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Helheim: Heiðindómr Ok Mótgangr

Der Viking Metal lebt!
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal, Viking Metal
Spielzeit: 53:04
Release: 27.05.2011
Label: Dark Essence Records

Wikinger sind heutzutage auch nicht mehr das, was sie einmal waren – unter „Viking Metal“ werden weitgehend nur noch Mitgröl-taugliche Keyboard-Melodien und lustige Kostüme verstanden; große Teile der Anhängerschaft verstehen Feiern und Trinken als primäre Ideale einer modernen Form des Heidentums und das Mystische, das dieser Art von Musik einst zu Eigen war, geht langsam verloren. Da ist es doch umso erfreulicher, wenn eine Band wie Helheim, die zu den Veteranen dieses Genres zählt, ihren Stil auch nach 18 Jahren Aktivität noch weiterentwickelt ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren und mit „Heiðindómr Ok Mótgangr“ ihr wohl fortschrittlichstes Album präsentiert.

Bekanntlich zählten die Norweger noch nie zu der Art von Bands, die die nordische Mythologie musikalisch und textlich auf simple Weise verarbeiteten, doch mit ihrem neuen Werk gelangt der Stil des Quartetts zu bisher nicht gekannter Komplexität: Grundlage des Sounds ist nach wie vor rauer Black Metal, der seine folkloristischen Anklänge jedoch nicht aus Flöten und Keyboards, sondern unverbrauchten und außergewöhnlichen Riff-Folgen und subtil platzierten Details wie den Klängen eines Waldhorns bezieht – der Clou hierbei sind allerdings in erster Linie die abwechslungsreichen und vertrackten Songstrukturen, die die Spielzeiten der Stücke nicht umsonst fast ohne Ausnahme ein ganzes Stück über den Durchschnitt ziehen und dem Album viel Tiefe verleihen.

Dies stellt die Band von Anfang an klar, denn beeindruckender als mit „Viten Og Mot (Sindighet)“ hätte man das Album kaum eröffnen können: Langsame Black-Metal-Harmonien leiten den Song düster ein, bevor sich ins Midtempo vorgewagt wird und die rauen Screams und Growls der beiden Sänger V’gandr und H’grimnir im Wechselspiel erklingen, die gegen Ende sogar überraschend in zunächst etwas befremdlichen Klargesang übergehen, der sich in seinem rauen und urtümlichen Klang aber schlussendlich gut in das Bild einfügt. Neben zahlreichen Tempo- und Stimmungswechseln sind es dabei insbesondere geschickt eingesetzte Kniffe wie das unheilvolle Dröhnen eines Horns oder das virtuose Gitarrensolo des neuen Lead-Gitarristen Noralf, der sich übrigens als echter Gewinn entpuppt, die den Song und auch den Rest des Albums auf lange Sicht interessant machen.

Variation findet sich jedoch nicht nur im Detail, denn Wiederholungen sucht man vergebens: Rasender, chaotischer Black Metal, dessen donnernde Blastbeat-Rhythmen von hasserfüllten Schreien begleitet werden („Nauðr “) betont die Wurzeln der Band, ruhige Versatzstücke mit tiefem, rituell anmutendem Klargesang („Maðr “) erlauben Verschnaufpausen und ein sich über mehrere Minuten erstreckendes Gitarrensolo betont den technischen Anspruch Helheims („Viten Og Mot (Årvåkenhe )“. Einzig „Element“ sticht mit dem etwas schleppenden Songaufbau aus dem ansonsten makellosen Gesamtbild ein wenig heraus, entfaltet nach kurzer Eingewöhnungszeit aber auch einiges an Potential – letztendlich lassen große Momente wie der Gastauftritt von Taake-Sänger Hoest im atmosphärischen „Dualitet Og Ulver“ und das abschließende „Helheim VIII“, das mit akustischen Gitarren, Maultrommel und fernem Gesang einen gelungenen Gegenpol zum Rest der Songs darstellt, aber sowieso so gut wie jeglichen Schönheitsfehler vergessen.

„Heiðindómr Ok Mótgangr“ ist komplex, einfallsreich, vermittelt den mythologischen Hintergrund der Musik authentisch und stimmig und baut auf einem beeindruckendem technischen Fundament auf – Helheim ist es damit zweifellos gelungen, mit ihrem neuen Werk Maßstäbe für kommende Viking-Metal-Veröffentlichungen aufzustellen, an denen sich viele Bands die Zähne ausbeißen werden. Wer den ursprünglichen, rauen Grundtenor dieser Musik schätzt, hat hier einen Pflichtkauf vor sich, doch auch solche Fans harter Musik, die mit Wikingern nichts am Hut haben, sollten hier aufgrund der Black-Metal-Basis und den starken progressiven Anklängen einmal hereinhören, denn „Heiðindómr Ok Mótgangr“ ist ein von Anfang bis Ende stimmiges Album geworden.

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