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Helliön: Divine Decadence

Laut, unterhaltsam und göttlich dekadent
Wertung: 7.5/10
Genre: Hardrock/Metal
Spielzeit: 48:25
Release: 15.01.2010
Label: Starfish Music

666 ist die Zahl des Teufels, das wissen wir nicht erst seit Iron Maiden. Irgendwann kam irgendjemand auf die glorreiche Idee, daraus den Witz mit dem Nachbarn der Bestie, wohnhaft in Haus Nummer 667, zu drehen, was wiederum eine Maiden-Coverband dazu verleitete, sich entsprechend zu benennen. Mittlerweile hat der Kalauer aber auch schon einen Bart von hier bis zur Hölle. Warum ich das alles erzähle?

Nun, Helliön trauen sich tatsächlich, im Jahre 2010 ihr Album „Divine Decadence“ mit einem Song des Titels „667“ zu eröffnen, dessen Refrain kreativerweise aus den Worten „667 – neighbour of the beast!“ besteht. Und nicht nur das. Die vier Herren, die sich offenbar selbst nicht ganz ernst nehmen, haben darüber hinaus auch noch die Chuzpe, sich auf dem Albumcover als Comicteufel mit leicht- bis unbekleideten Damen abbilden zu lassen und in „Farmer's Pride“ effektvoll und im mehrstimmigen Chor die Zeile „my cock is still much bigger than yours“ zu droppen. Was soll man davon nur halten?

Solange die Chaoten ihre Statements weiter in so erfrischenden wie derben Hardrock verpacken, dürfen sie meinetwegen auch von „Merlin“ oder des Teufels Großmutter singen – was sie selbstverständlich gerne tun. Von fliegenden Drachen und gerittenen Einhörnern ist ebenfalls die Rede und musikalisch wird sowieso kein Klischee ausgelassen: krachige Schweinerockriffs, fiepende Leadgitarren, Doublebass-Attacken, epische, mehrstimmige Gesänge und breite Synthieflächen – „Divine Decadence“ hat alles. Dabei bewegen sich Helliön auch noch auf einem musikalischen Level, das man ihnen ob der Tracklist und des albernen Covers so gar nicht zugetraut hätte. Sogar die gefährlichste Klippe für unbekanntere Hardock-Formationen umschifft das Quartett gekonnt, denn mit Loxxy hat man einen fähigen und wandlungsfähigen Mann am Mikrofon stehen, dessen Organ sich meist passend in den Sound fügt und besonders gut in den großzügig eingesetzten Chorpassagen zur Geltung kommt.

So sehr sich Helliön aber auf traditionelle Ingredienzien stützen; Lust am Experiment ist „Divine Decadence“ ebenso hin und wieder anzumerken: In „Hell's Granny“ jodelt eine Mundharmonika mit der Leadgitarre und gesampelten Motorradsounds um die Wette, für „The Only 1“ holt man sich Unterstützung von D.T.A.-Mitglied Okan D., der den Track mit Hardcore-Shouts bereichert. Der vorläufige Höhepunkt des kreativen Wahnsinns ist dann in „The Glorious Ship“ erreicht: Hier wird galoppierender Heavy Metal völlig selbstverständlich mit sehnsüchtigem Schifferklavier und einem Shantychor gepaart.

Den offiziellen Abschluss der Platte bestreitet schließlich die knapp neunminütige Rock-Arie „When The Ice Turns To Water“, die mit Queen-Chören und Midtempo-Epik ordentlich Atmosphäre verbreitet. Danach folgt zunächst Stille, bevor Helliön für einen versteckten Bonustrack noch einmal die Sau rauslassen und Roxettes „The Look“ eine ordentliche Metal-Infusion verpassen, was ihnen ihnen so unterhaltsam gelingt, dass dieser kleine Spoiler einfach erlaubt sein muss.

Fazit: Zu ernst nehmen sollte man diese Truppe nicht – andernfalls würde man an den herrlich kitschigen Lyrics und Arrangements wohl kaum Freude haben. Für Helliön gilt stattdessen: CD einlegen und sich headbangend bestens unterhalten fühlen. Schließlich bedankt sich die Band im Booklet explizit bei Dionysus, dem griechischen Gott des Weines und der Freude, was über Sinn und Zweck von „Divine Decadence“ deutlich Auskunft gibt.

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