünscht auch entsprechend gut beherrscht; Negativbeispiele gibt es dazu aber genug. Michael Frei gehört jedenfalls nicht dazu, sondern zeigt auf dichterische Weise, wie man es machen sollte.

Der nachfolgende Track "Blink" schlägt in eine ganz andere Kerbe als der Opener: nicht mehr still und zerbrechlich, sondern perkussiv und voranstampfend. Brummende Bässe, Offbeatbetonungen, Teufelsgeigen und Piratengesänge – alles in einem Song. Nicht nur, dass man nun merkt, dass hinter Hemlock Smith doch eine ganze Band steckt, es wird auch gleich ersichtlich, dass die Musiker echte Freude an ihrer Musik empfinden und sie mit viel Liebe zum Detail ausschmücken. Dass sie dabei ihrem Sänger den Vortritt ins Rampenlicht lassen, macht Sinn, denn auch wenn die instrumentalen Arrangements ausgefeilt und von überwältigender Dichte und Schönheit sind; die eigentliche Seele von Hemlock Smith ist Michael Frei.

Wandlungsfähig und immer stilvoll schenkt er "My Wonderful Bereaved" eine echte Ohrwurmmelodie, betätigt sich in "Queen Of The Spring Ball" als Geschichtenerzähler und verleiht "Dunkirk/Jerusalem" eine düstere, geheimnisvolle Stimmung. Dabei ist er sets in der Lage, sich an den musikalischen Unterbau, den ihm die Instrumentalisten liefern, anzupassen, ohne sich zu verstellen. Irgendwo zwischen Tom Waits, Nick Cave And The Bad Seeds, dEUS und Lambchop, zwischen Blues, Country, Jazz, Folk, Singer-Songwriter und Rock bewegen sich Hemlock Smith so auf ihrem eigenen Stückchen musikalischen Bodens.

Trotz einer Spielzeit von über einer Stunde findet sich auf "Keep The Devil Out Of Hillsboro" kein wirklich schlechter Song oder einer, den man ernsthaft als Füllmaterial bezeichnen möchte. Zwar reichen nicht alle Tracks an Highlights wie den mit explosiven E-Gitarren verzierten Song "Brackets", den textlich gewitzten Titel "Little Jesus And The Housecat" oder den schaurig schönen "Carnival Of Souls" heran; die atmosphärische Schönheit des Albums und das Können seiner Erzeuger ist aber zu jeder Zeit greifbar und über jeden Zweifel erhaben. Hemlock Smith verpassen dem modernen Folk mit ihrem Genremix eine erfrischende Rundumkur und liefern gleichzeitig die perfekte Platte für den kommenden Herbst. Mit "Testament" im Ohr möchte ich das letzte braune Blatt des Jahres beim Fallen beobachten.

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