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Hell: Curse & Chapter

Kompakter als das Debüt
Wertung: 8,5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 59:54
Release: 22.11.2013
Label: Nuclear Blast

Belächelt und verehrt, so sieht es im Hell-Alltag aus. Für die einen zu theatralisch, für die anderen die Reinkarnation eines 80er Lebensgefühls, welches auch heute noch ungebrochen ganze Horden mobilisieren kann und sich nicht nur fernab des Ü-40 Kosmos abspielt, sondern auch vermehrt den gerade einsteigenden Nachwuchs auf die Glückspalme treibt.

Schon der EP-Teaser „The Age Of Nefarious“ legte die diabolischen Karten offen und kombinierte reichlich Melodie, Theatralik und herrlich bratende Metalsongs. Die Vorspeise hat schon mal gemundet, nun folgt also mit „Curse & Chapter“ die kalorienreiche Hauptspeise, die natürlich wie beim Höllentheater gleich durch ein fein abgeschmecktes Intro ins rechte Bühnenbild gesetzt wird. Und auch der Opener ist hier eigentlich schon mehr als nötig beim Review zur EP gewürdigt worden: Die Briten bieten mit „The Age Of Nefarious“ ein wahres Feuerwerk aus melodischen Riffs, die wie eine Ehrerbietung an die NWOBHM-Phase gereichen, wo Bass, Schlagzeug und Gitarre auf Augenhöhe wummern und sich harmonisch ins Songkorsett einschmiegen.

Natürlich, das Debüt „Human Remains“ von 2011 punktete allein dadurch, dass glatt zwei Dekaden herhalten mussten, bis endlich der geneigte Fan bedient werden konnte – viel Zeit, wo man vielleicht auch einen Fehlgriff hätte abliefern können, doch weit gefehlt, denn wie aus einem Guss stemmten sie die Last der großen Vorfreude. Auf dem nun vorliegenden Nachfolger galt es also, die Schlieren der Vergangenheit abzustreifen und sich einem Schreibprozess hinzugeben, der sich im Veröffentlichungsuniversum nicht ganz so lange hinzieht. Schon erstaunlich, was das Quintett da in der Kürze aus dem Hut gezaubert hat, denn das Album wuchtet sich insgesamt ein wenig kompakter ins Old-School-Ohr.

Zwei Dinge lassen dann auch das Album wie aus einem Guss klingen: Jeder Song bekommt ein kleines Intro spendiert und bietet so den spannungsgeladenen Übergang zum nächsten Song. Weitaus intensiver aber ist die Gesangsleistung von Frontmann David Bower, der es tatsächlich in jedem verficken Arrangement schafft, dass man sich auch visuell seine Bühnendarbietungen vorstellen kann. Da hilft es dann natürlich, dass beispielsweise „The Disposer Supreme“ einfach nur ganz großes Riffkino ist, den leichten Hauch progressiver Einflüsse wegsteckt und auch die Snythieklänge wie die Faust aufs 80er-NWOBHM-Auge passen.

Fast sechzig Minuten ist das Dingen lang, vollgepackt mit Emotionen und wie in „Land Of The Living Dead“ auch an Iron Maiden erinnernde Einflüsse. „Darkhangel“ ist eine mehr als sieben Minuten lange hymnische Monsterwalze, mit dem Instrumental „Deathsquad“ geht es dann auf eine Odyssee in spacige Gefilde, ohne aber den Kontakt zu Mutter Heavy Metal zu verlieren, dazu das hochmelodische Riffmonster „Something Wicked This Way Comes“ und fertig ist der positive Eindruck über die neuen, alten Hell.

Eine Besonderheit stellt „Harbinger Of Death“ dar, ein in die Neuzeit transportierter Coversong von Race Against Time, die anno 1980 ein 3-Track-Demotape veröffentlichten und gerade für Andy Sneap eine Hommage an seinen ehemaligen Gitarrenlehrer David Halliday (Gitarre und Gesang bei Hell von 1982 bis 1987, brachte sich damals kurz nach seinem dreißigsten Geburtstag selbst ins Jenseits) darstellt. Hier macht sich auch eine kleine Passion bemerkbar, hatten Hell doch schon auf dem Debüt „The Oppressors“ von eben jenen Race Against Time“ gecovert.

Wer bisher noch nicht zugegriffen haben sollte, kann dieses ja noch schleunigst nachholen, den „Curse & Chapter“ gehört mit Sicherheit in jeden Plattenschrank eines traditionsbewussten Metallers. Klar, die manchmal reichlich bombastischen Keyboardklänge könnten dann doch wieder den einen oder anderen abschrecken, doch irgendwie kann man auch nicht das Gefühl verbergen, dass die Platte genau so stimmt wie sie halt ist. Und in Wahrheit wissen wir doch schon lange: Die guten MetallerInnen kommen in den Himmel, die bösen überall hin.

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