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Helrunar: Sol

Zieht euch warm an!
Wertung: 10/10
Genre: Pagan Black Metal
Spielzeit: 94:49
Release: 07.01.2011
Label: Lupus Lounge

Wow, was hämmert denn da für ein Monsterbrett aus den Boxen? Wenn man klirrende Kälte, Polarnächte, unendliche Einsamkeit und Depression überhaupt vertonen kann, dann haben das Helrunar mit ihrem Album „Sol“ geschafft. Nicht nur das, sie haben dem Paket gleich auch noch rasende Wut, tiefste Verzweiflung und eine unbegreifbare Leere hinzugefügt.

Alleine die Aufmachung von „Sol“ lässt Großes erahnen. Das vorliegende Werk beschränkt sich nämlich nicht auf eine CD - es sind gleich zwei. Und diese sind in ein 50-seitiges Artbook verpackt. Allerdings werden die beiden Alben auch separat zu erwerben sein. Die Produktion ist, anders als noch bei „Baldr Okk Iss“, extrem klar und bitterkalt wie flüssiger Stickstoff. Die Gitarren sägen kratzend und vermitteln eine Stimmung des letzten Gerichts. Das Schlagzeug hat Bassdrum-Sound, der droht, sich in das Gehirn zu bohren und die Snare klingt tief und dicht. So, genau so, müssen Black-Metal-Drums klingen. Und dann ist da noch der Gänsehaut und Schauer erschaffende Gesang von Skald Draugir. Egal ob im gesprochenen Wort, im Klargesang oder im Black-Metal-Gekeife, noch mehr Emotionen kann man mit der Stimme alleine nicht erzeugen.
Hämmern Helrunar mit „Kollapsar“ noch voll drauf los, so stellt man im Verlauf des Albums fest, dass sich die Gruppe eher dem Midtempobereich verschrieben hat.

Schleppende, düstere Songfragmente, immer wieder zerrissen durch Skalds Schreie, wechseln sich ab mit filmausschnitt-ähnlichen Einsprengseln voller Resignation und Furcht. Das Album ist eine so feste Einheit, dass es schwer fällt über einzelne Ereignisse oder gar Songs zu schreiben. Ein paar Glanzlichter gibt es natürlich schon. Der Titel „Nebelspinne“ ist ganz besonders gelungen. In den über sieben Minuten Laufzeit werden sämtliche Emotionen verarbeitet, der Titel schleppt sich durch ein Wechselbad der Gefühle und endet mit einem halbminütigen Monolog. Zwischenstücke wie „Fragmente“ sind hier keine Lückenfüller, sie verbinden die anderen Lieder und verknüpfen die Geschichte. Direkt nach einer solchen Überleitung hämmern dann aber gleich wieder so mächtige Lieder wie „Ende 1.3“ los. Der Black-Metal-Anteil kommt nicht zu kurz, immer wieder donnern die Drums im Up-Tempo und die Gitarren schreddern die Melodien in Kleingehacktes. Auch auf dem zweiten Teil des Albums gehen Helrunar nicht zaghafter zu Werke. Hier werden wieder die symbolischen Messer gewetzt. Alleine die Einleitung „Europa nach dem Eis“ lässt einem das Blut in den Adern gefrieren bevor dann bei „Aschevolk“ wieder zum Rundumschlag ausgeholt wird.

Helrunar haben mit „Sol“ unbestritten ein Meisterwerk vorgelegt, da besteht gar kein Zweifel. Die fast greifbare Energiedichte nimmt phantastische Ausmaße an, die Story des Albums ist klar nachvollziehbar und die Musiker verstehen, mit Tönen zu malen. Jeder, der auf Black Metal oder düsteren Pagan Metal steht, sollte unbedingt ein Ohr riskieren. Im Prinzip kann man das Album genauso gut blind kaufen. Auch Freunde atmosphärischer, harter Musik sind angehalten, sich das Teil zu Gemüte zu führen. 

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