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Helfahrt: Drifa

Krempeln den Black Metal mal anders auf: roh, groovig und gleichzeitig atmosphärisch
Wertung: 8/10
Genre: Experimenteller Black Metal / Black’n’Roll
Spielzeit: 52:16
Release: 30.04.2010
Label: SMP Records / Trollzorn

„Ich beobachtete, wie eine Schnecke auf der Schneide eines Rasiermessers entlang kroch“. Nein, dies ist kein Anfang eines neuen Kinderromans, sondern ein Zitat aus dem druckfrischen Album der Band Helfahrt. „Drifa“ heißt es und dementsprechend frostig wird es auch. Nach bereits zwei CD-Releases seit 2005, verschaffen sich Helfahrt nun mit ihrem dritten Album einen ziemlich sicheren Platz in den oberen Rängen des experimentellen Black Metals. Abwechslungs- und einfallsreich zeigt sich der Fünfer-Trupp aus Bayern, der neben dem angesprochenen Black Metal auch durchaus verwandte Genre wie Black’n’Roll und Pagan Metal streift. Durch die kunstvolle Vereinigung zwischen progressiven und verzehrend dunklen Klängen, schaffen Helfahrt mit „Drifa“ einen schön inszenierten Brückenschlag zwischen Sensibilität und derber Durchschlagskraft.

Besonders auffällig ist die Musik auf diesem Album zusätzlich durch den fein herausgearbeiteten Bass von Tobias Ludwig. Was bei anderen Bands fast gänzlich untergeht, stellt hier ein verstecktes Herzstück dar. Die Basslines wirken sehr groovig und voll und geben dem Sound dieses Albums eine besondere Note. Dabei halten sie sich trotzdem geschickt und passend in der Grauzone zwischen Liedführung und einer unterstützenden Funktion.

Auf diese Weise kommt auch trotz des markanten Bass’ der überzeugende Gesang von Max Marquardt weiterhin zur Geltung. Seine rauen Schreie wirken sehr authentisch und führen dem Hörer trotz einiger experimenteller Parts immer wieder ganz deutlich den Black Metal vor Augen.

„Experimentell“ meint in diesem Fall aber keinen kläglichen Versuch die Musik in irgendeiner Weise interessanter wirken zu lassen ohne wirklich ein Konzept zu besitzen. „Experimentell“ sollte bei „Drifa“ vielmehr als gekonntes Abweichen von der einfallslosen Norm aufgefasst werden. Titel wie „Der Zeit entstellt“, „Wenn Kälte wärmt“ oder auch „Staub“ sind durchaus sehr gute Beispiel dafür, wie gut Helfahrt sich auch auf progressive kunstvolle Melodien verstehen, die immer wieder einen raffinierten Übergang zum rohen Black Metal der Band finden.

Besonders zu Beginn von „Die Zeit entstellt“ überraschen Helfahrt mit Feingefühl für diese progressiven Klänge voller geschickt konstruierter Disharmonien, die unerwartet stark mit mehr oder weniger „reinen“ Progressive-Bands wie Opeth assoziiert werden können. Ein großer Pluspunkt für Helfahrt, gerade weil sie sich eigentlich nicht darauf spezialisiert haben.
Dabei geben sie sich aber nicht nur mit den angesprochenen kurzweiligen Ausblicken zufrieden, sondern schmeißen die Vocals für zwei Stücke prompt ganz heraus und verfeinern das Album auf diese Weise mit rein instrumentalen Einlagen namens „Abschied“ und „Staub“.

Weiteres Augenmerk sollte aber auch auf den abwechslungsreichen Einsatz der Double-Bass bei Liedern wie „Auf dem Strome“ gelegt werden. Der wechselhaft dynamische Einsatz dieser Technik gibt dem Lied viel mehr Schwung und Energie als durchgängiges Double-Bass-Gezimmer es jemals vermitteln könnte. Sowieso legen Helfahrt bei ihrem aktuellen Album viel mehr Wert auf stimmige Atmosphäre als auf bahnbrechende Geschwindigkeiten.

Neben etwas irritierenden Schnecken-Weisheiten gibt es auf „Drifa“ also jede Menge mehr zu entdecken und zu schätzen. Ein wirklich interessantes Album, das gute Abwechslung bietet, die gerade beim genauen Hinhören zu begeistern weiß.

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