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Helstar: Glory Of Chaos

Headbangen bis der Nacken kracht - vielleicht die Überraschung 2010
Wertung: 9.5/10
Genre: US Power Thrash Metal
Spielzeit: 44:56
Release: 05.11.2010
Label: AFM Records

Helstar meldeten sich vor zwei Jahre mit einem Release aus dem Ruhestand zurück. Nun liegt das zweite Album nach der Reunion vor. Ich hätte nichts vermisst, wenn ich sie nicht bekommen hätte. In den Achtzigern sind sie mir mit ihren ersten beiden Alben und Mitte der Neunziger noch einmal über den Weg gelaufen. Trotz anfänglicher Begeisterung für die Achtziger-Veröffentlichungen verschwanden beide Scheiben recht schnell auf Nimmerwiedersehen im Plattenschrank. Nun schreiben wir das Jahr 2010 und ich darf mich mit dem neuen Output beschäftigen. Erster Eindruck: Klasse! Aber das kannte ich ja schon von vor 25 Jahren. Das sollte mir nicht noch mal passieren, also raus aus dem Player und dann noch mal ein paar Tage später rein. Das Ganze auf drei Wochen ausgedehnt, wird es nun Zeit für die Rezension.

„Angels Fall To Hell“ beginnt mit einem recht dramatischen Einstieg. Dann wird es für die alten Fans heftig, denn die Band legt hier im Härtegrad richtig zu. Der Thrash-Anteil wird mal so richtig nach oben geschoben. Die Produktion ist richtig fett geraten und der Schädel beginnt schon wieder vollautomatisiert mitzubangen. Jawohl, das nenne ich mal eine Entwicklung. Da lacht das Metallerherz.

„Pandemonium“ ist dann der erste Übersong des Albums. Mit reinsten Thrash Metal-Attacken seitens der Gitarren wird der Song eröffnet, um dann in ein ungemein grooviges reduziertes Tempo zu verfallen. Der Refrain fräst sich unaufhaltsam mit jedem neuen Durchgang in die Gedächtniszentrale des Gehirns. Was für ein Track! Das knallt an allen Ecken und Enden, der Stakkato-Part zum kurzen Gitarrensolo planiert alles, was sich der Mucke in den Weg stellt, unaufhaltsam wie eine Dampfwalze in den Boden. Solche Tracks zu Beginn der Metallica/Megadeth-Ära und auf der demnächst erscheinenden „The Big Four“-Videoveröffentlichung wären Helstar mit dabei gewesen.

Die fetten Drums begleiten „Monarch Of Bloodshed“ recht eindrucksvoll durch die Strophen. Dazu der absolut gelungene Gesang von Fronter James Rivera und ein weiteres Meisterwerk ist garantiert. Da kann auch mal das Tempo verschleppt werden und die Gesangslage abdriften, das wirkt einfach nur genial. Deutlich mehr an ältere Tage erinnernd wird hier eher dem US-Metal gefrönt, was aber ganz und gar nicht stört. So ein kleiner Hauch Nevermore schwebt zeitweise auch mit durch die Lautsprechermembranen.

„Bone Crusher“ forciert dann das Tempo wieder merklich. Da ist der Titel Programm. Das ist große Metalzunft. Headbangen bis der Nacken kracht. So darf das gerne weiter gehen und das tut es auch, denn der zögerliche Beginn von „Summer of Hate“ wird schnell wieder von den mächtigen Gitarren zermalmt. Zwar bestreitet man den Track in weiten Teilen im gemäßigten Midtempo, aber er versprüht richtig Pathos. Das müsste live ein Höhepunkt eines jeden Sets werden. Was soll man da noch kritisieren?

Fast schon wie ein Genickschlag rast dann „Dethtrap“ ohne jede Vorwarnung durch die Hörkanäle. Wenn man das mal mit dem zeitgleichen Release von Exciter vergleicht, dann liegt da nicht nur eine Welt zwischen, das sind ganze Universen. Hier wird alles richtig gemacht. Zur Hölle, was ist mit der Band nur passiert, hier ist der Knoten geplatzt und nun geht es richtig ab. Keine Frage, dieses Album wird nicht im Schrank verschwinden, dafür ist es einfach zu intensiv.

„Anger“ kann da nicht ganz mithalten, ohne aber einen großen Qualitätsabfall aufzuweisen. „Trinity Of Heresy“ frönt dann wieder der alten Passion zum US Power-Metal. Wer aber denkt, dass man sich nun selbst kopiert, irrt gewaltig. Das klingt frisch und cool, zumal man inmitten des Tracks urplötzlich einen sehr ruhigen emotionellen Part eingebaut hat, der den Song deutlichst aufwertet. Das muss man sich bei so einem nackenbrechenden Album auch erstmal trauen. Mit heftigsten Drumattacken wird man ebenso überraschend auch wieder aus der Melancholie geprügelt.

Das dann eigentlich abschließende „Alma Negra“ donnert dann im feinen Black Metal-Gewand daher. Blastbeats, keifender Gesang und absoluter Geschwindigkeitsrausch wird hier dargeboten. Eigentlich ein richtiger Fremdkörper auf diesem Album. Zwar wird im Mittelteil das Tempo wieder rausgenommen, aber die Doublebassdrum-Attacken weichen zu keiner Zeit. Gut für mich als bekennender Nicht-Black Metal-Hörer, aber ein gelungener Hinweis darauf, dass diese Musikrichtung nicht unbedingt immer an meinem Ohr vorbei gehen sollte.

Nur gut, dass das Album nicht so endet und es noch ein knapp einminütiges „Zero One“ gibt. Der krasse Gegensatz zum vorherigen Track. Mit akustischer Gitarre und elektronisch verfremdeten Gesang wird hier der Puls wieder heruntergefahren. Das ist zwar von der Spielzeit her deutlich zu kurz geraten, denn bei soviel ausgeschüttetem Adrenalin dauert das eben etwas länger, aber dennoch ein interessanter Abschluss für eine große CD.

Fazit: Helstar stellen für mich eine der größten Überraschungen in diesem Jahr dar. Eine derartig abwechslungsreiche Veröffentlichung hätte ich den Texanern nicht zugetraut. Die Metamorphose zum Thrash Metal hat sehr gute Früchte getragen.

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